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Zu Pallas und ihre Waffen von Robert Langer

Dresden: Neisse Verlag 2008

Von Bernd-Ingo Friedrich


Es macht keinen Spaß, immerzu Verrisse schreiben zu müssen - häßliche Emails, eine versuchte Abmahnung, um ein Haar ein Prozeß - alles schon dagewesen, aber: Was soll man machen? Umso mehr habe ich mich gefreut, wieder einmal feststellen zu können: Es gibt sie noch, die gut gemachten Bücher. Hier ist eins:
Robert Langer: Pallas und ihre Waffen. Wirkungskreise der Henriette Catharina von Gersdorff. Herausgegeben von der Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V. Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung. Dresden: Neisse Verlag 2008. 254 Seiten unverkünsteltes Layout mit zahlreichen Abbildungen in pietistisch angemessenem Schwarz-Weiß sowie einem picobello Anmerkungsapparat.


cvg robert langer catharina von gersdorff


Aus der Projektbeschreibung des Herausgebers, der Umweltbibliothek Großhennersdorf:

"Auf den Spuren der Henriette Catharina von Gersdorff.
Der Pietismus in der Lausitz.

Dieses Projekt wurde 2005 begonnen und beinhaltet eine ca. 2-jährige Forschungsarbeit. Diese zielt darauf ab, das Leben von Henriette Catharina von Gersdorff zu erforschen und den Einfluss des Pietismus auf die zweisprachige Lausitz und den Grenzkulturraum Lausitz zu untersuchen. Wie wirkten sich pietistische Glaubensüberzeugungen, aber auch aufklärerische Toleranz auf ein bikulturelles Gebiet in deutschen Landen aus? Inwieweit beförderten sie die kultur-historische Entwicklung?

Ziel dieses Projektes ist nicht die Erarbeitung einer wissenschaftlichen Biografie, sondern das Aufzeigen der Bedeutung Henriette Catharina von Gersdorffs in ihren Handlungsfeldern. Henriette Catharina von Gersdorff, eine gebildete, mildtätige, aber auch tatkräftige Frau, nutzte all ihre Einflussmöglichkeiten, um anderen Menschen beizustehen. Sie gab bedrängten Glaubensflüchtlingen Zuflucht, sie setzte sich höheren Orts ein, sie finanzierte u.a. pietistische Ausbildung in Halle und versuchte Mädchenbildung zu institutionalisieren.

In der Lausitz siedeln seit jeher die Wenden/Sorben als autochthone Minderheit. Auch auf den Besitzungen der Familie von Gersdorff lebten viele Wenden/Sorben. Henriette Catharina von Gersdorff bemühte sich sehr um die christliche Bildung der ihr Anvertrauten und ließ in Absprache mit den Geistlichen in Bautzen Teile der Bibel in die 'Oberlausitzische-Wendische Sprache' übersetzen, finanzierte den Druck und verteilte die Exemplare in der gesamten wendischen/ sorbischen Lausitz. Sie beförderte so die Verschriftlichung der kleinsten Slavine.

Sie war eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit und darüber hinaus eine wichtige Asylgeberin für Menschen, die gerade in der Zeit der Gegenreformation Schutz und Perspektive suchten. Auf diesen Handlungsfeldern erwarb sie sich weit über ihren Kreis hinaus große Achtung.

Ihre Geisteshaltung, ihr Glaube und ihre Erziehung wiesen ihrem Enkel Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, dem Gründer von Herrnhut, den Weg; und so ist sie maßgeblich an dessen Werk mitbeteiligt. Henriette Catharina von Gersdorff ist ein Beispiel dafür, wie eine Person mit ihrer Überzeugung einer Region Geschichte und Kontur gegeben hat. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, jedoch erscheint die Person in ihrem geschichtlichen und personalen Kontext entrückt, wenn nicht fast vergessen.

Es geht aber auch darum, die Netzwerke aufzeigen, in denen sie gearbeitet und kommuniziert hat und wir wollen eine Spurensuche zu den Orten ermöglichen, mit denen sie in Verbindung stand. Sie unterhielt einen regen Briefverkehr mit Philipp Jacob Spener und August Hermann Francke, selbst zu Leibniz soll es Kontakte gegeben haben. Die Verbindungslinien zwischen von Gersdorff, Francke, Spener und Baron von Canstein, dem Begründer der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle, sind hier aufzudecken, um das intensive geistlich-geistige Beziehungsgeflecht, das nicht nur in der Lausitz wirkte, aufzuzeigen.

Der Nutzen, der sich mit dem Projekt verbindet, liegt in der Vergegenwärtigung von heute kaum mehr wahrgenommenen Zusammenhängen der 'großen' Geschichte und der Lausitz. Pietismus und Aufklärung, die die geistesgeschichtliche Entwicklung des Abendlandes beeinflusst haben, hatten ihre Vertreter auch in der Lausitz [...]."


"Also lautet ein Beschluß ...":

Es ist alles geworden wie gewollt und angekündigt. Mehr muß man dazu nicht sagen. Etwas unglücklich gewählt ist allerdings der Titel: Er ist zwar sehr poetisch, erschwert jedoch dem Handel das Auffinden des Buches im Internet; was natürlich schade ist - siehe oben. (Zumal auch im Untertitel Catharina mit C und Gersdorff mit Doppel-F geschrieben werden; bereits das Schlesische Provinzialgesangbuch von 1917 enthält jedoch die den meisten bekannte Schreibweise "Katharina von Gersdorf"; auch Joachim Bahlcke verwendet sie in seiner Geschichte der Oberlausitz, erschienen 2001.) Aus demselben Grund schade ist die Verwendung der heute leider üblichen "Beutelbindung"; so nenne ich die Einbände, die nach 46 mal Hin- und Herblättern schlapp machen, am Rückenfalz aufplatzen und den Buchblock (Querformat, schweres Kunstdruckpapier) herabhängen lassen.

Eine Frage an den Autor sei hiermit erlaubt: "Im Gegenzug [für die Abgaben und Dienste der Bauern] hatte der Lehnsherr seinen Bauern Recht und Schutz zu garantieren. Beides war einklagbar." (S. 19.) - Wo gibt es dafür Belege?

(06.09.2008)


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