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Von einem Rektor, tausend Steinen, zehn Schock Briefbeschwerern und vielen Pilzen

Von Helga Heinze und Bernd-Ingo Friedrich


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Anläßlich der Eröffnung des Museumstages 2009 im Handwerk und Gewerbemuseum Sagar hielt meine Freundin Helga die folgende hübsche kleine Rede, überschrieben

GESCHICHTE.

Herr Friedrich aus Weißwasser besuchte seinen alten Freund Herrn Czaja. Im Gehen fragte ihn der Freund, ob er einen Geologen kenne, denn er hätte eine alte Steinsammlung, die völlig durcheinander sei und erst einmal sortiert werden müsse. Als das Gymnasium in Weißwasser umzog, bekam er, als damaliger Hausmeister, den Auftrag, alles zu entsorgen. Das hätte ihm Leid getan, jetzt aber nahmen ihm die schweren Kisten den Platz weg. Nach kurzer Überlegung wurden die Kisten ins Auto geladen und landeten bei Herrn Friedrich im Wintergarten. Seine Frau tröstete er mit den Worten: „Ist ja nur für kurze Zeit!“

Das war vor 1 ½ Jahren, da erhielten wir den Anruf von Herrn Friedrich, mit dem Angebot, die Sammlung zu übernehmen. Jedoch fehlte dazu eine spezielle Vitrine, um die Stücken dann entsprechend präsentieren zu können. Neu kaufen kam bei unserer Finanzlage nicht in Frage. Das Problem löste sich erst im Juni dieses Jahres durch den Anruf von Frau Krautz aus Krauschwitz. Sie bot uns einen alten Schrank aus der Adler-Apotheke Weißwasser an, der in ihrem Schuppen stand. Im Laufe der Zeit nisteten sich Tausende Ameisen dort ein und er sollte entweder entsorgt oder an uns abgegeben werden. Unsere Frauen haben ihn bis auf die letzte Ameise gereinigt und unsere Handwerker gingen liebevoll an die Restaurierung.

Inzwischen hatten wir die Steinkisten auf unseren Boden geschleppt und standen vor der Frage, wer kann uns die völlig verstaubten und in ihren Kästen vertauschten Steine sortieren? Wir bemühten Herrn Göhler aus Krauschwitz zu uns. Er war überrascht von der Menge und zog noch Herrn Leh aus Neschwitz, einen Spezialisten für die Aufarbeitung alter Sammlungen, hinzu. Beide sind Mitglieder des Vereins der Freunde der Mineralogie und Geologie, kurz VFMG, Fachgruppe Hoyerswerda.

Daß die Steine schon vor langer Zeit gesammelt wurden, verrieten viele Indizien. Unser Buchbinder, Herr Gotzmann, bescheinigte die Herstellungszeit der wunderschönen Marmorpapiere mit denen die Schachteln beklebt waren, zwischen 1850 und 1900. Die Bezeichnungen auf den Originaletiketten sind säuberlich mit Feder geschrieben und tragen die Herkunftsorte, meist im ehemaligen Niederschlesien und Sachsen gelegen. Der Wert der Belegstücke als Kulturgut ist umso beachtlicher, da die Fundorte meist erloschen sind.

Die Jahreszahl 1893 auf der Rückseite eines Schächtelchens ließ auf die Entstehungszeit der Sammlung schließen. Nun stand aber immer noch die Frage, wer hat diese Sammlung mit so viel Hingabe hier in unserer Region aufgebaut. Recherchen in Muskau und Weißwasser ergaben nichts. Doch dann half ein Zufall. Als wir die Schachteln reinigten, fiel uns eine besonders auf. Es war das Unterteil einer Postsendung aus dem Jahre 1930 von einem Herrn Hintze aus Penzig. Schnell fand sich auch das Oberteil, auf dem stand: „Rektor Herrn Seidel, Gablenz/ Oberlausitz“.

Als Herr Leh zu uns kam, um die Steine zu sichten, erzählte er uns von seiner jahrzehntelangen erfolglosen Suche nach der verschollenen Mineraliensammlung des Max Seidel aus Gablenz. Als wir ihm die gefundenen Schachteln zeigten, leuchteten seine Augen vor Freude.

Max Seidel wurde als Sohn eines Bäckermeisters am 6. April 1869 in Triebel heute Trzebiel, Kreis Sagan geboren. Er besuchte das Lehrerseminar in Reichenbach/ OL. Zuletzt war er seit 1918 Rektor der Schule Gablenz. Ab 1915 fungierte er neben seinem Lehrerberuf als amtlich-öffentlicher Pilzsachverständiger. Er war ein international anerkannter Spezialist und verfasste über 100 Arbeiten zur Pilzkunde.

