Bernd-Ingo Friedrich: Tafeln wie Fürst Pückler. Ein unterhaltsames Kochbuch. Görlitz-Zittau: Verlag Gunter Oettel, 2010, 172 S. Pp. Gr.-8°. 19,90 Euro. ISBN 978-3-938583-56-2. / Bernd-Ingo Friedrich: Hat er? Oder hat er nicht? Fürst Pückler und die Frauen. Spitzkunnersdorf: Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, 2010. 76 S., zahlr. Abb. Br. Gr.-8°. 5,95 Euro. ISBN 978-3-941908-13-0.
Durch seine Beiträge zum Beispiel über Leopold Schefer oder die Bibliothek des Fürsten Pückler in Branitz ist unser Pirckheimer-Mitglied, der Sächsisch-Lausitzer Kulturhistoriker und Publizist Bernd-Ingo Friedrich, den Lesern der MARGINALIEN kein Unbekannter. Nach einer Publikation über das Fürst-Pückler-Eis 2007 legte er nun 2010, im Jahr des 225. Geburtstages Pücklers, gleich zwei neue Arbeiten zur anscheinend unausschöpflichen Persönlichkeit des vielseitig schillernden Fürsten vor. Doch um dessen größte Verdienste, die Landschaftsgärtnerei und Parkgestaltung sowie das schriftstellerische Werk, geht es hier überhaupt nicht, vielmehr wendet sich Friedrich dem Feinschmecker und dem Frauenfreund Pückler zu.
Das wirklich unterhaltsame Koch- und Lesebuch beginnt, nach einer trefflichen Einleitung des sächsischen Küchenmeisters, Kochbuchautors und Sammlers Reinhard Lämmel, mit einer Einführung in die Gastrosophie. Dabei werden kurz die großen Gastrosophen des 19. Jahrhunderts vorgestellt: Carl-Friedrich von Rumohr, Gustav Philipp Blumröder und Eugen von Vaerst und die Franzosen J. A. Brillat-Savarin und Alexandre Dumas d. Ä. Aus dem 20. Jahrhundert werden Carl Georg von Maassen und Alexander von Gleichen-Rußwurm hervorgehoben. Ein kulturhistorisches Kapitel "Von der Kocherey" führt schon zum Pücklerschen Haushalt hin, dann folgt auf 40 Seiten "Fürst Hermann von Pückler-Muskau, der Gastrosoph", ein Abriß seines Lebens unter kulinarischem Aspekt. Zitatenreich, unter Verwendung von Tagebüchern, Briefen und Dokumenten, bildet dieser erste Teil des Buches eine amüsant-lehrreiche Kulturgeschichte. Um den Lesefluß nicht unterbrechen zu müssen, sind kurze Erklärungen und Übersetzungen fremdsprachiger, besonders französischer Fachtermimi in kleiner Kursivschrift gleich an Ort und Stelle in den Text eingeschoben, ein praktikables und zeitsparendes Verfahren. In Schloß Branitz bei Cottbus, wo Pückler nach dem Verkauf von Muskau von 1845 bis zu seinem Tode 1871 lebte, haben sich in fünf Bänden die handschriftlichen Tafelbücher des Fürsten Pückler aus den Jahren 1854 bis 1870 erhalten. Diese Protokolle des Genusses wurden von seinen Sekretären angelegt und verzeichnen die Teilnehmer der Mahlzeiten und die gesamten Speisefolgen und Getränke. Aus diesem authentischen Material hat nun Bernd-Ingo Friedrich sieben Menüs für verschiedene Personenkreise ausgewählt und die Gäste in ihrer Beziehung zu Pückler geschildert. Nach der Menükarte folgt eine Erläuterung zu den einzelnen Gängen, die ein heutiges Nachkochen erleichtern soll. Das rückt in den Bereich des Möglichen, wenn man feststellen kann, daß sich so manche Gerichte durch ländliche Schlichtheit auszeichnen und die alltägliche Küche in Branitz eher gutbürgerlich als „fürstlich“ zu nennen ist. Dennoch reicht die breite Palette der Gerichte von vielerlei Suppen über Fisch, Geflügel und Wild, Salaten und Gemüsen zu Gelees, Kompotten und Desserts. Nach einer kleinen Getränkekunde folgt ein Phantasiemenü aus Gerichten à la Pückler, das mit einem Salat von Alfred Richard Meyer (aus seinem Munkepunke von 1924) eröffnet wird. Vielleicht ist es der Salat, zu dem schon 1817 E. T. A. Hoffmann seinen Freund Ludwig Devrient zum Frühstück einlud? Zum Abschluß bekommt auch noch das Fürst-Pückler-Eis ein kleines Kapitel, und der Fürst Pückler wird angemessen in den Tumulus verabschiedet.
