Gesundheit & Medizin

Herzrasen nach dem Aufwachen: Was steckt dahinter?

Herzrasen nach dem Aufwachen
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Jeder kennt das Gefühl eines schnell schlagenden Herzens, zum Beispiel nach sportlicher Tätigkeit, Treppensteigen oder anstrengender Gartenarbeit. Doch was, wenn das Herz ganz unvermittelt schneller schlägt? Noch dazu frühmorgens, wo man doch die ganze Nacht ruhig geschlafen hat und keiner Belastung ausgesetzt war? Erfahren Sie mir über die möglichen Ursachen im vorliegenden Artikel.

Herzrasen nach dem Aufwachen: Physiologische Erklärung

Der menschliche Körper hat sich im Laufe der Evolution an die äußere Umgebung angepasst, insbesondere an den Wechsel von Tag und Nacht. Sämtliche körperlichen Funktionen eines jeden einzelnen Menschen folgen diesem tageszeitlichen Wechsel, angefangen von der Ausschüttung von Hormonen bis hin zum Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieses hell-dunkel-Verhalten nennt sich circadianer Rhythmus. Es variiert in der Regel etwas von Mensch zu Mensch, im Grunde genommen reagieren jedoch alle menschlichen Körper gleich. Einer der wesentlichsten Punkte ist die Ausschüttung von Hormonen, im speziellen Cortisol. Cortisol ist ein Nebennierenrindenhormon, welches in Abhängigkeit von der Tageszeit pulsatil freigesetzt wird.

Üblicherweise beobachtet man einen deutlichen Anstieg des Cortisols in den frühen Morgenstunden und einen zweiten etwas kleineren Anstieg um circa 17 Uhr. Cortisol wird umgangssprachlich auch als „Stresshormon“ bezeichnet, da es katabole Stoffwechselvorgänge in Gang setzt. Dazu gehören der Abbau von Glykogen und Proteinen zur Energiegewinnung und die Hemmung der Speicherung von Zucker in der Leber als Reservestoff. Es kontrolliert über eine Regulation von Genen die Bildung von Katecholaminen. Katecholamine wie Adrenalin und Noradrenalin sind für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und der Herzfrequenz verantwortlich.

herzklopfen am morgen
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Bei einer gesteigerten Ausschüttung dieser Stoffe, steigt der Blutdruck an und die Herzfrequenz nimmt zu. Diese Wirkung macht man sich auch in der Medizin zunutze. Der Blutdruckanstieg am Morgen kann somit durch den morgendlichen physiologischen Anstieg des Cortisols im Blut begründet werden.

Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüsenhormone kontrollieren ähnlich wie das Cortisol über eine Regulation der Genexpression den Stoffwechsel des Menschen. Eine Mangel an Schilddrüsenhormonen führt zu einer gesteigerten Gewichtszunahme, Trägheit des Körpers, rasche Erschöpfbarkeit und Abgeschlagenheit. Zuviel dieser Hormone bewirkt jedoch genau das Gegenteil. Menschen mit einer Überfunktion der Schilddrüse sind meistens sehr dünn, weil ihr Stoffwechsel beschleunigt abläuft. Dazu gehören auch ein hoher Blutdruck und eine schneller Herzschlag. Diese Effekte können ihr Maximum in den frühen Morgenstunden erreichen und damit den Körper aus seinem Schlafzustand holen. Beim Aufwachen spürt man dann den beschleunigten Herzschlag und kann erhöhte Blutdruckwerte feststellen.

Hypoglykämie

Unter einer Hypoglykämie versteht man das Vorliegen von zu wenig Zucker im Blut. Normalerweise wird die Menge an Zucker im Blut in engen Grenzen gehalten. Dies kann im speziellen bei Diabetikern unter Insulintherapie aus dem Gleichgewicht geraten, aber auch bei gesunden Personen ist eine Veränderung vorstellbar. Wird jetzt am Abend zuvor zu viel Insulin gespritzt, kann dies in der Nacht unbemerkt zu einer zu geringen Zuckermenge im Blut führen.

Der Körper reagiert darauf mit einer gesteigerten Ausschüttung von Katecholaminen, welche einerseits Reservezucker aus der Leber abbauen und den Fettstoffwechsel zur Energiegewinnung aktivieren, andererseits wird auch der Blutdruck erhöht und der Puls beschleunigt. Dies kann so weit gehen, dass die betroffene Person schweißgebadet mit stark beschleunigtem Puls aufwacht und unbedingt etwas kohlenhydratreiches essen muss, um den Zuckerspiegel wieder zu normalisieren.

