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Heidelbeeren mit Essig düngen: Wie funktioniert das?

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Die Kulturheidelbeere ist eine beliebte Naschpflanze und in der Regel anspruchslos. Das Heidekrautgewächs wird bis zu 1,70 m groß und liefert ihrem Besitzer über mehrere Wochen im Jahr schmackhafte Erträge. Die Früchte fallen dabei üppiger aus, als die der heimischen Waldheidelbeere.

Auch das Fruchtfleisch weist Unterschiede auf: Es ist nicht durchgehend blau, sondern fleischig weiß. Die Pflanze ist selbstfruchtend. Stehen weitere Pflanzen der selben Art in der Nähe, fallen die Erträge jedoch höher aus. Wählt man einen sonnigen Standort, sorgt für genügend Wasser und gewährt dem Strauch alle 3 bis 4 Jahre einen Rückschnitt, wird man der Pflanze gut gerecht und kann sich bis zu 30 Jahre lang an ihr erfreuen.

Heidelbeeren düngen mit Essig & Co.: Wann ist es zu viel des Guten?

Leider ist es oft nicht so einfach, wie es klingt. Die geringen Ansprüche der Pflanze gelten auch für die Bodenbeschaffenheit. Der Boden in deutschen Gärten jedoch ist generell eher lehmig und kalkhaltig oder stark mit Mist, Kompost und kommerziellen Düngemitteln aufbereitet, um den hohen Nährstoffbedarf anderer Kulturpflanzen zu decken. Die Heidelbeere geht unter diesen Bedingungen schlicht an einem Überangebot unter. Ursprünglich auf kargen Sandböden und in Heidelandschaften verwurzelt, verschmäht sie die zu reichhaltige Kost in unseren Gärten. Im Ergebnis wächst sie nur kümmerlich oder geht ganz ein. Wer lange Freude an seinen Heidelbeeren haben möchte, sollte von daher auf einen kalkarmen und sauren Boden achten.

Kalk reduzieren

Kalk lässt sich oft schon durch die Wahl des Gießwassers reduzieren. Regenwasser statt verkalktem Leitungswasser zu verwendet, spart außerdem Geld. Die Auswirkungen dieser Maßnahme sind natürlich regional verschieden. Zusätzlich kann auf Düngegaben von Kompost, Mist oder Fertigdünger verzichtet werden. Der Beerenstrauch ist Ihnen stattdessen für eine gleichmäßige Schicht Rindenmulch unterschiedlicher Nadelhölzer dankbar. Diese unterstützt durch ihre Speicherfunktion auch den Feuchtigkeitshaushalt und verringert den Gießaufwand. Achten Sie darauf, dass die Pflanze nicht austrocknet. Sie erholt sich von solchen Situationen nur schwer.

Mit Essig & Co.: Wie wird der Boden sauer?

Interessant ist nun aber der tatsächliche Säuregehalt des Bodens. Dieser sollte zunächst bekannt sein. Die Heidelbeerpflanze verlangt nach einem pH-Wert von 4,0- 5,0. Unsere Gartenböden sind meist alkalisch, liegen also über einem pH-Wert von 7,0. Sie können Ihren Boden mit handelsüblichen Test Kits kontrollieren. In diesem Fall erhalten sie noch weitere nützliche Werte, neben dem pH-Wert. Grundsätzlich lässt sich eine Bodenprobe aber auch mit einfachen Hausmitteln untersuchen.

boden sauer machen
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Eine Handvoll Erde, gemischt mit einer Tasse Apfelessig wird beginnen zu schäumen, wenn der pH-Wert der Bodenprobe über 7 liegt. Ein solcher Test gibt die notwendige Orientierung. Nun kann entschieden werden, ob die Pflanze einen anderen Boden benötigt, oder das Problem doch ein anderes ist.

Eingriffe an Ort und Stelle

Wie bekommt man aber jetzt sauren Boden für eine einzelne Pflanze innerhalb eines Gartens, der an sich in seinem alkalischen Zustand sehr gut funktioniert? Die Lösung kann in einer radikalen Umpflanzaktion bestehen. Die Pflanze bekommt ein, durch Teichfolie oder ähnliches abgetrenntes, Pflanzloch, gefüllt mit einem Gemisch aus Torf, Sand und Rindenmulch. Sie könnte auch direkt in ein großes Pflanzgefäß mit diesem Gemisch oder Rhododendronerde umziehen.

Diese Varianten sind vielversprechend, aber eventuell nicht für jeden Standort geeignet. Soll die Heidelbeere möglichst dort bleiben, wo sie ist oder weicht der pH-Wert nur leicht vom Idealwert ab, kann man versuchen, schlicht den Boden um die Pflanze herum zu versauern. In diesem Fall empfiehlt sich der Einsatz von Rindenmulch, der direkt in den Boden im Wurzelbereich der Pflanze eingearbeitet wird. Auch Kaffeesatz kann zu diesem Zweck Verwendung finden.

Heidelbeeren mit Essig düngen: Darauf sollte man achten

Viele Gärtner schwören in diesem Zusammenhang auf den Effekt von Essig. 300ml Haushaltsessig auf 4 Liter Gießwasser sollen Wunder wirken. Tatsächlich erhöht die Ethansäure im Essig vorübergehend den Säuregehalt im Boden. Weshalb das Vorgehen in einem abgeschlossenen Pflanzgefäß gut angewendet werden kann. Im offenen Gartenboden kann dieses Verfahren jedoch problematisch werden und ist unter Umständen sogar strafbar, da der großräumige Einsatz von Essig auch in privaten Gärten gegen das Pflanzenschutzgesetz verstößt. Denn ohne eine Begrenzung wird sich das Essigwasser unkontrolliert verteilen können. Regelmäßige derartige Düngegaben in großen Mengen können ganze Kleingartenanlagen unfruchtbar machen, wenn mehrere Gärtner an ähnlichen Praktiken festhalten.

Nutzen in Maßen

Dennoch ist das Mittel, gezielt und sparsam eingesetzt, nicht zu verteufeln, solange es nicht direkt oder in großen Mengen in den Boden eingebracht wird. Zum Beispiel lässt sich aus 250 ml Essig auf 4 Liter Wasser eine Sprühlösung herstellen, die der Heidelbeerpflanze unterstützend angeboten werden kann. Unterm Strich kommt es schlicht auf einen bewussten Einsatz an. Achten Sie idealerweise direkt beim Kauf auf die Standortansprüche ihrer Pflanzen. So lassen sich spätere Korrekturverfahren gezielt vermeiden. Die Mitarbeiter in Baumärkten und Gartencentern beraten Sie sicher gern.