Abbildungen von Gerichten darf man hier nicht erwarten, dafür bereichern eine größere Anzahl Vignetten des 19. Jahrhunderts den einfachen Pappband, dessen farbig gestalteter Einband ein silbernes Messer des Fürsten zeigt. Im ausführlichen Literaturverzeichnis vermißte ich bei Reprints die Erscheinungsjahre der Originalausgaben, und ein Personenregister wäre sehr angebracht gewesen. Einige wenige Druckfehler können das Vergnügen an diesem geist- und appetitanregenden Buch, dessen Gesamtherstellung in Szczecin erfolgte, nicht schmälern.
In der nostalgisch-reißerisch aufgemachten Broschüre über Fürst Pückler und die Frauen führt uns der Autor in ein Labyrinth von Tatsachen, Legenden, Mutmaßungen und Hypothesen über das hundertfach behandelte Thema. Von verschiedenen Seiten pirscht er sich in detektivischer Kleinarbeit an die zentrale Frage nach einer möglichen Impotenz des Fürsten heran. Die bisherige Literatur wird einer gnadenlosen Inspektion unterzogen, aber bei seinem Kampf gegen Geschichtsfälschung, Manipulationen und merkantilen Mißbrauch zaust er, wohl zu Recht, auch arg am Ruhm des Fürsten selbst. Seinen Spaß, einen Helden von einem unverdienten Sockel zu holen, untermauert er mit einem Klopstock-Zitat. Dann zerpflückt er Stück für Stück Pücklers Originalität, etwa indem er sein Pseudonym auf Meta Klopstock zurückführt. Doch wäre es keine Friedrich-Arbeit, wenn sie nicht verdienstvolle Klarstellungen und Darstellungen böte. Ein Kapitel zeigt dann die wichtigsten Frauen (auch im Bild) in ihren wahren Beziehungen zum Fürsten, so Lucie von Pückler, Henriette Sontag, Bettina von Arnim, die Gräfin Ida von Hahn-Hahn und schließ1ich die abessinische Sklavin Machbuba. Nach einem Kapitel Sexualmedizin folgen zwei dokumentarische Anhänge, Aufzeichnungen des Muskauer Schloß-Secretairs und ein anonymes Muskauer Tagebuch der Jahre 1803 bis 1809, die die brennende Frage einer wahrscheinlichen Lösung zutreiben. Doch hier möchte ich mich wie Friedrich in seinem Pamphlet zum Pluralis majestatis aufschwingen (der dem sozialistischen fatal ähnelt) und ausrufen: So genau wollten wir das gar nicht wissen!
Konrad Hawlitzki
Ernst-Jürgen Dreyer, Bernd-Ingo Friedrich: „Mit Begeisterung und nicht für Geld
geschrieben". Das musikalische Werk des Dichters Leopold Schefer." Verlag Gunter
Oettel: Görlitz-Zittau 2006. 208 S.
Rezension von Kathinka Rebling in: Letopis. Zeitschrift für sorbische Sprache, Geschichte und
Kultur 54 (2007) 1, S. 147-149.
Dr. Kathinka Rebling ist Honorarprofessorin am
„Zentrum für Sorbische Musikforschung und –lehre" der „Fachhochschule Lausitz" in
Cottbus.
[...] „Das hier vorliegende Buch schließt eine empfindliche Lücke in der
Musikgeschichtsforschung der Lausitz, denn es fokussiert einen Dichter und Komponisten,
der seinen Lebensmittelpunkt in Muskau hatte. Er wurde dort geboren und starb auch dort.
