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Anmerkungen zu Ein uralter Wald von Lutz Stucka

Cottbus: Regia-Verlag 2008

Von Bernd-Ingo Friedrich

Siehe dazu auch die "Anmerkungen zu Verschiedenem von Lutz Stucka" auf www.kulturpixel.de.
sowie die "Anmerkungen zu den Vandalismen von Lutz Stucka", ebenfalls dort.



jagdschloss weisswasser stucka 1850


„Dass mir Grundbegriffe sehr zu schaffen machen, ist mir neu. Sicher macht man mal den einen oder anderen Schreibfehler, oder kennt ein Fremdwort nicht, wie zum Beispiel ‚Pleasuregrounds’, was, so glaube ich, kein deutscher Grundbegriff ist. Oder doch? Das nun schon solche Worte aus dem Französischen zu deutschen Grundbegriffen geworden sind, war mir bisher nicht geläufig. Da muss ich noch ein wenig dazu lernen, Herr Friedrich, Respekt!“
(Lutz Stucka, „Zu Herrn Friedrichs Kritiken.doc“, vom 14.06.2011; S. 6.)


Zu den Tausenden schlechten und/ oder schlecht gemachten Büchern, die seit 1990 auch den Osten Deutschlands überschwemmen, gehört zweifellos Ein uralter Wald von Lutz Stucka. Darin wechseln völlig unbedarfte, von jeder Kenntnis historischer Zusammenhänge freie Äußerungen ab mit detailreichen Schilderungen, denen zu entnehmen ist, daß der Autor zum Teil über ausgezeichnetes Material verfügt. Er versteht es nur leider überhaupt nicht, es zu nutzen. Bücher, die derart sorglos Wissen mit Halb- und Nichtwissen verbinden, gehören zum Albtraum jedes ernsthaft Forschenden, sieht er doch durch sie seine eigene gewissenhafte, mitunter jahrelange Arbeit erneut in Frage gestellt.

Doch während der Westen schlecht gemachte Bücher (noch) verkraften kann, weil ihnen dort (noch) genügend in der Vergangenheit produzierte gute gegenüber stehen, sind diese für den Osten eine Katastrophe. Hier besteht zwar noch immer ein gewaltiger Nachholbedarf bei der Aufarbeitung der Regionalgeschichte, nur ist es aufgrund eines gründlich gewandelten Buchmarktes inzwischen so, daß jedes schlechte Buch tödlich für ein gutes wird. Ein besseres Buch über den Urwald bei Weißwasser wird es nämlich nicht mehr geben, weil niemand ein zweites verlegen wird – weil nur Wenige noch ein zweites kaufen würden. Deshalb ist es doppelt unverantwortlich, ein derart mangelhaftes Werk zu veröffentlichen. Die Hauptschuld am Zustandekommen eines Elaborats, das die trübsten Pisa-Prognosen vorwegnimmt, trifft allerdings den Verlag. Man braucht kein Lektorat, um bereits beim Überfliegen einiger Seiten Sätze wie diese (S. 7) zu bemerken:

„Der junge Pückler wurde hier von seiner Mutter und dem Großvater zur Liebe dieses uralten Waldes erzogen. So wie ihn die Natur werden ließ, sollte der Mensch ihn pflegen. Der Forstwissenschaftler Wilhelm Pfeil, welcher ebenfalls mit diesem Wald zu tun hatte, gab ihm die Feststellung, daß sich die Natur nur sinnvoll verändern lasse, wenn man sie erkannt hat.“ Gelungene Relativsätze sind generell Glückssache; Orthographie und Interpunktion kommen etwas besser weg.

Von rund 150 Seiten Text sind gute 50 reine Wiederholungen. (Besondere Bäume, Grüner Weg, der Wald muß weg usw.) Zu ihnen gehören die Variationen der Behauptung (S. 28, 30, 31, 32, 35 ...), Pückler hätte sich „vom uralten Wald“ etc. „zu seinen Parkgestaltungen im naturnahen Ambiente [...] nicht unwesentlich inspirieren lassen“ (die Quelle dafür fehlt natürlich, wie überall) und im Waldesdickicht Sichtachsen studiert – eine Behauptung, die auch dann nicht zur Wahrheit wird, wenn man sie ständig wiederholt.

