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Phantastisch! Die Vandalismen von Lutz Stucka

Die Feuerzangenbowle läßt grüßen

Von Bernd-Ingo Friedrich

Siehe dazu auch die "Anmerkungen zu Ein uralter Wald von Lutz Stucka" auf www.kulturpixel.de.
sowie die "Anmerkungen zu Verschiedenem von Lutz Stucka", ebenfalls dort.


„Großer Gott", ächzte die Eiche, „kannst du nicht endlich mal dein Gekreisch abstellen?"
„Wenn's dir nicht paßt", sagte der Häher, „dann steh doch hier nicht so blöde herum."
Wolfdietrich Schnurre.


Ich habe am 10. März 2011 gegen 9:30 Uhr folgende Email (je nach Adressat leicht abgewandelt) an verschiedene Adressen verschickt:

(...), ich würde mich freuen, wenn Sie der red.weisswasser@lr-online.de zwei, drei Zeilen zu dem angehängten Artikel zukommen lassen würden.
Der Autor dieser Kurzfassung von 2.500 Jahren Geschichte meldet sich trotz wiederholter Kritiken regelmäßig mit ähnlich erdichtetem Unsinn zu Wort.
Das anhängende Elaborat ist nun allerdings derart dummdreist, daß mehrere Geschichtsinteressierte mich gebeten haben, wieder einmal zu intervenieren.
Ihre kompetente Unterstützung wäre mir und denen, die sich ebenfalls über derartige „Geschichtsschreibung“ ärgern, hilfreich und willkommen.
Einiges zu meiner Person und Arbeit können Sie folgender Website entnehmen: www.kulturpixel.de.
Mit freundlichen Grüßen aus meiner Schreibstube
[biF]

[Die hauptsächlichen Gründe für meine Intervention waren:
- ein „Volk der Schlesier“ gibt es ebenso wenig wie ein Volk der Lausitzer (Vogtländer, Märkischen Schweizer usw.), denn zu einem Volk gehört mehr als nur ein gemeinsam bewohnter Landstrich. Das vom polnischen Sejm am 6. Januar 2005 verabschiedete Minderheitengesetz definiert die Schlesier daher auch richtig als keine Nation, sondern eine „deutsche Minderheit“ in Polen.
- Wenden und Vandalen haben stammesgeschichtlich nichts gemeinsam. Der aus der Antike stammende, in Vergangenheit und Gegenwart politisch mißbrauchte Irrtum wurde durch die kurz „Wandalia“ genannte Geschichte der Wenden des Hamburger Gelehrten Albert Krantz von 1519 zwar populär, jedoch schon von Krantz’ Zeitgenossen als solcher erkannt. S. dazu Wikipedia/ Wenden. –
17.09.2011.]


stucka_vandalen lr_3.3.11
Aus der Lausitzer Rundschau, Lokalteil Weißwasser, vom 3. März 2011


Bis 10:30 Uhr habe ich folgende Antworten erhalten:

Aus dem Schlesischen Museum:
Sehr geehrter Herr Friedrich,
es freut mich sehr, Sie und Ihre Arbeit auf diesem Wege kennen zu lernen.
Gerne werde ich einen Leserbrief verfassen – Ihre Einschätzung ist natürlich zutreffend.
Beste Grüße vom Görlitzer Untermarkt
[...]

Aus dem Stadtmuseum Cottbus:
Lieber Herr Friedrich,
ich hatte ja neulich Gelegenheit, Herrn Stucka mit seinem Buch über den alten Wald bei Weißwasser zu erleben. In der Veranstaltung waren seine Darstellungen zur Lausitzer Frühgeschichte sehr unsachlich, so daß ich nach seinem Vortrag dort einige Korrekturen anbringen mußte. Auch dieser Artikel erweist sich als vollkommen unwissenschaftlich. Allein der Begriff „Volk der Schlesier“ ist meines Erachtens durch keine fachlichen Quellen belegbar. Sie können gern mich zitieren und dies an die Lokalredaktion der Rundschau übermitteln, evtl. auch meine Anschrift für Rückfragen weitergeben. Hätte er in seinem Buch die alten Geschichten um den Wald erzählt, so wäre dieses sicher eine gute Bereicherung gewesen, in seinen geschichtlichen Darstellungen erweist sich er sich jedoch als kompilierender Schreiber nicht belegter Überlieferungen.
Mit freundlichen Grüßen –
[...]

Aus dem Wendischen Museum:
Hallo Herr Friedrich,
na, der Artikel ist ja wirklich „toll“ und entbehrt ja jedes Geschichtswissens [...] Ich werde diese Mail an meinen Kollegen [...] weiterleiten.
Er ist auf diesem Gebiet besser bewandert und als Journalist auch begabter, auf so was entsprechend zu antworten.
Mit freundlichen Grüßen
[...]