Den Verfassern der außerordentlich informativen Schrift sei an dieser Stelle hohe
Anerkennung für die jahrzehntelange akribische Quellenforschung gezollt. Das im Anhang
beigegebene Literaturverzeichnis benennt eindrucksvoll die zahlreichen Bibliotheken und
Archive, in denen Manuskripte gefunden wurden, die lange als verschollen galten und jetzt
erst der Vergangenheit entrissen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten."
[...] „Letztlich fand ich im Vorwort noch einen Satz, der mich einigermaßen verwunderte:
‚Ein Wort noch zur Trockenheit unseres Buches. Sie ist beabsichtigt.' (S. 10). Ich weiß nicht,
wovon die Autoren reden. Mir ist selten so eine profunde Sammlung von wissenschaftlich
hochinteressanten Quellen, eine so spannende Lektüre von vielen wiederentdeckten Werken
und ein so leidenschaftliches Engagement für eine Interpretationspraxis einschließlich dem
Hinweis darauf, was unmittelbar realisierbar wäre, in die Hände geraten. Ich wünsche dem
Buch und allen darin genannten Schefer'schen musikalischen Werken eine weite
Verbreitung."
Rezension von Peter Gülke in: Die Musikforschung. Hrsg. Gesellschaft für
Musikforschung. 60. Jahrgang 2007/ Heft 4. Kassel: Bärenreiter-Verlag
2007; S. 403.
Peter Gülke ist Professor an der Universität Basel, Dirigent und Musikschriftsteller.
Schumann präsentierte ihn in der Neuen Zeitschrift für Musik als
„der besten Einer“, fand in einer Sonate zu vier Händen „eine Kraft und
ein(en) Kern der Harmonie, im Charakter eine Zucht und Ehrbarkeit, wie
man sie irgend an den besten Meistern des vorigen Jahrhunderts kennt“,
und nannte den ersten Satz einer Es-Dur-Sinfonie, der ihm nur als
Klavierauszug vorlag, „großartig“.
Ernst-Jürgen Dreyer, der nach Band 122 des Erbe Deutscher Musik,
einer CD, einem Heft Klaviermusik (beide Bautzen 2006) und anderen mit
Schefer befaßten Publikationen nunmehr eine Summa vorlegt, ist da
vorsichtiger. Anders als Schumann macht er sich keiner Voreingenommenheit
verdächtig; nicht um Ehrenrettung geht es, sondern um Wertung und
Einordnung, welche allemal schwer genug sind bei einem, dem mit der
Charakteristik „Kleinmeister“ herablassende Blickweisen sicher sind.
Ihr hat Schefer gerade genug Vorschub geleistet – als vorab provinzielle,
trotz einer bis nach Istanbul führenden „Weltreise“ auf Muskau und
Dienste beim Fürsten Pückler fixierte Existenz; mit Musik als (trotz
einiger Lektionen bei Salieri) liebhaberhafter Nebenbeschäftigung neben
einer umfangreichen literarischen; mit durchweg privat veranlaßten,
Jahre oder gar Jahrzehnte auseinanderliegenden Schaffensschüben und
stilistischen wie qualitativen Brüchen, welche immer wieder auf den
Zusammenhang von Professionalität und Kontinuität aufmerken lassen.
Schummeleien, denen auch Schumann aufsaß, da er von zwölf Sinfonien von
Schefer sprach, während noch nicht einmal die erste fertiggestellt war,
zeugen vom Realitätsverlust des Liebhabers, der den Weg zwischen Absicht
und Einlösung nicht sieht, und passen mit der Ethik des nur „mit
Begeisterung“ Komponierenden nicht ganz zusammen. Allerdings hat Schefer
auch Pech gehabt – u.a. mit einer von seinem Dienstherrn veröffentlichten
Gedichtsammlung, für deren Autor man den Fürsten hielt, und mit einer
ersten Liedpublikation, die in den Wirren nach der Völkerschlacht bei
Leipzig unterging.
Und dennoch! Nicht nur geben Dilettanten über den durchschnittlichen
Stand von musikalischer Kultur und musikalischem Verständnis besonders
kompetent Auskunft; zuweilen erzielen sie, besonders bei Liedern – wie
literarisch bei Gedichten – hinreißende Treffer, weil sie an normativen
Verpflichtungen der Professionalität vorbeifinden. So glücken Schefer etliche
Lieder, denen der Einzug in die Konzertprogramme dringlich zu wünschen
wäre; und, als wisse er nicht, wie originell das ist, „passiert ihm“,
die Trauer um einen früh verstorbenen Freund verarbeitend, der erste
durchkomponierte Liedzyklus der Musikgeschichte.