Seine zweite Leidenschaft galt den Mineralien. Mit viel Fleiß trug er die einst fast 1000 Belegstücke zusammen, von denen wir heute nur noch den Rest von etwa 400 besitzen. Die Sammlung ging nach seiner Pensionierung 1932 als Schenkung an das Heimatmuseum Weißwasser. 1933 verlegte Max Seidel seinen Wohnsitz nach Görlitz und starb dort am 21. November 1946 an Typhus.

Erheben wir nun das Glas auf Max Seidel, die Retter und Bearbeiter seiner Sammlung und alle anderen ungenannten Helfer. [Und so geschah es :)]


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Die Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende. Ich möchte meiner Fortsetzung das Motto voranstellen: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ (Goethe, klar.) Diese Sentenz (richtig, Faust), sauber auf ein Holzschild gemalt, hat ein Bad Muskauer Heimatforscher in seinem Garten aufgestellt. Ebenso selbstverständlich sollte jeder professionell mit unserem Kulturerbe Befaßte sie auf seinem Schreibtischen stehen, besser noch: verinnerlicht haben, denn dann hätte es nicht zu dem kommen können, was ich jetzt leider nachtragen muß.

Das oben genannte Heimatmuseum hat es nie gegeben. Es sollte in den 1930er Jahren von dem Studienrat Paul Schindler gegründet werden, doch bedeutendere Ereignisse hatten das verhindert. Paul Schindler war einst Schulrat im Kreis Rothenburg und wurde 1933 von den Nationalsozialisten wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD abgesetzt, blieb aber weiterhin Lehrer. Er unterrichtete zunächst wohl an der Schule 1 in Weißwasser und wurde nach 1945 Direktor der Oberschule. Ihr ursprünglicher Name „Heinrich Laube“ (wir erinnern uns: das war jener jungdeutsche Schriftsteller, der eine „Festungshaft“ bei Pücklers in Muskau genoß) ging auf seine Anregung zurück. Er begann vermutlich in den 1920er Jahren schon, alle möglichen Objekte für ein Museum zu sammeln, darunter Glas, das im Lauf der Zeit verschwand, und führte auch Ausgrabungen in der Muskauer Heide durch, die Keramiken aus grauer Vorzeit zutage brachten. Auch sie verschwanden.1


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Dazu fällt mir so etwas wie eine kleine Geschichte ein, oder besser: das Material dafür, denn diese kann ich schlecht schreiben bzw. bekannt machen, ohne mir Ärger einzuhandeln, also lasse ich das lieber. Die Tatsachen sind: Auf dem Bücherschrank meiner ehemaligen Freundin – sagen wir mal Tine – standen, oder stehen noch – wissenschaftlich leider wertlos, weil ohne Provenienz – wunderschöne Schnurkeramiken und eine Buckelurne, von denen ich lediglich erfahren konnte, daß ihr geschiedener Mann sie zusammen mit einigen schönen alten Möbeln, um die ich sie immer ein wenig beneidete, zurückgelassen hätte. Dieser Mann hatte sein Abitur in den sechziger Jahren an der Oberschule „Heinrich Laube“ in Weißwasser erworben ...

Ach ja, diese Geschichten: In der Krauschwitzer Schule lagerten noch in den 1970er Jahren die Reste einer umfangreichen ethnologischen Sammlung; Speere, Schilde, Bögen, Pfeile, Paddel und Anderes aus Polynesien; in dem Bildband Kunst der Südsee von Miloslav Stingl sind solche Objekte abgebildet. Heute sind sie wohl in alle Winde zerstreut, vielleicht sogar verheizt, ein paar aus Feuerstein geschlagene Pfeilspitzen mögen noch in dem Dachgebälk stecken, in das die Schüler sie damals geschossen hatten. Dem Verfasser dieser Zeilen gelang es immerhin, zwei Jagdspeere, eine Keule und eine ganz apart verzierte Kokosnuß zu erhalten. Die Kokosnuß besitze ich noch. Waffen sind nicht mein Fall, ich habe dafür Anderes, Schöneres eingetauscht.