Aus einer anderen Schreibstube:
Lieber Bernd-Ingo,
Deine Mail habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Ich schicke an die Redaktion der LR folgenden Text:
Herr Stucka ist in vieler Hinsicht ein kenntnisreicher Mann und ich habe manche wichtige Information von ihm erhalten. Aber über Erzählung von Gelesenem und Gehörtem ist er nicht hinausgekommen. Ich schicke einen Protest an die Redaktion.
Mit Gruß [...]

Weitere Kommentare werden demnächst bei der LR (oder auch mir) eintrudeln. Hoffe ich.

(10.03.2011)

Weitere Kommentare sind eingetrudelt, auch bei der LR, aber sie haben nichts genützt - inzwischen ist die dritte Folge der "Vandalismen" erschienen.
Es folgt eine kompakte Berichtigung:

dga/reiter: Mark Twain lebt. – Im Morgengrauen des Jahres 302 vor Koriander kamen zwei heidnische Stämme in unsere Gegend, die damals noch am Mittelmeer lag und sich „Bella Atlantica“ nannte. Der eine sprach hildebrandisch, der andere sprach hadubrandisch, aber als sie merkten, daß sie sich so nicht verständigen konnten, holten sie den Germanistikprofessor Martin Lutter zu Hilfe. Dieser verfaßte ein Lehrbuch der alemannischen Sprache für alle Stämme und gab ihm den Namen „The Holly Bible“, was sich im Laufe der Zeit zu „Holland“ (von Holly) und „Babaria“ (von Bible, gesprochen Babibell) entwickelte, was natürlich nicht von heute auf morgen stattfand, sondern sechs Tage dauerte. Am siebenten Tag ruhten sich alle aus und züchteten Flugenten. Die „Babaren“ hatten sich dadurch zu „Balearen“ entwickelt und flogen weiter, wohin, weiß man nicht genau. Vermutlich wurden sie Teppichweber und starben wegen akuter Thrombosen in den unteren Extremitäten aus. Der Name „Lutter“ aber leitet sich von dem althermanndurischen „Luder“ oder „Lude“ ab, was die Vandalen auf ihrer Völkerwanderung von den Hetitern als Lehnwort in die Milzener Sümpfe um Budeschwin gebracht hatten, und was im Lauf der Germanisierung der hiesigen Legion erst zu „Lotos“, dann zu „Lesotho“ und nach einem äußert komplizierten und langwierigen, von Karolus dem Minuskler in Gang gebrachten Umgestaltungsprozeß der semiwallachischen Kanzleisprache (den ich hier nicht detaliiert wiedergeben kann) zu „Lusatia“ und schließlich zu „Lausitz“ wurde und zu einem slawischen Volk führte, das noch immer hier ackert und mehr oder weniger polnisch spricht. Das weiß man deshalb so genau, weil der schottische Archäologe Paul McCartney 1922 im heiligen Olivenhein von Delphinarium einige der sprechenden Steine von Orakulos fand. Das Volk der „Schlesier“ (abgeleitet von ndt. „Schaleswig“), das von Kardinal Wodtüla MIX., einem fahrenden Vandalen, eine einheitliche Sprache und den Zloty (= Silber) erhielt, bewohnt seitdem die Gegend um Kriwoj on the Rocks und nährt sich hauptsächlich von radioaktiver Strahlung. Die sogenannten „Wenden“ erhielten ihren Namen von den prämongolischen „Venedi“, während die „Soraben“ von dem vordersumerischen Göttervater Alexis Sauerbaß gezeugt wurden. Der relativ junge Stamm der „Weißwasseraner Rundlinge“ hingegen wurde mit Hilfe von Elektrizität aus Sand, Soda, Pottasche und Bleiweiß gemacht. Alle diese Stämme bilden seit dem 14.12.914, mittags 12:02:37 Uhr, die Europäische Union. Ihre gemeinsame Sprache ist heute das so genannte „Stucka-Chinesisch“, das sich aus der „Lausitzer Rundschau“ herleitet. Diese wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem New Yorker Opiumhändler Marcus Twain begründet. Neuere Forschungen beweisen, daß Twain entgegen allen bisherigen Vermutungen noch im Untergrund lebt und weiter in der Redaktion dieser Zeitung tätig ist. Sein Artikel „Wie ich einmal eine landwirtschaftliche Zeitung herausgab“ erlangte unter Journalisten Kultstatus. – 20.03.2011, 22:22 MEZ.



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