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Weißwasseraner Bernd-Ingo
Friedrich bezeichnet sich nicht als Sammler
sondern "Aufheber"
Weißwasser. Es sind
schöne Dinge, die uns die Künste bescheren, und
somit sind sie auch nützlich, denn der Mensch lebt
ja nicht vom Brot allein. Zu diesen schönen, heute
allerdings ein wenig nutzlosen Dingen gehören jene
charmanten, unberührbare winzige Welten der
hiesigen Glasmacher, die früher, einen durchaus
wesentlichen Zweck auf dem Schreibtisch erfüllten.
Sie verhinderten nämlich, dass die Papiere mit den
geschriebenen Worten und Zahlen, im Winde davon
wehten. Einer der sich nicht als Sammler,
sondern "Aufheber" der Glasbriefbeschwerer
bezeichnet ist Bernd-Ingo Friedrich aus
Weißwasser. Angefangen hat bei ihm alles mit
drei Stücken, die sein Großvater Hermann Kraiczek
einst selbst herstellte. "Er hat von der Pike auf
Glasmacher in der ehemaligen Bärenhütte gelernt",
so Friedrich, der fasziniert ist von den bunten
Glasbriefbeschwerern. Eigentlich erfunden hat
diese “Paperweights”, zu deutsch “Papiergewichte”,
niemand. Der Külbel, so nennt man das Stück Glas,
mit dem der Glasmacher seine Arbeit beginnt,
versehen mit einigen farbigen Glassplittern, war
fast schon eins, und der Gedanke, Papiere mit
einem Stück Glas zu beschweren, mit Steinen, Holz
oder irgend etwas Anderem war nicht neu. Es fehlte
nur noch der Schritt, bunte Glaskugeln zu
produzieren und sie als Papierbeschwerer zu
vermarkten. Friedrich weiß zu berichten das
die in Weißwasser hergestellten Stücke aus der
Pausenbeschäftigung der Glasmacher entstanden. Die
so entstandenen Kunststückchen halfen das
Taschengeld aufbessern. Sie wurden zu Jubiläen,
Geburtstagen und ähnlichen Anlässen verschenkt
oder man bezahlte damit, sein Feierabendbier
beispielsweise. "Mein Großvater Hermann
Kraiczek war so ein Zauberkünstler. Er hat die
beiden Briefbeschwerer gemacht, in deren Innerem
sich schmale Bögen aus farbigem Glas wölben wie
die Kreuzrippen einer gotischen Kathedrale-
„Spinne“ nennt man diesen ursprünglich aus Böhmen
stammenden Typ. Seinen Vater hatte, wie so viele
andere Glasmacher um 1900, die Aussicht auf
gutes Geld in das seit 1873 boomende Dorf
Weißwasser gelockt. Weißwasser wurde damals
bekanntlich von einem ärmlichen Heidedorf zum
größten Glas produzierenden Industriestandort
Deutschlands. Viele fanden hier nicht nur
Arbeit, sondern auch ihre Familie und eine neue
Heimat. So auch der Urgroßvater von Friedrich.
Großvaters Schwägerin Erna Himpel, geborene
Schmidt, war eine der vielen Schwestern der
Großmutter, die alle irgendwie mit der
Glasindustrie zu tun hatten, und sie hat den einen
der beiden Briefbeschwerer mit Facetten versehen.
Sie hat auch den Briefbeschwerer mit den weißen
„Stalagmiten“ geschliffen. Vor ein paar Jahren
hatte Bernd-Ingo Friedrich zuerst nur die Idee,
eine kleine Geschichte über die Briefbeschwerer zu
schreiben, die er vom Großvater geerbt hatte, mit
ein bißchen Glasmacheralltag drumrum und so; was
Nettes eben. Dann wuchs sich das aus, und der
Weißwasseraner dachte an ein kleines Bilderbuch.
Dazu brauchte ich aber noch mehr Briefbeschwerer
zum Abbilden, also ging er auf die Suche und
spürte mit Hilfe einer Freundin etliche gute
Stücke in den Haushalten von Weißwasser, Bad
Muskau, Krauschwitz, Gablenz, Schleife und
Rietschen auf, aber es reichte nicht. "Ich dachte
mir, wenn man eine Ausstellung organisieren
könnte, müßte noch mehr zusammen kommen und machte
das den Leuten vom Glasmuseum schmackhaft".
Für die Ausstellung war zufällig ein Termin im
Glasmuseum frei, und nach einigem Hin- und
Herreden waren die Museumsleute
dafür. Zahlreiche Besucher nutzten die
Möglichkeit sich damals die Ausstellung im
Glasmuseum anzusehen. In diesem Jahr gab es für
Bernd-Ingo Friedrich eine ganz besondere
Überraschung. Kürzlich entdeckte er auf dem
Trödelmarkt in Bad Muskau haargenau einen zweiten,
von seinem Großvater hergestellten Briefbeschwerer
und das nach 70 Jahren, nach dem er einst in der
Bärenhütte angefertigt wurde.
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