Deshalb gelingt die Aufwertung eines Naturschutzgebietes zum Kulturraum ebenso wenig wie die Verklärung einer völlig unbedeutenden Ansiedlung inmitten finsterer Wälder zu einem Brückenkopf der Besiedlung durch die – ja, wen eigentlich? Einmal nennt der Autor (für eine Zeit, aus der keine schriftliche Überlieferung existiert) die Milzener (die im Gebiet zwischen Kamenz und Löbau siedelten), ein andermal die Lusitzer (die das näher gelegene Gebiet der heutigen Niederlausitz bewohnten). Auch die kurz eingestreuten Bemerkungen zur Religion der Slawen (ein Begriff, den der Autor möglichst meidet) oder zum 30jährigen Krieg sind recht „neckisch“; so zu sagen.

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Aus der Fülle des Wunderlichen, das sich oft auch nur aus mißratenen Formulierungen oder unglücklichen (Ab-) Satz-Kombinationen ergibt, etwas auszuwählen, fällt schwer. Auf Seite 41 wird solcherart zum Beispiel Karl der Große zu einem Sklavenhalter. Später taumelt der Autor derart durch die Callenberg-Pückler-Zeiten, daß ihm gar nicht mehr auffällt, daß es zwischen Callenberg dem letzten (gestorben 1795) und Pückler dem dritten (dem Fürsten; Standesherr ab 1811) noch jemanden gegeben haben muß, der sich um die Standesherrschaft kümmerte – aber macht nichts: Der Callenberg war’s.

Curt Reinicke I. von Callenberg blieb – entgegen der Aussage im vorliegenden Werk – Freiherr und nannte sich nicht Reichsgraf. Seine Lebensdaten findet man drei Mal: Einmal unter dem Porträt auf Seite 16 – „Curt Reinicke I. [...] von Callenberg (1607-1672)“ – und gleich zwei Mal in der dazugehörigen, in dieser Form völlig überflüssigen Anmerkung 6 auf Seite 15, die lapidar verkündet: „Callenberg, C. R. von (1607-1672), Standesherr von Muskau (1607-1672)“. Der Callenberger kämpfte auch nicht nur „gegen die Allmacht der katholischen Kirche“, sondern die meiste Zeit auf Seiten der Kaiserlichen, also Katholischen ...

Mein Lieblingssatz steht auf Seite 15 und lautet: „Erst als das Land Muskau aus dem königlichen Lehen heraus gelöst wurde, begann eine intensivere Nutzung durch den neuen Besitzer.“ Ich lasse diese Aussage unkommentiert, weil mich ihre Richtigstellung – obwohl man ihr das gar nicht ansieht – zu viel Zeit kosten würde; ich nenne nur das Stichwort: Standesherrschaft.

Begriffe, zumal Grundbegriffe, machen dem Autor überhaupt sehr zu schaffen; ein weiteres Beispiel (S. 54): „Pleasuregronds“, hier übersetzt in „Vergnügungspark d. Verf.“ (!). Es hätte selbstverständlich heißen müssen „pleasureground“; die Erklärung – mit einem Wort nicht abgetan – ist in jedem Nachschlagewerk zu finden.

Verblüffend ist immer wieder auch die seltsame Logik des Autors, nehmen wir hierzu S. 21. Hier behauptet er, das Jagdschloß hätte eigentlich an gar keinem anderen Platz errichtet werden können als an jenem, wo es letztlich stand. Es folgen zwei Aussagen mit der Einschränkung „es könnte“ bzw. „vielleicht“ sowie eine dritte mit dem Beschluß: „wenn dies tatsächlich so war, dann hätte“ – und siehe da: Schon eine Zeile später ist es! Überhaupt stellen Konjunktive zusammen mit Adjektiven wie „eventuell“, „vielleicht“, „vermutlich“ oder „wahrscheinlich“ über weite Strecken des Buches die gängigsten Formulierungen dar. Kein Wunder: Pückler wird nur aus Sekundärquellen zitiert, und deshalb kann der Autor (S. 92) es auch „wunderbar“ finden, daß es Leute gibt, die wissen, „was Pückler in diesem Waldschloß getan hatte“. Auch er hätte dies – und noch mehr – wissen können, wenn er sich bei Pückler, Schefer, Laube oder anderen belesen hätte.