All dies, Für und Wider eingeschlossen, wird in der vorliegenden
Publikation mustergültig aufbereitet. Zum Beieinander von analytischer
Gründlichkeit, sprachlicher Delikatesse, liebender Eindringlichkeit und
wacher Kritik, weit oberhalb allen Ehrenrettungs-Furors, kommt eine
vorzügliche verlegerische Betreuung, opulente Ausstattung mit
zahlreichen Faksimiles und Notenbeispielen und Verzeichnissen, deren
Benutzerfreundlichkeit den Hintergrund langwieriger Recherchen vergessen
läßt. Als sei das noch nicht genug, veröffentlichen die Autoren im
Anhang fünf Kompositionen aus Schefers handschriftlichem Nachlaß und
aufschlußreiche Belege für Anregungen, die vom Schriftsteller Schefer
ausgingen. Für dessen Wiedergewinnung haben nach Arno Schmidt etliche
Germanisten viel getan; nachdem dies auch für die Musik geschehen ist,
wären nun die ausführenden Musiker an der Reihe. (April 2007)
Artikel
Leopold Schefer (1784-1862) Ausgewählte Lieder und Gesänge zum Pianoforte. Hrsg.
Ernst-Jürgen Dreyer. München: G. Henle Verlag 2004. (Das Erbe deutscher Musik. Band 122.
Sechster Band der Abteilung Frühromantik.) 152 S.
Rezension von Peter Gülke in: Die Musikforschung. Hrsg. Gesellschaft für Musikforschung. 58.
Jahrgang 2005/ Heft 4. Kassel: Bärenreiter-Verlag 2005; S. 477-479. - Zu Peter Gülke siehe oben.
"Leopold Schefer gehört zu jenen Doppelbegabungen, deren Charakteristik man nicht
vorschnell mit Wertungen verbinden sollte; wenn einer einmal der zweiten oder dritten
Garnitur zugeordnet ist, kommt er aus dieser kaum wieder heraus. In Bezug auf den
Literaten Schefer haben das Arno Schmidt und mehrere Germanisten zu korrigieren versucht,
in Bezug auf den Komponisten versucht es seit längerem, umsichtig und behutsam, der
Herausgeber des vorliegenden Bandes.
Dessen Lektüre bestätigt, daß Schefer die Fürsprache verdient. Nicht zuletzt hat er Pech
gehabt: die erste Gedichtsammlung, anonym vom Grafen Pückler-Muskau veröffentlicht, den
man zunächst für den Verfasser hielt; die erste Liedsammlung 1813 in Leipzig gedruckt und
in den Wirren der Völkerschlacht nahezu verschollen. Danach war es auf dem Markt -
freundliche Aufmerksamkeiten von Schumann haben wenig daran geändert - um den Musiker
Schefer bereits still. Insofern erscheint fast stimmig, daß die vorliegende kluge Auswahl
durch einen verdruckst intonierten Vorspruch der Redaktion des Erbes deutscher Musik
eröffnet wird, welche die Edition unnötigerweise zu entschuldigen sucht.
Wenn wir dagegensetzen, daß Schefers Musik manches in der Reihe Veröffentlichte überragt
und daß die Liedkompositionen (ähnlich wie Lyrik) etliche Handhabe bietet, den Dilettanten
nicht nur als Entschuldigungsvokabel zu bemühen, benutzen wir dennoch die falsche, weil
von unten hinaufgeschobene Meßlatte. In dem Bande begegnen Lieder, bei denen auch
Schubert-Kenner kaum zu sagen wüßten, weshalb sie nicht von Schubert stammen könnten.
[...]
Artikel
Tagebuch einer großen Liebe. 22 Lieder von Leopold Schefer. Limitierte
Jubiläumsausgabe zum 222. Geburtstag von Leopold Schefer. Herausgegeben vom "Freundeskreis
Lausitzer Musiksommer" Bautzen. KONSONANZ Musikagentur Bautzen 2006. CD mit Booklet (mit
einer Einführung von Ernst-Jürgen Dreyer und Bernd-Ingo Friedrich und sämtlichen Liedtexten); 16 Seiten.
