Arno Schmidts Leviathan und die Arno-Schmidt-Sammlung in Görlitz
Von Bernd-Ingo Friedrich

Im Frühjahr 2009 präsentierte die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften in einer Kabinettausstellung im historischen Büchersaal einen Teil ihrer umfangreichen Arno-Schmidt-Sammlung. Fünf Vitrinen mit sorgfältig ausgesuchten Ausstellungsstücken und der dem Bargfeldschen Original nachempfundene Arbeitsplatz Arno Schmidts mit Schreibmaschine, Adreßbüchern, einem kleinen Zettelkasten und Zettls Traum in der handsignierten Erstausgabe von 1970 schufen im Verein mit den unzähligen alten Büchern des Saales eine einzigartige Atmosphäre, die überzeugend die geistige (Bücher-)Welt Arno Schmidts imaginierte. Einige Grafiken von Jens Rusch im angrenzenden Gang vervollständigten die eindrucksvolle Auswahl. In einer der Vitrinen wurde auch jener Brief Arno Schmidts an die Bibliothek gezeigt, in dem er 1963, zwei Jahre nach Erscheinen des Funk-Essays „Der Waldbrand oder: Vom Grinsen des Weisen“ um Auskunft über den Nachlaß des Muskauer Dichterkomponisten Leopold Schefer bat. Solche literarischen Bezüge zu Arno Schmidts frühen Jahren in der Oberlausitz veranlaßten die OLBdW zum Aufbau einer mit den damaligen Mitteln möglichen, kleinen Arno-Schmidt-Sammlung. Der bescheidene Grundstock erfuhr im Jahre 2006 eine bedeutende Bereicherung durch eine Schenkung Wolf-Dieter Krügers, eines in der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser engagierten Bibliophilen, der mit seiner Sammlung auch intensiv lebt und arbeitet. 2008 erfuhr diese eine Ergänzung durch eine weitere Schenkung. Von Hans-Rainer Burisch, ebenfalls in der GASL aktiv, kamen 100 Aktenordner mit über 6000 Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln und rund 50 Audiokassetten hinzu. Inzwischen füllen circa 30 laufende Meter „Arno-Schmidtiana“ ein ganzes Rollregal, darunter selbstverständlich die Erstausgaben und Übersetzungen, weitere Primär- und Sekundärliteratur, aber auch Bücher, die sich in Schmidts Bibliothek befanden, über die Arno Schmidt geschrieben oder mit denen er gearbeitet hat; Bildbände über Bargfeld, Graphikmappen und Bücher mit Exlibris von Eberhard Schlotter, Jens Rusch, Gert-Peter Reichert und anderen – also auch Sekundärliteratur im weitesten Sinne. Laufende Zugänge aus der Sammlung Krüger sorgen weiterhin dafür, „dass die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften heute mit über 7000 Aufsätzen und Büchern zu Arno Schmidt beste Voraussetzungen für die wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung mit seinem Werk bietet.“ (Aus: Schienenwolf & Zettelkasten. Arno Schmidt in & über Görlitz. Herausgegeben von der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften, Görlitz 2009.)

(17.03.2009. In: Marginalien 194/ 2.2009. Aktualisiert 22.04.2009.)
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