Aber nicht nur Primär- sondern auch neuere Sekundärliteratur wird ignoriert, so daß es denn passieren kann, daß Leopold Schefer (S. 35) zu einem „Garteninspektor“ wird. Nun gibt es zwar in der Schefer-Literatur der Vergangenheit so manchen Blödsinn, aber dieser war bisher nirgendwo zu lesen.

Dafür kommen etliche dubiose Quellen zu Ehren, von denen ich nur diverse „Telefonate“ erwähnen möchte und natürlich die neuerdings auch bei Journalisten so beliebte, weil bequeme „Wikipedia“ – ein Forum, das keinerlei gesicherte Erkenntnisse anbieten kann, weil jeder einigermaßen technisch Beschlagene darin herummanipulieren darf, sowie ihm der Sinn danach steht.

In diesem Zusammenhang irreführend sind – um das Ganze abzuschließen – auch die Anmerkungen bzw. Literaturhinweise am Ende des Buches. Schlägt man beispielsweise nach, was es mit „erschien in Muskau ein Büchlein“ (S. 53) auf sich hat, so landet man zunächst im Labyrinth der Anmerkungen, wo es sogar a-, b- und c-Nummern gibt, und wird dort prompt weitergeleitet zum Literaturverzeichnis – wie fast immer. Dafür findet man unter den Anmerkungen Literatur, die im Verzeichnis fehlt. Es geht also bis zuletzt so unsystematisch zu, wie nur möglich.

Zum formal deutlich besseren Teil des Buches zählen die Passagen über die Forstwirtschaft. „Vermutlich“ war dem Autor hierfür Material in die Hände gefallen, um das er sich nicht sonderlich bemühen mußte. Besonders aufschlußreich (insgesamt!) fällt diesbezüglich ein Vergleich der Arbeit des - im Literaturverzeichnis lediglich „A. Schulze“ genannten! - Forstingenieurs Andreas Schulze (Hg. Vattenfall, Cottbus 2006) mit der vorliegenden (Cottbus 2008) aus. Allerdings habe ich mich mit diesem forstwirtschaftlichen Teil nicht mehr befassen mögen, denn ich habe keine Ursache zu glauben, daß er weniger fehlerhaft sein könnte als jener, den ich gut beurteilen kann. Es ist nämlich nicht meine – des Lesers – Sache, den Dingen auf den Grund zu gehen, sondern die des Autors. Nb: Andreas Schulze befindet sich nicht unter den „insbesondere Bedankten“ im Vorwort, sondern wird - siehe oben - lediglich mit der Initiale seines Vornamens im Literaturverzeichnis genannt ...

Zum Schluß: Mich persönlich haben bereits die ersten beiden Sätze der Einleitung geärgert: „Nach vielen hundert Jahren muß nun der uralte Wald am Jagdschloß bei Weißwasser gehen. Viele Leute bedauern das sehr, sie wissen aber auch, daß es erforderlich ist.“ Ich weiß – und viele andere wissen es auch –, daß seit Jahrzehnten Satelliten und Raumstationen um die Erde kreisen, zu deren Energieversorgung schon längst keine Kraftwerke mit dem Wirkungsgrad einer Dampflok mehr benötigt werden! - Aber wer die „Protestantin“ über 100 Jahre nach ihrem Absterben noch als Sehenswürdigkeit erwähnt ....

(06.05.2008)

P.S. vom 12.02.2011: Auch anderen Orts müssen Wälder „gehen“. Jan Hufenbach, Klein-Priebus, hat dazu Interessantes zutage gefördert: „Das Gold der Lausitz“ auf www.kostblog.de.


jagdschloss weisswasser muskau um 1900


Zum Kommentar von "dieter aus weißwasser" vom 6. Juli 2009

„Meckern“ kann eben nicht jeder, denn auch dazu braucht man Sachverstand. Wer keinen Rat sucht, bleibt ratlos. Und: Wollte man jeden Stuß, der veröffentlicht wird, noch einmal schreiben, käme man zu nichts Eigenem mehr und würde trotzdem niemals fertig. Also kritisiert man und überläßt es dem Kritisierten, sich zu bessern oder weiter zu blamieren. (NB: Anonyme Einträge werden eigentlich umgehend gelöscht, aber diesen lasse ich einmal stehen ...)