Rezension „Liederreigen voll unerfüllbarer Sehnsüchte. Eine
Muskauer Liebe“ von Wolfgang Hirsch in: TLZ Weimar vom 8. Oktober
2006.
Wolfgang Hirsch ist Chefredakteur der Musikredaktion der TLZ.
Eigentlich nicht in die zweite Reihe frühromantischen Kunstschaffens gehört der
Muskauer Dichterkomponist Leopold Schefer (1784-1862). Daß der vergessene
Autodidakt, der literarisch vor allem mit Gedichten und Novellen hervortrat,
als Kunstlied-Komponist wieder zu entdecken ist, verdankt die Musikwelt den
Akteuren des Lausitzer Musiksommers und dem Herausgeber Ernst-Jürgen Dreyer,
die sich anläßlich seines 222. Geburtstages am 30. Juli mit mehreren
Veranstaltungen und nun auch mit der CD „Tagebuch einer großen Liebe“ seinem
sehnsuchtsvollen Liedschaffen zuwendeten [...].
Seine Lieder, die überwiegend
der Zeit zwischen 1808 und 1814 entstammen, gelten als sublimatorisches Zeugnis
einer unstandesgemäßen […] Liebe […] zu der Komtesse Agnes Pückler.
Entsprechende emotionale Intensität entfalten die Gesangsstimmen, die weniger
volkshaft-eingängigen Charakter als etwa die des Zeitgenossen Franz Schubert
besitzen, indes von meist reizvoll-originellem Klaviersatz unterstützt werden
[…].
Rezension von Nikolaus Gatter in Gazzetino. Mitteilungen der
Varnhagen Gesellschaft e.V. No. 20 (2007) auf www.varnhagen.info/gazzett20.html.
Dr. Nikolaus Gatter ist Germanist, Schriftsteller, Kritiker, Liedermacher, Übersetzer und
Sammler von Lesefrüchten; Vorsitzender der Varnhagen Gesellschaft e. V.
Das "Tagebuch einer großen Liebe" - nämlich 22 anrührende Lieder des Dichters Leopold
Schefer - wurde[...] auf einer liebevoll produzierten, mit informativem Beiheft
ausgestatteten CD veröffentlicht. Der Sekretär und Domänenverwalter des Fürsten Hermann
von Pückler-Muskau hatte in den meisten dieser nun als Zyklus offerierten Lieder die
14-jährige Komtesse Agnes von Pückler, seine unglückliche Jugendliebe besungen.
Entsprechend melancholisch nehmen sich manche von ihnen aus ("Lied des Schmachtenden",
"Verlangen", "An die Ungetreue"), andere lassen in lyrischen Neologismen und
überraschenden Metaphern die Sprachkraft des von Arno Schmidt gelobten Freigeists
erkennen. Die meisten der Lieder wurden 1813 als "Gesänge zu dem Pianoforte", andere
hier erstmals nach den Manuskripten veröffentlicht. Einen einführenden werkgeschichtlichen
Text schrieben Ernst-Jürgen Dreyer und Bernd-Ingo Friedrich. Die CD ist bei der
Musikagentur Konsonanz in Bautzen erhältlich.
Nikolaus Gatter in: Folker. Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik. Nr. 4/ 2007.
Moers: Christian-Ludwig-Verlag 2007; S. 81.
[...] Junge Künstler, engagierte Spender machten es möglich, daß erstmals ein Liederzyklus
auf CD eingespielt wurde. Er handelt von hoffnungsloser Liebe [Schefers] zu Pücklers
Schwester Agnes, die der Vater [der Bruder, also Pückler!] standesgemäß einem Cousin zur
Frau gab. Vom „Leben des Lebens“ über das erste „Ich liebe dich“, vom „Nachtbesuch“ bis
zum „Lied des Schmachtenden“ und zur „Ewigen Klage“ reicht die Skala dieser empfindsamen
Katastrophe, die uns mit perlenden Fiorituren und Melismen in die Frühromantik entführt,
wo „sich Lust so spurlos vergißt“ und wo „mit dem Götterauge/ meines Fernrohrs am Mond
ich sauge ...“
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