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Gemalt für alle Ewigkeit

Leopold Schefer und der berühmte Portraitmaler Hermann Hadank aus Hoyerswerda

von Bernd-Ingo Friedrich


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Zu den schönen Momenten des einsamen und staubigen Vergnügens, die vergilbten Blätter der Geschichte um- und umzuwenden, gehört es, eine Entdeckung zu machen, die einen Pfad in eine völlig neue, ungeahnte Richtung weist. Einen solchen Moment bescherte mir die Entdeckung der Identität eines in der Schefer-Literatur nicht verifizierten Malers. Der „berühmte Portraitmaler H. Hadank" – so steht er in einem Brief des seinerzeit ebenfalls gerühmten Dichters und Komponisten Leopold Schefer an seinen Verleger Moritz Veit in Berlin.1 Die beiden Männer, Schefer und Hadank, teilten ein Schicksal: Sie wurden vergessen. Doch während Leben und Werk Leopold Schefers inzwischen recht gut erforscht sind, gibt es zu Hermann Hadank nur spärliche Hinweise.

Leopold Schefers, des in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielgelesenen Schriftstellers, größter literarischer Erfolg war das Laienbrevier. Es erschien im Verlag von Veit und Comp. zwischen 1834 und 1898 in neunzehn Auflagen: „Den ‚Dichter der Dichter, den Stifter einer neuen Religion' meinte der Verleger in dem populären Biedermeierautor Leopold Schefer gefunden zu haben. Mit einer Mischung aus Bildung und Unterhaltung sprach Schefer ein großes Lesepublikum an. Sein Laienbrevier [...] war die mit Abstand erfolgreichste Publikation von Veit & Comp. und zugleich das Lieblingsbuch des Firmenchefs."2 Es wurde darüber hinaus bei Hendel in Halle und Reclam in Leipzig gedruckt, in Prosa übertragen und in das Polnische und Englische übersetzt. Moritz Veit, der Schefers Bücher trotz seiner geringen Mittel stets liebevoll und handwerklich gediegen ausstattete, fügte ihm ab der achten Auflage ein Frontispiz mit dem Porträt Leopold Schefers hinzu. Bei der Auswahl des Porträts favorisierte Schefer Hadanks Bild, und so kam es, dass das 1844 gemalte Porträt des Hoyerswerdaer Meisters von 1852 an einige tausend Male das Laienbrevier schmückte und das Bild Leopold Schefers im In- und Ausland prägte – und noch prägt.3


schefer hadank laienbrevier mit portrait


Ein Blick in die Leopold-Schefer-Bibliographie von Bettina Clausen zeigt außerdem, dass der nach diesem Porträt angefertigte Kupferstich auch zur Vorlage für andere Künstler und deren Leopold-Schefer-Darstellung wurde. Zuletzt wurde es im Jahre1969 in einer Radierung Eberhard Schlotters zitiert, den Arno Schmidt, dessen Funk-Essay Der Waldbrand oder Vom Grinsen des Weisen wiederum die Wiederentdeckung Leopold Schefers einleitete, den „größten Illustrator des [20.] Jahrhunderts" nannte.

Von den Lebensdaten des Portraitmalers Hadank ist derzeit nur das Geburtsjahr 1810 bekannt. Er wurde als Sohn des Johann Gottlieb Hadank in Hoyerswerda geboren und gehört somit zu einer weitverzweigten, ansonsten gut dokumentierten Familie, deren Hauptgewerbe die Glockengießerei war, in der sich aber auch eine Reihe handwerklich und künstlerisch begabter Angehöriger in anderen Genres und Gewerken findet.4