Doch weiter mit der Mineraliensammlung. Sie vagabundierte bis 1980 mit der 1939 im Gebäude der Schule 1 gegründeten Oberschule/ Erweiterten Oberschule/ dem Gymnasium im Durchschnitt alle 8,2 Jahre durch Weißwasser. Die Kaderschmiede kann auf eine – im wahrsten Sinne des Wortes – bewegte Geschichte zurückblicken. Sie befand sich:
1939-1945 in der heutigen Pestalozzischule (1940-45 als Horst-Wessel-Oberschule),
1945-53 in der heutigen Geschwister-Scholl-Schule (ab 1949 Heinrich-Laube-Oberschule),
1953-56 in der heutigen Stadtbibliothek,
1956-68 wieder in der Pestalozzischule (ab 1960 EOS),
1968-80 in der heutigen Friedrich-Froboeß-Schule (ab 1969 EOS „Lew Landau“).
Seit 1980 befindet sie sich am heutigen Standort Ziegelstraße (ab 1992 Kreisliches Gymnasium „Lew Landau“).2
Beim letzten Umzug 1980, siehe oben, nahm der Hausmeister die Mineraliensammlung zu sich. Nach 1990 wurde sie verschiedenen Leuten angeboten, darunter dem amtierenden Direktor des Gymnasiums sowie – kurioserweise – auch dem Bürgermeister von Gablenz, aber zu dessen Ehrenrettung muß man sagen: da war das Obige noch nicht bekannt. Die, auch das sei betont, quasi herrenlose Sammlung wurde verschiedener Umstände wegen ausgelagert; zu einer Freundin nach Bad Muskau, sodann zur Schwester der Freundin, wo ein Geologe sich hocherfreut der schönsten und wertvollsten Stücke annahm. Das Übrige kam zurück zu Karli, also Herrn Czaja, von ihm zu mir und so weiter, siehe oben. 1980 existierte sogar der speziell für diese Sammlung gebaute Mineralienschrank mit Dutzenden schmalen Schubladen noch! Er wurde umgebaut und beherbergt heute Mal- und Spielzeug.

Dazu fällt mir eine weitere Geschichte ein, die zum größten Teil sogar schon geschrieben ist. Es ist „Der Fisch oder: Wie ich von einem Trauma befreit wurde", nachzulesen auf www.hirnsalz.de. Ihr wäre lediglich nachzutragen, daß der darin vorkommende Geologe auch der eben (oben) erwähnte Geologe war. Das erfuhr ich aber erst im Zusammenhang mit diesen Recherchen. – Die Welt ist nicht nur klein, sie ist winzig. (Das darin vorkommende Mädchen, das in Prora den versteinerten Fisch fand, hieß übrigens Ingrid ...)

Das also ist die vollständige Geschichte einer Sammlung, die schließlich doch noch, wenn auch schlimm verstümmelt, einen würdigen Platz fand. Gut, daß es immer wieder genügend sensibilisierte Menschen wie meine Freundin Helga und ihre Kollegen vom Museum in Sagar gibt, die sich um solche Dinge kümmern. Daß man als Mittfünfziger auf Ausstellungseröffnungen, heute „Vernissagen“ genannt, beinahe nur noch Gleichaltrigen begegnet, wundert einen nach einer solchen Recherche kaum noch.3

Dazu fällt mir gleich noch eine vierte Geschichte ein, oder auch hier besser: das Skelett dafür, denn auch hier ist der Ärger, der ohnehin immer und überall lauert, nicht weit. Doch was soll’s; das meiste davon hat sich ja ohnehin schon herumgesprochen:

Also, es waren einmal zehn Schock (ein Schock sind immerhin 60 Stück!) wunderschöne alte Briefbeschwerer, die warteten viele Monate lang in der Stadt der arbeitslosen Glasmacher und der erfolglosen Eishockeyprofis auf die Erfüllung ihres großen Traums, nämlich im städtischen Glasmuseum viele Menschen zu erfreuen und womöglich die touristische Konjunktur der kleinen Stadt mit anzukurbeln. Sie hatten viele Freunde, die ihnen das gönnten, sogar die nötigen Euronen wären dagewesen, nur gab es, wie das bei solchen Geschichten stets zu gehen pflegt, auch hier einen eifersüchtigen, mächtig-intriganten Zauberkünstler, der all seine Listen daran wandte, das zu verhindern. Die Zeit verging, sie wurde kritisch, die gute Freundin aller bösen Hexer, die bitterböse Krise, kam dem Bösewicht zu Hilfe, und der große Traum all der wunderschönen, von Glas-Arbeiterhand zur Freude ihrer Mitmenschen vor langer Zeit liebevoll gefertigten Briefbeschwerer mußte elend sterben. – Zum Glück gibt es genügend sensibilisierte Menschen ...

