Professor Erich Rhein
Geboren in Muskau
Von Bernd-Ingo Friedrich

Im Katalog der III. Allgemeinen Kunstausstellung 1953 in Dresden ist ein kleines Ölbild mit dem Titel Stralsunder Fischerboote des Hannoveraner Künstlers Erich Rhein aufgeführt. Erich Rhein, Professor an der Werkkunstschule Hannover1, war ein gebürtiger Muskauer. Im „Vollmer“2 steht über ihn:
„Rhein, Erich, dtsch. Maler u. Graph. (Prof.), geb. 19.7.1902 Muskau, Oberlaus., [...] Stud. 1923/29 an der Verein. Staatssch. f. Freie und Angew. Kst. u. an d. Staatl. Hochsch. f. Ksterziehung in Berlin. Seit 1947 Leiter der Werkkstschule in Hannover, Abtl. Freie Malerei u. Graphik. Sonderausst. 1947/48 in d. Gal. Brach K.-G. in Hamburg, 1952 in d. Ksthalle Bremen. Figürliches (Akte), Landschaften, Straßen- und Hafenbilder. Wandmalereien im Theater-Café in Bochum. Sgraffitos an d. Hauptwand im Bahnpostamt in Hameln i.W. Buchwerk: D. Kst. des manuellen Buchdrucks, Ravensburg 1956“; es folgen einige Literaturangaben. Erich Rhein starb am 22.12.1956 in Hannover.
Man kennt ihn heute meist nur noch als Verfasser eines verbreiteten Handbuchs über graphische Techniken.3 Bilder von ihm hängen aber in namhaften Sammlungen und tauchen gelegentlich auf Auktionen auf; im Internet sind beispielsweise zu finden:
Das 1931 entstandene Bootshaus in Pichelswerder (Kunsthalle Bremen), Ung topløs kvinde med solsikker von 1932 (Kopenhagener Kunstauktion 2004) oder die lavierte Tuschzeichnung Mann im Straßencafé (Schmidt Kunstauktion 08, Dresden 2006).
Erich Rhein war als Künstler weniger bekannt; er wirkte hauptsächlich als Lehrer. Sein Unterricht war geschätzt, weil er kein „Schülermacher“ war, sondern seinen Schülern Techniken und Anregungen über eine Methode vermittelte, „die sich nach den Begabungen, Entwicklungsstufen, Neigungen und vor allem nach den jeweiligen kunstpädagogischen Notwendigkeiten“4 ausrichtete. Und so haben seine Schüler denn auch die unterschiedlichsten Wege eingeschlagen. Einige Beispiele:
Renate Rhein-Rehmann, seine zweite Ehefrau, geb. 9.7.1925, entwickelte sich zu einer gesuchten Keramikerin; sie blieb nach dem Tod ihres Mannes unverheiratet und lebt heute mit einer Adoptivfamilie in Worpswede.
Zu Erich Grün heißt es in einem Katalogtext: „Die Arbeitsweise Erich Grüns, 1915 in Pyschminskoje in Sibirien geboren, ist nachhaltig beeinflußt von einem seiner beiden Lehrer an der Werkkunstschule: Erich Rhein. Rhein vermittelte aleatorische [zufallsabhängige] Techniken, die zwar in ihren Anfängen bereits von Max Ernst in den 20er Jahren beschrieben worden sind, aber um 1950 in Frankreich und den USA an Vielfalt gewannen, so daß sie als bestimmender Faktor in die Malerei des Informell eingingen. Noch heute gehen Grüns Arbeiten von solchen Techniken aus. Er arbeitet mit Wachsstücken auf einer heißen Metallunterlage, bis das Wachs schmilzt und die einzelnen Farbflecke sich vermischen – den Arbeiten ist von daher eine hohe Transparenz und innere Lichtdurchflutung eigen. Erich Grün beläßt es allerdings nicht bei solchen frei entstandenen Formen – er skizziert seine Wahrnehmung entstandener Formen in die Arbeiten hinein und benutzt diese Technik, um sie gezielt mit ikonographischen Details aufzufüllen.“
Hella Buchwald, geboren 1915 in Witten/Ruhr, wurde schon in früher Kindheit mit moderner Kunst und künstlerischer Arbeit vertraut. 1952-56 studierte sie Malerei und Plastik, Kunst- und Werkerziehung u.a. bei Henry Hinsch, Göttingen, und bei Erich Rhein, Hannover. Ihre Bilder sind in aller Welt zu sehen, sie ist in Frankreich und den USA beinahe bekannter als in Hannover, wo sie lebt und künstlerisch tätig ist.
Alexander Jonischkies 1926 in Pegen/ Memel (Litauen) geboren, besuchte 1947/48 die Werkkunstschule Hannover bei Prof. Erich Rhein. Er lebt und arbeitet als Gründungsmitglied der Künstler-Gruppe 7 in Hannover.
Hanns Jatzlau, geb. 1926 in Liegnitz, studierte zunächst bei Erich Rhein, danach bei Alfred Mahlau und Oskar Kokoschka. 1960 wurde er Lehrer und 1974 ebenfalls Professor im Fachbereich Kunst und Design an der Fachhochschule Hannover. Er beschäftigt sich intensiv mit japanischer Kunst, insbesondere mit Netsuke, die er nach vielen Reisen in die „Weite Welt“ als verfügbare „Nahe Welt“ in seine Zeichnungen so einordnet, daß sie als bildnerische Parabeln die Arbeiten beherrschen.
Soweit einige Auszüge aus Ausstellungskatalogen der Gegenwart; die Reihe der – erfolgreichen – Schüler Erich Rheins ließe sich beliebig fortsetzen.