(17.08.2009)


Nachtrag vom 05.02.2011

Gut, dann also weiter:  Aus der Ankündigung einer Lesung mit dem Autor am 9. Februar 2011 im Stadtmuseum Cottbus, gefunden auf der Webseite des Regia-Verlags:

„Der Gottesdienst der evangelischen Kirche Schleife am Reformationstag im vergangenen Jahr (2010) im Tiergarten am ehemaligen Jagdschloss hatte zum Anlass, den Abschied des Kirchspiels von ihrem Gründungsort. Eine mächtige Kiefer, die ‚Protestantin’ machte am längst verlassenen Kultplatz der slawischen Ureinwohner mehrere Jahrhunderte darauf aufmerksam, dass die Region hier [?] im Jahr 1620 vom katholischen zum protestantischen Glauben übergewechselt ist.“

Jeder ist nur so dumm,
wie er sich machen läßt.

„Nachdem Michael Lotvitz, der lezte papistische Caplan, mit Tode abging, so fing 1. Lazarus Wener 1546 an das Evangelium zu predigen.“ (Ehregott Friedrich Pannach in einer unlängst aufgefundenen „Kirchengeschichte wendischer Parochien“ unter „17. Mußkau“. Ms. um 1800.)

„Dem Namen nach ist uns ein evangelischer Prediger für Schleife seit 1596 bekannt. [Hirtz-Helbig, Nr. 2143.] Die Nachbarpfarrei Gablenz soll schon 1534 den neuen Glauben angenommen haben. [Pohl, Heimatbuch Rothenburg I; S. 162.]“ (Nach Arnim/ Boehlcke, Muskau, 1985; S. 70.) Im o.g. Manuskript erscheint namentlich mit Johann Kupffer aus Zibelle der erste Gablenzer protestantische Pfarrer 1615; ohne Jahreszahlen werden als Vorgänger Jacob Weiß und Bartholomäus Dictus aufgezählt.

„27.04.1605 Grundsteinlegung für den Bau der [evangelischen] Stadtkirche, auch Deutsche Kirche genannt, durch den Burggrafen [zu Dohna].” (Chronik von Stadt und Park Bad Muskau, 1997; S. 17.)

Zur Reformation in Sachsen: „Nur wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (1517) breitete sich das reformatorische Gedankengut auch in die Oberlausitz aus. In Görlitz, Zittau und Bautzen wurden die ersten evangelischen Predigten 1520 beziehungsweise 1521 gehalten. Der Adel und die Stadträte hatten für die neue kirchliche Bewegung allerdings wenig übrig und versuchten, ihre Ausbreitung zu verhindern. Auch der König wandte sich mit scharfen Mandaten gegen die reformatorischen Bestrebungen in den Lausitzen. In Görlitz und Bautzen gaben die städtischen Obrigkeiten aber bald dem Druck der Bevölkerung nach und führten die Reformation in den Jahren 1523 und 1524 offiziell ein. Die Veränderungen hin zum neuen Kirchenwesen wurden aber nur in kleinen vorsichtigen Schritten vollzogen. Insbesondere das Bautzener Kollegiatstift widersetzte sich erfolgreich und blieb auf Dauer katholisch. Insgesamt dauerte es Jahrzehnte, bis sich die lutherische Lehre in den meisten Pfarreien des Landes endgültig durchgesetzt hatte. Das lag daran, dass in der Oberlausitz nicht der Landesfürst die Reformation einführte, sondern alle Ortsobrigkeiten (die Räte der Städte und die adligen Grundherren) für die unter ihrem Patronat stehenden Kirchen die neue Konfession anordneten und somit selbständig über die Hinwendung zum Protestantismus entschieden.” (http://de.wikipedia.org/wiki/Oberlausitz.)

