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Von zwei Pilzbüchern und Herrnhuter Bischöfen

Mykologie in der Oberlausitz

Von Bernd-Ingo Friedrich


Die aus der Wikipedia übernommenen biographischen Angaben zu Albertini und Schweinitz sind
– wie ein Vergleich mit den sogenannten Herrnhuter „Brüderblättern“ (Legensläufen) ergeben hat –
leider fehlerhaft. Sie werden demnächst überarbeitet.


1805 erschien bei Paul Gotthelf Kummer in Leipzig das erste Pilzbuch der Oberlausitz, geschrieben von dem Herrnhuter Bischof Johann Baptist von Albertini und dem Presbyter Lewis David von Schweiniz. Ihre Namen nennt der Autor Oskar Frömelt in einer Würdigung des Schulrektors und Mykologen Max Seidel, veröffentlicht 1966 in einem Heft der Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz. Der Name des lateinisch verfaßten Pilzbuches, das in russischen, amerikanischen und vielen anderen, natürlich auch Lausitzer Bibliotheken zu finden ist, lautet: Conspectus/ fungorum/ in Lusatiae superioris/ agro Niskiensi/ crescentium./ E methodo Persoonia./ Cum tabulis XII aeneis pictis, species/ novas XCIII sistentibus. Auctoribus/ I. B. de Albertini/ L. D. de Schweiniz. Lipsiae/ Sumtibus Kummerianis 1805. Es wurde unlängst in Italien sogar neu aufgelegt. Verdeutscht lautet sein Titel: „Betrachtung der Pilze der Oberlausitz, die auf den Feldern um Niesky wachsen, nach der Methode von Persoon“. Das Werk beschreibt 1.130, davon 127 neue Pilzarten. Damit kommen einmal mehr die Herrnhuter ins Spiel, die mir schon Material für Aufsätze über das Herrnhuter Buntpapier, ein bemerkenswertes Bucheignerzeichen, über den Indianerhäuptling Chingachgook und vieles andere lieferten.
(„Die große Schlange“ Chingachgook wurde übrigens nach einer heftigen „Sturm-und-Drang-Zeit“ 1742 auf den Namen „Bruder Johannes“ getauft und vom Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine, Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, persönlich als Prediger und Dolmetscher der Herrnhuter Indianergemeine in Schekomeko, New York, eingesetzt; nachzulesen auf www.kulturpixel.de oder in den Sächsischen Heimatblättern 4/2006).


conspectus fungorum erstausgabe leipzig 1805      conspectus fungorum reprint triest 1992


Johann Baptist von Albertini, Bischof und Liederdichter der Herrnhuter Brüdergemeine, geboren am 17.2.1769 in Neuwied am Rhein als Sohn eines Hauptmanns i.R., gestorben am 6.12.1831 in Berthelsdorf bei Herrnhut (Oberlausitz), entstammte einer Adelsfamilie aus Graubünden in der Schweiz, die sich der Brüdergemeine angeschlossen hatte.
Seine Ausbildung erhielt er seit 1782 auf dem Pädagogium in Niesky (Oberlausitz) und auf dem theologischen Seminar in Barby an der Elbe, wo ihn eine herzliche Freundschaft mit Friedrich Schleiermacher verband. Albertini widmete sich dem Studium der Theologie, der alten Sprachen, besonders der orientalischen, sowie der Mathematik und Botanik. Er wurde 1788 Lehrer in Niesky und zog im folgenden Jahr mit dem Pädagogium nach Barby. 1796 kam Albertini als Dozent an das Seminar in Niesky, wurde 1804 Prediger in Niesky und 1814 in Gnadenberg (Schlesien). Am 24.8.1814 empfing er in Herrnhut die Bischofsweihe. Er wurde 1818 Prediger in Gnadenfrei (Schlesien), 1821 Mitglied und 1824 Vorsitzender der Unitätsältestenkonferenz in Berthelsdorf.
Albertini war ein namhafter Prediger und neben Friedrich von Hardenberg (Novalis) der bedeutendste Liederdichter seiner Zeit. An Gedrucktem hinterließ er des weiteren Geistliche Lieder, Predigten und Reden an die Gemeine sowie seinen Lebenslauf.

Lewis David von Schweiniz (auch Ludwig David von Schweinitz und Schweiniz) wurde am 13. Februar 1780 in der Herrnhuter-Siedlung Bethlehem, Pennsylvania/ USA, als Urenkel des Grafen von Zinzendorf geboren. (Chingachgook war erst 24 Jahre zuvor, nämlich 1746 gestorben.) Er war Vorstand der mährischen Brüder in Nordamerika sowie Mykologe und Botaniker. Sein Kürzel als Autor botanisch-mykologischer Werke lautete „SCHWEIN.“.
1798 kam er nach Sachsen und besuchte das theologische Seminar in Niesky. 1801 wurde er dort Lehrer an der Unitäts-Knabenanstalt, 1807 arbeitete er als Pfleger der ledigen Brüder in Gnadenberg. 1808 wurde von Schweiniz Vorsteher des ledigen Brüderchors in Gnadau (Sachsen-Anhalt), 1812 Administrator der Unitätsbesitzungen in Salem (Nordamerika), jetzt Winston-Salem, North Carolina. 1821 war er als Inspektor einer Pensions-Mädchenanstalt in Bethlehem, Pennsylvania, tätig. Dort starb er am 8. Februar 1834 im Dienst der Brüder-Unität.
Schweiniz gilt als der Begründer der modernen Mykologie in Nordamerika, wo er 3.000 Pilzarten, davon 1.200 neue Arten als alleiniger Verfasser beschrieb. Er hinterließ drei dickleibige Standardwerke der Mykologie.


steinpilze 1909 fotografiert von revierfoerster karl wosch aus keula


Max Seidels kleine Schrift „Kennst Du den Pilz?“ ist zwar wissenschaftlich weniger gewichtig und weniger bibliophil als die Werke der beiden Herrnhuter Kapazitäten, aber den ihren an Seltenheit offenbar deutlich überlegen. Außer dem Exemplar, das im Senckendorf Museum für Naturkunde in Görlitz aufbewahrt wird, war im Zusammenhang mit den Recherchen zu diesem Artikel kein weiteres aufzutreiben. Wer eins besitzt und dem Handwerk und Gewerbemuseum in Sagar zur Verfügung stellen möchte, wäre dort herzlich willkommen. Sein vollständiger Titel lautet: Max Seidel: „Kennst Du den Pilz?“, in „Mutter Natur“, Heft 15 (1933). Die kleine Broschüre hat einen Umfang von 58 Seiten.

(07.10.2009)

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