An Gemälden Hadanks lassen sich nachweisen:
- nur anhand von Aufzeichnungen das Porträt Martin Luthers, eine Kopie nach Lucas Cranach, entstanden 1836, das Hoyerswerdaer Bürger in Auftrag gaben und der Johannes-Kirche stifteten; es verbrannte mit deren gesamtem Inventar 1945;5
- ebenfalls nur indirekt, siehe oben, das bereits erwähnte Porträt Leopold Schefers von 1844, das als verschollen gilt;
- und: das Stadtmuseum Schloß Hoyerswerda besitzt die Fotografie eines Porträts, das als „Gemälde von 1862, Hadank, Mathilde Schneider – Wirtin vom ‚Adler'" bezeichnet ist. Das Porträt des dazugehörigen Herrn (Wilhelm?) Schneider ist dort ebenfalls in Form einer Fotografie vorhanden.


schefer hadank hoyerswerda mathilda      schefer hadank hoyerswerda wilhelm


Noch als Foto beweist insbesondere das Porträt der Mathilde Schneider, dass der Maler Hermann Hadank zu Unrecht in Vergessenheit geriet. Es ist ein Gemälde von hoher Qualität und einer suggestiven Kraft und Ausstrahlung, die selbst in einer simplen Schwarz/ Weiß-Kopie überzeugt. Nach Auskunft der Ururenkelin der „Adler"-Wirtin, Frau Liesa Reindke, Hoyerswerda, entstanden die Gemälde infolge eines in Künstlerkreisen durchaus üblichen Kompensationsgeschäftes zwischen den Wirtsleuten und ihrem Gast. Ein Vergleich der beiden Porträts legt allerdings die Vermutung nahe, dass es eher zwischen dem Künstler und der Wirtin stattfand als dem Wirt. Dessen Bildnis hinterlässt einen wesentlich schwächeren Eindruck.

Die Bilder wurden, so wiederum Frau Liesa Reindke, in der Familie weiter vererbt und gelangten nach Kriegsende in den Besitz Alexander Schneiders, geboren in Hoyerswerda, ehemals Lehrer und Kantor in Spremberg. Er nahm sie später mit nach (Windsheim?), wo sie sich möglicherweise noch immer befinden.6

Über Hinweise auf weitere Werke Hermann Hadanks oder Angaben zu seiner Person, zu senden an die Adresse friedrichwsw@gmx.de, würde ich mich sehr freuen.

(2006)


Nachtrag: Das unten abgebildete, ca. 40 x 50 cm große Porträt eines Geistlichen trägt auf der Rückseite den Vermerk "Von Hermann Hadank 1830 gemalt". Es wurde 2006 ...7 auf einem Trödelmarkt in Achern erworben und nach der Entdeckung des obigen Artikels im Internet 2008 für den Autor fotografiert - danke!

(Januar 2008)


schefer hadank portraet 1830


Familie Schneider per Email am 05. und 06.04.2008

Guten Tag, Herr Friedrich,
auf "Vergangenheitssuche" im Internet haben wir eine Riesenüberraschung erlebt, die uns sehr gefreut hat. In Ihrem Bericht zu Leopold Schefer und dem Portraitmaler H. Hadank sahen wir plötzlich die Ölgemälde, die schon immer bei uns im Wohnzimmer hängen. Das sind die Urgroßeltern meines Mannes: Amalie Mathilde und Carl August Schneider. Gerne teilen wir Ihnen heute die genauen Daten mit, wie sie uns vorliegen; mein Schwiegervater Alexander Schneider hat sie auf der Rückseite der Bilder vermerkt, sie basieren auf der Basis der Ahnenforschung:
Amalie Mathilde Schneider, geb. Raetze, geb. 26. Oktober 1836 in Zehrbeutel (Oberlausitz; heute Ilowa, PL), gest. 4. März 1923 in Hoyerswerda,
Carl August Schneider, Land- und Gastwirt, geb. 1. Februar 1827 in Zibelle bei Muskau (Oberlausitz; heute Niwica, PL), gest. 16. März 1887 in Straßgräbchen bei Kamenz (Sächsische Oberlausitz).
Wir freuen uns sehr, dass wir endlich den Namen des Malers erfahren haben. Was ich übrigens ganz interessant finde: Sie schreiben über den Qualitätsunterschied der beiden Porträts. An den Originalen war uns das noch gar nicht aufgefallen, aber als ich die Bilder kürzlich für meinen Schwager fotografierte, zeigten die fertigen Fotos genau den selben Qualitätsunterschied/ eine gewisse Farbdifferenz auf wie die Bilder auf Ihrer Internet-Seite.
Mit freundlichen Grüßen,
Bettina Klein-Schneider und
Wolfram Alexander Schneider