Bei der Gedenktafel mit der Aufschrift „Die Protestantin/ gepflanzt im Jahre des Herrn/ 1620/ vom ersten protestantischen/ Callenberg/ Herrn von Muskau und/ Landvogt der Oberlausitz“ handelt es sich wohl um den gelungenen Scherz eines Altvorderen, denn als Curt Reinicke I. von Callenberg usw. (1607-1672, im Frühjahr 1620 also noch keine 13 Jahre alt) die Erbtochter der Herrschaft Muskau ehelichte und damit als erster Callenberger überhaupt „Herr von Muskau“ wurde, schrieb man bereits das Jahr 1645. Von 1626 an bis dahin hatte sich der Freiherr je nach Vorteilslage einmal auf der Seite der kaisertreuen katholischen Truppen, ein andermal auf Seiten der sächsischen Protestanten im Dreißigjährigen Krieg ein „ansehnliches Vermögen“ zusammen gemordet, geplündert und getrogen. (Nach: Sophie Gräfin von Arnim, Der Landvogt von Callenberg, 1934; S. 3-9.)


jagdschloss weisswasser tafel protestantin


Das partiell vermoderte ominöse Denkmal wurde ... – irgendwann brettweise nahe des Jagdschlosses im Urwald von Weißwasser aufgelesen und dem Graveurmeister Holger Klein in Bad Muskau zusammen mit einem erläuternden Text (!) zur Restaurierung übergeben. Als „Dauerleihgabe von Herrn Lutz Stucka“ ist die archäologische Kuriosität jetzt in der Heimatstube des Pfarramtes von Schleife zu bestaunen.

(Den Professoren der Sorbonne wurde einmal ein offensichtlich sehr altes Steinzeuggefäß übersandt, auf dem sich noch die Buchstaben „M. I. D. D.“ erkennen ließen. Nach eingehender Beratung gelangten sie zu der Erkenntnis, daß es sich dabei um ein altrömisches Kultgerät aus dem – ich weiß nicht mehr, welchem – Jahrhundert handele und deuteten die Aufschrift als „Magnum Iuppiterum Deum Deorum“: „Dem großen Jupiter, dem Gott der Götter“. In der französischen Tagespresse erschien eine Notiz über die Veröffentlichung des sensationellen Fundes in der einschlägigen Fachliteratur. Bald darauf erhielten die Professoren Post aus der Provinz und es stellte sich folgendes heraus: Eine kleine Senffabrik aus Dijon hatte ihr Produkt vor Jahrzehnten in solche Töpfe abgefüllt und die ursprünglichen Buchstaben „M. J. D. D.“ darauf standen für „Moutarde Jaune De Dijon“: „Gelber Senf aus Dijon“.)

Daß es sich bei Lutz Stuckas „Quelleninterpretation“ um keinen Irrtum, sondern um eine bewußte Täuschung handelt, beweist ein Zitat aus seinen eigenen „Quellen und Anmerkungen“ im „uralten Wald“, S. 143, wo er 2008 schrieb:

„‚Protestantin’/ alte Kiefer, die angeblich anlässlich des Übertritts der Standesherrschaft Muskau zum protestantischen Glauben gepflanzt wurde./ Realistischer ist aber, das [sic] dieser besonders kräftig gewachsene Baum später so benannt wurde und mit Hilfe einer davor angebrachten Tafel an dieses Ereignis erinnern sollte.“

Man vergleiche nun diese Aussage mit der oben zitierten aus den neueren Veröffentlichungen des Autors:

„Eine mächtige Kiefer, die ‚Protestantin’ machte am längst verlassenen Kultplatz der slawischen Ureinwohner mehrere Jahrhunderte darauf aufmerksam, dass die Region hier im Jahr 1620 vom katholischen zum protestantischen Glauben übergewechselt ist.“

Aus dem Obigen geht hervor, daß der Autor den Erkenntnisfortschritt lediglich seiner Einbildungskraft verdankt. Und: Sie korrespondiert mit einer Überlieferung, wonach der Autor gegenüber Mitarbeitern des Glasmuseums Weißwasser geäußert haben soll, daß es so ziemlich egal sei, was man schriebe, weil „die Leute“ ja sowieso „keine Ahnung“ hätten. Daß es ihm tatsächlich egal ist, was er unter „die Leute“ bringt, beweist er auch dadurch, daß er seinen „uralten Wald“ trotz aller Kritiken daran unverändert erscheinen läßt, obwohl Korrekturen in einem digital gedruckten Erzeugnis jederzeit machbar wären.


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