Medikamente als Auslöser für Herzrasen nach dem Aufstehen

Alle Medikamente, welche zur Senkung eines erhöhten Blutdrucks eingesetzt werden (Antihypertensiva) sind in der Lage bei zu hoher Dosierung den Blutdruck zu weit abzusenken. In der Regel ist auch der Blutdruck einer tageszeitlichen Schwankung unterworfen und erreicht in den meisten Fällen in der Früh den maximalen Wert. Dies kann bei sonst sehr guter Einstellung eine starke Belastung für den Körper darstellen und sich in einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall zeigen. Um dieses Risiko bestmöglich zu minimieren, kann der Arzt die blutdrucksenkenden Medikamente auch abends vorordnen, um vor allem den morgendlichen Anstieg der Werte zu unterdrücken.

Wird die Dosis herbei zu hoch gewählt oder reagiert der Körper auf die abendliche Gabe sehr empfindlich, dann kann dies zu niedrige Blutdruckwerte zur Folge haben. Zu niedrige Blutdruckwerte sind ein Alarmsignal für den Körper. Er produziert Katecholamine, um den Blutdruck wieder zu erhöhen und die normale Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Damit einhergehend steigt auch die Herzfrequenz an. Dies kann durchaus unbemerkt bleiben oder zu einer Weckreaktion führen, welche die Person aus dem Schlaf reist.

Wechseljahre

In den Wechseljahren kommt es bekanntlich zu einem Rückgang der Hormonproduktion. Dieses Phänomen ist besonders bei Frauen sehr stark ausgeprägt. Hier ist die körpereigene Produktion von Östrogen betroffen. Dieser Rückgang hat neben nachteiligen Effekten auf die Haut, den Knochen und die Psyche auch körperliche Nebenwirkungen. So kann es in der Nacht zu Atembeschwerden, Schwindel, Schweißausbrüchen und Herzrasen kommen, wodurch die Betroffenen unvermittelt aus dem Schlaf geholt werden.

herzrasen wechseljahre
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Diese Beschwerden sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt und können von kaum merkbar bis hin zu einer starken körperlichen und psychischen Beeinträchtigung reichen. Eine frauenärztliche Abklärung bei besonders einschränkenden Symptomen ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Stress als Ursache

Ebenfalls als Ursache kommt Stress in Betracht. Stress ist ein natürlicher Begleiter im menschlichen Leben und nicht zwingend mit negativen Reaktionen verbunden. „Gesunder Stress“ fördert das körpereigene Immunsystem und stärkt Körper und Geist. Schlecht wird Stress erst, wenn zu viel davon auf den Körper einströmt. Im schlimmsten Fall kann das in Depressionen, Burnout und geistiger Erschöpfung enden. Zu den fühlbaren körperlichen Reaktionen gehört gleichermaßen eine beschleunigte Herzfrequenz.

Paroxysmale Tachykardie

Paroxysmal bedeutet so viel wie „anfallsweise auftretend“. Es gibt viele verschiedene Krankheiten und Symptome, die mangels ursächlichen Nachweis als paroxysmal bezeichnet werden. Auch wenn insgesamt sehr selten, ist die paroxysmale Tachykardie, also die anfallsweise auftretende erhöhte Herzfrequenz, ebenfalls Teil dieses Erkrankungsspektrums. Hier kann in der Früh, aber ebenso tagsüber für kurze Zeiträume ein stark erhöhter Puls gemessen werden, dessen genaue Ursache nicht immer bekannt ist. Mehr oder wenige häufig wird ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom diagnostiziert, eine spezielle Form von Herzrhythmusstörung, bei welcher es zu einer kreisenden Erregung des elektrischen Potentials kommt, mit der Folge eines erhöhten Pulses.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine häufig beobachtete Erkrankung des Herzens, welche unbehandelt mit einem erhöhten Risiko für Thrombusbildung einhergeht. Diese Thromben, welche sich im Herzen durch das Vorhofflimmern bilden, können über die Arterien in den Körper gelangen und dort lebensnotwendige Gefäße verstopfen. Dies kann unter anderem zu einem Schlaganfall führen, wenn dieses Gerinnsel in den Kopf gelangt. Aus diesem Grund wird dem begegnet, indem man das Blut stärker verdünnt und damit die Wahrscheinlich einer Thrombusbildung erniedrigt. Es kann sein, dass ansonsten gesunde Menschen, insbesondere im höheren Alter, frühmorgens Herzrasen haben, welches durch ein Vorhofflimmern verursacht wird.

Herzrasen nach dem Aufwachen: Unser Fazit

Ein frühmorgendliches Herzrasen kann die unterschiedlichsten Gründe haben, ist in der Regel aber harmlos und kein Grund zur Sorge. Neben hormonellen Veränderungen, sind Unterzuckerungen, Medikamente und Herzrhythmusstörungen als Ursache bekannt. Allerdings kommen auch psychische Erkrankungen, wie Angststörungen in Frage. Sollte das Herzrasen wiederholt ohne ersichtlichen Grund auftreten, dann ist eine ärztliche Abklärung auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Der Arzt wird dann ein EKG ableiten, welches vor allem lebensbedrohliche oder potentiell gefährliche Ursachen des Herzens sicher ausschließt. Dazu gehören in erster Linie erwähnte Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern.

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