Offenbar muß man das Gespür für den Wert der Geschichte und ihrer Sachzeugen „im Blut“ haben, denn der Adel – zum Beispiel – profitiert seit Jahrhunderten davon. Nur der gemeine Mann scheint es nie zu lernen, daß man selbst die allerschlechteste Geschichte noch zum eigenen, des „kleinen Mannes“ Nutzen anwenden kann. Könnte. Max Seidel hat vom Wert der Dinge gewußt. Seine ausführliche Biographie, geschrieben von einem seiner Verehrer für eine naturkundliche Zeitschrift, soll diese kleine Geschichtensammlung krönen.


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Max Seidel 1869–1946
Dem verdienten Görlitzer Mykologen zum 20. Todestag

Von Oskar Frömelt

MAX SEIDEL wurde am 6. April 1869 als Sohn des Bäckermeisters K. SEIDEL in Triebel, Kreis Sagan, geboren. Nach Abschluß der Präparandie4 in Sagan erfolgte seine Aufnahme in das Lehrerseminar in Reichenbach (Oberlausitz). Ab 1889 amtierte er Lehrer und Kantor in den Orten Blumendorf, Waltersdorf, Hermsdorf bei Muskau, Lugknitz und Gablenz bei Weißwasser. 1915 wurde er – neben seinem Lehrerberuf – zum amtlichen öffentlichen Sachverständigen in Pilzfragen für den damaligen Liegnitzer Bezirk ernannt. 1918 folgte seine Beförderung zum Rektor. Er ging 1932 in den Ruhestand, wonach er 1933 seinen Wohnsitz nach Görlitz verlegte.

Durch seine rege Forschungstätigkeit und zugleich volkstümliche Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet der Pilzkunde wurde SEIDEL ein sehr geachteter Autor und begehrter Mitarbeiter der heimatlichen Presse. Die Bevölkerung genoß – besonders in den Notzeiten der beiden Weltkriege – das Resultat seiner unermüdlichen Aufklärung. Seinen Schülern vermittelte er sein ganzes Wissen in der Pilzkunde. Während des zweiten Weltkrieges stand die öffentliche Pilzberatungsstelle in Görlitz unter seiner Leitung. Außerdem war SEIDEL zu jeder Gelegenheit ein gern gehörter Redner und sehr beliebter Gesellschafter. Die Folgen des zweiten Weltkrieges nagten an dem zuvor körperlich und geistig sehr gesunden Manne so, daß er am 21. November 1946 an Typhus verstarb. Während der Trauerfeier würdigten das Kuratorium des Görlitzer Naturkundemuseums, seine alten Kollegen der Lehrerschaft und die Bevölkerung seine Verdienste.

Mit den derzeitigen [1966] Kapazitäten der Mykologie wie RICKEN, KALLENBACH, KLEIN, KNIEP, LIESE, ULBRICH, HENNIG und vielen anderen, auch des Auslandes, stand SEIDEL in regem wissenschaftlichen Verkehr. Auf der Mykologentagung 1921 in Nürnberg war er Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde. Außerdem war er Mitglied der Mykologischen Gesellschaft Österreichs und des Verbandes Schweizerischer Vereine für Pilzkunde. Als Mitarbeiter in deren Organen war er sehr geschätzt.

1933 tagte die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde unter SEIDELs Leitung im Naturkundemuseum Görlitz. Dabei fand ein Antrag zur Neugründung einer von Darmstand unabhängigen Gesellschaft mit dem Sitz in Görlitz wenig Resonanz. SEIDEL ergänzte diese Tagung mit einer umfangreichen Pilzausstellung im heutigen Geologiesaal des Naturkundemuseums, die auch öffentlich gut besucht war.

SEIDEL war ein sehr guter Pilzkenner und bearbeitete speziell die kleinen Blätterpilze, wie Mycena, Xeromphalina, Marasmius, Tubaris5 und andere, was aus einem Herbar hervorging. Hunderte Lehrwanderungen sowie viele Vorträge und Ausstellungen wurden unter SEIDELs Regie durchgeführt, bei denen auch der Verfasser die vorzüglichste Weiterbildung genoß. Alle Ergebnisse der Exkursionen trug er in Diarien ein, so daß nach seinem Tode eine stattliche Reihe davon bestand.6 Sie wurden im Februar 1966 aus dem Besitz von Herrn Studienrat B. HENNIG, Berlin-Südende, in dankenswerter Weise zuständigkeitshalber dem Naturkundemuseum Görlitz übereignet. Das Herbarium, welches keine Fundorte und Daten enthielt, mußte wegen starker Infizierung 1952 vernichtet werden. Fotografische Kenntnisse fehlten SEIDEL, so daß er manches Schöne aus der Pilzwelt nicht festzuhalten vermochte.