schefer hadank mathilde schneider      schefer hadank august schneider


(...) Ihre Vermutung, dass der Kontakt eher zwischen Wirtin und Künstler bestand, wird durch "Familiengeschichten" untermauert: Mein Mann weiß von seinem Vater, dass Mathilde (geb. Raetze) gerne und gut sang und sich dazu selbst begleitete (Instrument leider unbekannt), also künstlerische Ambitionen hatte - anstatt den Stall auszumisten, wozu sie von ihrem Vater immer wieder angehalten wurde. So was kommt offenbar nach Generationen wieder zum Vorschein: unsere Tochter Katharina Blum, geb. Schneider (geb. 16.04.1979) hat Musik und Gesang studiert und ist derzeit im Opernchor Nordhausen (Thüringen) tätig ... - woran sich zeigt, wie Deutschland endlich in kleinen Schritten wieder zusammenwächst.
Beste Grüße in die Oberlausitz (von der meine Mutter - geboren und aufgewachsen in Sachsen, seit 1947 "im Westen" - nach einer Reise im letzten Jahr besonders angetan ist), auch von meinem Mann,
Bettina Klein-Schneider

(April 2008)

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Anmerkungen
1 Näheres bei Clausen, Bettina: Leopold Schefer. Bibliographie. Werk und Rezeption 1799– 1985. Frankfurt am Main: Bangert & Metzler 1985; S. 278 und 286ff.
2 Ziesak, Anne-Katrin: Der Verlag Walter de Gruyter 1749-1999. Berlin-New Yorck: Verlag Walter de Gruyter 1999; S. 115.
3 Friedrich, Bernd-Ingo: Leopold Schefer. Dichter und Komponist. 1784-1862. Görlitz: Neisse Verlag 2005; Rs.
4 Wirth, Ingrid: „Glockengießerei Hadank Hoyerswerda." In: Neue Hoyerswerdaer Geschichtshefte 4(2001). Hrsg. Stadtverwaltung Hoyerswerda. Hoyerswerda 2001; S. 2-15.
5 Schuster, August Ernst: Versuch einer Geschichte der Stadt Hoyerswerda von seiner Entstehung bis auf die neueste Zeit. Hoyerswerda: W. C. Ihring 1842; S. 82.
6 Sein vollständiger Name lautete Wilhelm Alexander Schneider, geb. 14.02.1897 in Hoyerswerda, gest. 15.06.1974 in Ochsenfurt (am Main), Lehrer und Kantor in Löwenberg, Spremberg und Windsheim, zuletzt Kirchenmusikdirektor;
Heirat 16.04.1924 in Hamburg mit Anna Pauline Katharina Radicke, geb. 11.03.1900 in Lübbenau, gest. 03.07.1971 in Würzburg.
Zwei Söhne sind aus dieser Ehe hervorgegangen:
Wolfram Alexander Schneider, geb. 05.06.1929 in Löwenberg,
Dr. med. Ulrich Schneider, geb. 01.11.1943 in Spremberg
... und die Bilder haben glücklicherweise die Ost-West-Teilung überlebt und sind nach dem Tod des Schwiegervaters an den älteren Sohn weitervererbt worden.
(Mitgeteilt von Bettina Klein-Schneider.)
7 Der Einsender möchte ungenannt bleiben.


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