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Ratgeber | Leben & Wohnen | Weißwasser  
Nach 70 Jahren Briefbeschwerer vom Großvater gefunden
Weißwasseraner Bernd-Ingo Friedrich bezeichnet sich nicht als Sammler sondern "Aufheber"

Weißwasser. Es sind schöne Dinge, die uns die Künste bescheren, und somit sind sie auch nützlich, denn der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein. Zu diesen schönen, heute allerdings ein wenig nutzlosen Dingen gehören jene charmanten, unberührbare winzige Welten der hiesigen Glasmacher, die früher, einen durchaus wesentlichen Zweck auf dem Schreibtisch erfüllten. Sie verhinderten nämlich, dass die Papiere mit den geschriebenen Worten und Zahlen, im Winde davon wehten.
Einer der sich nicht als Sammler, sondern "Aufheber" der Glasbriefbeschwerer bezeichnet ist Bernd-Ingo Friedrich aus Weißwasser.
Angefangen hat bei ihm alles mit drei Stücken, die sein Großvater Hermann Kraiczek einst selbst herstellte. "Er hat von der Pike auf Glasmacher in der ehemaligen Bärenhütte gelernt", so Friedrich, der fasziniert ist von den bunten Glasbriefbeschwerern. Eigentlich erfunden hat diese “Paperweights”, zu deutsch “Papiergewichte”, niemand. Der Külbel, so nennt man das Stück Glas, mit dem der Glasmacher seine Arbeit beginnt, versehen mit einigen farbigen Glassplittern, war fast schon eins, und der Gedanke, Papiere mit einem Stück Glas zu beschweren, mit Steinen, Holz oder irgend etwas Anderem war nicht neu. Es fehlte nur noch der Schritt, bunte Glaskugeln zu produzieren und sie als Papierbeschwerer zu vermarkten.
Friedrich weiß zu berichten das die in Weißwasser hergestellten Stücke aus der Pausenbeschäftigung der Glasmacher entstanden. Die so entstandenen Kunststückchen halfen das Taschengeld aufbessern. Sie wurden zu Jubiläen, Geburtstagen und ähnlichen Anlässen verschenkt oder man bezahlte damit, sein Feierabendbier beispielsweise.
"Mein Großvater Hermann Kraiczek war so ein Zauberkünstler. Er hat die beiden Briefbeschwerer gemacht, in deren Innerem sich schmale Bögen aus farbigem Glas wölben wie die Kreuzrippen einer gotischen Kathedrale- „Spinne“ nennt man diesen ursprünglich aus Böhmen stammenden Typ. Seinen Vater hatte, wie so viele andere Glasmacher um 1900, die Aussicht auf
gutes Geld in das seit 1873 boomende Dorf Weißwasser gelockt. Weißwasser wurde damals bekanntlich von einem ärmlichen Heidedorf zum größten Glas produzierenden Industriestandort Deutschlands.
Viele fanden hier nicht nur Arbeit, sondern auch ihre Familie und eine neue Heimat. So auch der Urgroßvater von Friedrich.
Großvaters Schwägerin Erna Himpel, geborene Schmidt, war eine der vielen Schwestern der Großmutter, die alle irgendwie mit der Glasindustrie zu tun hatten, und sie hat den einen der beiden Briefbeschwerer mit Facetten versehen. Sie hat auch den Briefbeschwerer mit den weißen „Stalagmiten“ geschliffen.
Vor ein paar Jahren hatte Bernd-Ingo Friedrich zuerst nur die Idee, eine kleine Geschichte über die Briefbeschwerer zu schreiben, die er vom Großvater geerbt hatte, mit ein bißchen Glasmacheralltag drumrum und so; was Nettes eben. Dann wuchs sich das aus, und der Weißwasseraner dachte an ein kleines Bilderbuch. Dazu brauchte ich aber noch mehr Briefbeschwerer zum Abbilden, also ging er auf die Suche und spürte mit Hilfe einer Freundin etliche gute Stücke in den Haushalten von Weißwasser, Bad Muskau, Krauschwitz, Gablenz, Schleife und Rietschen auf, aber es reichte nicht. "Ich dachte mir, wenn man eine Ausstellung organisieren könnte, müßte noch mehr zusammen kommen und machte das den Leuten vom Glasmuseum schmackhaft".
Für die Ausstellung war zufällig ein Termin im Glasmuseum frei, und nach einigem Hin- und Herreden waren die Museumsleute dafür.
Zahlreiche Besucher nutzten die Möglichkeit sich damals die Ausstellung im Glasmuseum anzusehen.
In diesem Jahr gab es für Bernd-Ingo Friedrich eine ganz besondere Überraschung. Kürzlich entdeckte er auf dem Trödelmarkt in Bad Muskau haargenau einen zweiten, von seinem Großvater hergestellten Briefbeschwerer und das nach 70 Jahren, nach dem er einst in der Bärenhütte angefertigt wurde.
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Erschienen am 16.8.2006
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