Bekannt geworden ist Erich Rhein jedoch durch sein Buch Die Kunst des manuellen Bilddrucks. Es erlebte von 1956 bis 1981 sechs Auflagen und wird noch immer zitiert, zum Beispiel auf der Website www.unterricht.kunstbrowser.de:
„Erich Rhein erwähnt in seinem Buch Die Kunst des manuellen Bilddrucks [S. 56f.] eine sehr aufwendige, aber ganz interessante Technik: den Lackschnitt. Vermutlich kommt die Technik aus dem Kunsthandwerk, doch kann sie auch so modifiziert werden, daß sie sich für den Unterricht eignet.
Auf eine Tischlerplatte wird Leinengewebe mit Haut- oder Hasenleim aufgezogen, das nach dem Trocknen vier bis fünf dünne und kreuzweise aufgetragene Kreidegrundierungen (Gesso) erhält. Die gut durchgetrocknete Oberfläche wird eventuell ausgebessert und dann glatt geschliffen, anschließend mit stark verdünntem Leimwasser abgedichtet. Danach erfolgt in ein bis zwei Durchgängen eine Lackierung mit einem schneidbaren Lack. Das Kerben und Schneiden erfolgt mit dem Linolschnittbesteck oder Holzschnittwerkzeug.“
Solche Anweisungen offenbaren Freude am Handwerk und Lust am Experimentieren – wesentliche Voraussetzungen für den künstlerischen Erfolg. Diese hat Erich Rhein seinen Schülern und seinem Buch mitgegeben.
(20.09.2008)

Anmerkungen
1 Heute Fachhochschule Hannover. Diese geht auf mehrere Vorgängereinrichtungen zurück, die bei ihrer Gründung am 1. August 1971 zusammengefaßt wurden. So ging der Fachbereiche Bildende Kunst auf die „Freye Handwerksschule für Lehrlinge“ von 1791 zurück. Der Fachbereich Bildende Kunst wurde 2008 geschlossen.
2 Vollmer, Hans: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. 6 Bde. Leipzig: Verlag E. A. Seemann 1953-1962; Bd. 4, S. 56.
3 Rhein, Erich: Die Kunst des manuellen Bilddrucks. Eine Unterweisung in den graphischen Techniken. Ravensburg: Otto Maier Verlag 1956.
4 Ebd. S. 8.
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