SEIDELs zahlreiche (weit über 100) Arbeiten teils allgemeinen und volksbildenden Inhalts, teils aber auch speziellen und häufig wissenschaftsgeschichtlichen Charakters sind vorwiegend in den Zeitschriften der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Gesellschaften für Pilzkunde in den Jahren zwischen 1900 und 1944 erschienen. Obwohl sie zum Teil recht aufschlußreich sind, wird hier auf ihre Anführung verzichtet.7 Seine volkstümliche Broschüre „Kennst Du den Pilz?“ (in „Mutter Natur“, Heft 15, 1933; 58 Seiten) war sehr schnell vergriffen.

Überdies war SEIDEL ein überaus rühriger Geologe. Aus hinerlassenen Zeitungsausschnitten (Satzstil „Görlitzer Anzeiger“, Datum fehlt) liegt z.B. eine umfangreiche Veröffentlichung von ihm über den Granit [gesperrt] der Königshainer Berge vor. Hier gibt SEIDEL einen sehr genauen Einblick in die Eigenschaften vom Granit und dessen Bestandteilen. In der Eigenschaft als Geologe verfügte er über eine Mineraliensammlung von etwa 1000 Belegstücken aus allen Teilen des damaligen Schlesiens, an der er über 40 Jahre gesammelt hat. Diese Sammlung ging mit Beginn seines Ruhestandes [1932] in den Besitz des Heimatmuseums in Weißwasser (OL) über.

Die östliche Oberlausitz verlor mit MAX SEIDEL einen Mykologen, wie ihn dieses Gebiet seit den Forschern JOHANN BAPTIST VON ALBERTINI (1769–1831) und LUDIG DAVID VON SCHWEINITZ (1780–1834) nicht mehr besaß.8


rektor seidel kennst du den pilz langensalza 1933      rektor max seidel weisswasser muskau gablenz


Mit dem letzten Satz wird das Ganze sogar für den Bibliophilen interessant, denn die beiden Herren gaben 1805 das erste Pilzbuch der Oberlausitz heraus – aber das ist schon wieder eine neue, ganz andere Geschichte.

(05.10.2009)

Anmerkungen
1 S. dazu: Paul Schindler: „Aus der Vorgeschichte unseres Kreises.“ In: Heimatkundliche Beiträge für den Kreis Weißwasser. Hrsg. Gewerkschaft Unterricht und Erziehung, Betriebsgewerkschaftsleitung Weißwasser in Verbindung mit dem Deutschen Kulturbund, dem Pädagogischen Kreiskabinett und der Abteilung Kultur des Rates des Kreises. Weißwasser o. J. (1963). Heft 3, S. 27-35, mit 3 Abb. S. 48ff. Darin S. 47f. auch: Ders.: „Woher kommt der Name Weißwasser?“
2 Nach Georg Häusler: Schulen im Landkreis Weißwasser. Heimatkundliche Beiträge für den Landkreis Weisswasser/ Oberlausitz. Heft 10. Weisswasser/ Oberlausitz: Landratsamt 1994.
3 Die Stadt Bad Muskau hat schon gar kein eigenes Museum mehr, und der Bad Muskauer Pfarrer interessiert sich nicht für die Vergangenheit; die Lebenden seien ihm wichtiger, sagt er.
4 Präparandie (lat.): Vorbereitungskurs.
5 Die Mycena (Helmlinge) sind eine Gattung kleiner Pilze innerhalb der Familie der Ritterlingsartigen. Zu ihnen gehören die Xeromphalina (Glöckchennablinge). Die Marasmius (Schwindlinge) sind eine Gattung aus der Familie der Schwindlingsartigen. Tubaris steht veraltet für Schlauchpilze wie Morcheln, Lorcheln oder Trüffeln.
6 Es sind insgesamt 112 Oktavbände zu etwa je 100 Seiten mit Zeitungsausschnitten zu Zeitereignissen und Notizen, insbesondere zur Mykologie der Oberlausitz und Schlesiens.
7 Bibliographiert im Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz.
8 Der Beitrag erschien in: Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz. Band 41, Nr. 12/13. Leipzig 1966; S. XII-XIII/1 bis XII-XIII/3.

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