Summa summarum
Eine Anthologie dubioser Bücher aus der Region um Weißwasser
Von Bernd-Ingo Friedrich
1. Wer nichts vom Büchermachen versteht, sollte keine Bücher machen.
2. Wer nicht genügend Geld hat, ordentliche Bücher zu machen oder machen zu lassen, ebenfalls.
3. Geld allein macht keine ordentlichen Bücher, siehe 1.
Lichtinstallationen von Arend Zwicker (Spiegel) und Claudia Reh (Beamer)
anläßlich der Feiern zum 50. Geburtstag der Grafikwerkstatt Dresden
im Innenhof der Technischen Sammlungen der Stadt Dresden
Das Buch hat sich bis heute (noch) seinen besonderen Nimbus als Erzeugnis sowohl Geistes als auch des Handwerks bzw. der Industrie bewahrt. Die Deutschen verdanken ihm den Ruf, ein Volk der Dichter und Denker zu sein, doch das ist relativ lange her. Nach dem 15. hat sich das 19. Jahrhundert um das Buch besonders verdient gemacht, und noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland vehement um Details der Typographie und des Satzes gestritten, wurden Schriften entwickelt und verbessert, um das Buch als Werkzeug des Geistes tauglicher zu machen. War der Buchdruck über vier Jahrhunderte die Domäne von ausgewiesenen Fachleuten, studierten Typographen, gelernten Setzern, Druckern, Buchbindern usw., so ist er heute zum Tummelplatz von Dilettanten im allerschlechtesten Sinne geworden. Als Teilaspekt der Demokratisierung an und für sich zu begrüßen, hat die leichte Handhabbarkeit der PC dazu geführt, daß die Errungenschaften des konventionellen Buchdrucks in der Mülltonne gelandet und das Buch mehr und mehr zu bedrucktem Papier zwischen zwei Pappen verkommen ist. Es wird massenhaft in den Markt gedrückt, egal wie gut oder schlecht es – meist auch inhaltlich – ist. Schlechte und/ oder schlecht gemachte Bücher – Typographien überhaupt – haben erschreckend zugenommen und dürften an hervorragender Stelle mitverantwortlich für die Leseunlust der jungen Generation sein, denn ein schlecht gemachtes Buch, das heißt, ein Buch, welches auf die physiologischen Grundlagen des Sehens und Erkennens keine Rücksicht mehr nimmt, ist wie eine stumpfe Axt, die ihrem Benutzer die Lust am Arbeiten nimmt. Ein schlechtes Buch aber ist nicht nur stumpf, sondern auch schädlich: Ein schlecht gemachtes Buch diskreditiert seinen Inhalt. Es ist ein Symbol des Kulturverfalls. Einige dieser Zeitzeichen – ich beginne mit eigenen – sollen hier von Zeit zu Zeit benannt werden; für alle würde wohl nicht einmal das www ausreichen.
Der Artikel wird überarbeitet und erscheint demnächst in anderer Form und an anderer Stelle wieder. Weißwasser, am 31.12.2011.
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