Gesundheit & Medizin

Hummus in der Schwangerschaft: Ist das erlaubt?

hummus in der schwangerschaft essen
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Hummus ist ein orientalisches Gericht aus pürierten Kichererbsen. Wer es nicht selbst zubereiten möchte, kann fertigen Hummus aus dem Kühlregal kaufen. Kichererbsen enthalten sehr viel natürliches Östrogen. Das kann bei schwangeren Frauen Fragen aufwerfen. Außerdem warnen manche Quellen vor Listerien in Hummus-Fertigprodukten.

Hummus in der Schwangerschaft essen: Grundlegende Informationen

Das hebräische Wort „Hummus“ bedeutet schlicht „Kichererbse“. Kichererbsen sind Hülsenfrüchte, die besonders im mediterranen und orientalischen Raum häufig verzehrt werden. Doch auch bei uns sind Kichererbsen schon lange Teil der schmackhaften und gesundheitsbewussten Küche. Für die Zubereitung von Hummus werden getrocknete Kichererbsen eingeweicht und dann weich gekocht. Ähnlich wie Kartoffeln werden die sämigen Früchte anschließend zu einem weichen Brei püriert.

Damit der Hummus richtig fein und lecker ist, müssen die äußeren Hüllen nach dem Kochen und vor dem Pürieren von den Kichererbsen entfernt werden. Wer Hummus selbst zubereitet und diesen Arbeitsschritt sparen möchte, kann von vornherein geschälte Kichererbsen aus dem Glas, der Dose oder dem Tetrapak verwenden. Der Brei wird traditionell und regional verschiedenen mit weiteren Zutaten verrührt, gewürzt und verfeinert: Das Sesammus „Tahina“ ist fast schon ein Muss im Hummus, dazu kommen Olivenöl und Zitronensaft in beliebigen Anteilen. Als Würzmittel dienen Salz, Pfeffer, Knoblauch, Kreuzkümmel, Petersilie, Paprikapulver oder Chili. Wer möchte, kann seinem Hummus auch noch etwas Joghurt oder Quark unterrühren.

hummus mit petersilie
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Wie ist das mit dem Östrogen und Kichererbsen?

Spätestens seitdem der Charakter Samantha im Kinofilm „Sex and the City 2“ jede Menge Hummus verzehrt hat, um ihrem Östrogenspiegel und der Libido auf die Sprünge zu helfen, wissen fast alle Frauen: Kichererbsen enthalten viel natürliches Östrogen! Tatsächlich enthalten sehr viele Pflanzen Substanzen, die dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähneln. Diese als Phytoöstrogene bezeichneten Substanzen schaden dem weiblichen Körper aber nicht. Im Gegenteil: In vielen Studien fanden Forscher heraus, dass Phytoöstrogene sogar eine antioxidative und damit zellschützende Wirkung haben. Außerdem kann der Verzehr pflanzlicher Hormone den natürlichen menschlichen Hormonhaushalt ausgleichen.

Neben Kichererbsen enthalten diese Lebensmittel sehr viel pflanzliches Östrogen:

  • Soja
  • Trockenobst
  • Rotklee
  • Sesam
  • Leinsamen
  • Cantaloupe Melone
  • Alfalfasprossen
  • Brokkoli
  • Zwiebeln und Knoblauch

In Hummus steckt durch die Kombination aus Kichererbsen, Sesam und Knoblauch also gleich eine Extraportion Phytoöstrogen.

Schaden Phytoöstrogen in der Schwangerschaft?

Nein, die pflanzlichen Hormone haben eine ganz entscheidende Eigenschaft: Sie wirken sich ausschließlich positiv aus. Das bedeutet, dass der Körper von Schwangeren oder auch von Männern nur so viel pflanzliches Östrogen aufnimmt und verwertet, wie ihm guttut. Würde sich das Östrogen im Hummus massiv verändernd auf den Körper auswirken, hätten die meisten Araber oder Israelis keine Bärte mehr und hohe Stimmen. Im arabischen Raum wird Hummus nämlich in sehr großen Mengen verzehrt und fast zu jeder Mahlzeit als Vorspeise oder Beilage gereicht.

Genauso ist das mit dem Körper von schwangeren Frauen. Kann der etwas pflanzliches Östrogen oder die antioxidative Wirkung brauchen, nimmt er sich beides. Überschüsse scheidet der Organismus einfach aus. Hier wirken sich Phytoöstrogene ganz anders aus als Östrogen, das in der Tiermast verwendet wird und dann über das Fleisch in den menschlichen Organismus gelangt. Frauen mit Kinderwunsch und unregelmäßigem Zyklus sollen sogar Phytoöstrogene verzehrten, um den Hormonhaushalt zu balancieren.

schwangere frau isst salat
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Droht bei abgepacktem Hummus aus dem Kühlregal in der Schwangerschaft Listeriengefahr?

Viel heftiger als in Hinsicht auf Östrogen wird Hummus in manchen Schwangerschafts-Foren aufgrund der Listerien diskutiert. Listerien sind Bakterien, die praktisch überall vorkommen. Besonders häufig findet man sie am Ursprung unserer Nahrung, also in der Landwirtschaft. Lebensmittel und Rohstoffe werden aufgrund der möglichen Gefahr einer Bakterienbelastung mehrfach gereinigt, stets gekühlt und in sterilen Umgebungen produziert und abgepackt. Trotzdem findet man immer noch Listerien auf Lebensmitteln, die sich im Handel befinden:

  • Rohmilchprodukte
  • Weichkäse auch aus pasteurisierter Milch
  • viele Wurstsorten (Met, Tatar, Carpaccio, Salami oder Teewurst)
  • rohe Fleischwaren aller Art
  • generell roher Fisch (auch als Sushi)
  • ungewaschenes Obst und Gemüse.

Daneben tummeln sich bei Stichproben in Supermärkten gerne Listerien auf Verpackungen, an Folien, Frischhaltewannen usw. Auf der Packung eines Fertigproduktes aus dem Kühlregal können sich Listerien befinden, sie müssen es aber nicht. Einmal mehr werden einzelne Funde von Bakterien auf Packungen in Supermärkten zu einer Art Listerien-Pandemie aufgebauscht. Die Realität sieht aber weit harmloser aus, als die Schreckgeschichten, die im Netz verbreitet werden.

Listerien vermeiden in der Schwangerschaft

Einem erwachsenen Menschen können Listerien in der Regel nichts anhaben. Wer eine einzelne oder ein paar Listerien irgendwo mit einkauft, muss sich auch nicht gleich eine Infektion (Listeriose) zuziehen. Das passiert erst dann, wenn sich die Bakterien enorm vermehren. Werden belastete Packungen lang im Kühlschrank aufbewahrt, passiert genau das: Die Bakterien vermehren sich mitunter schlagartig. Geöffnete Packungen sind ein gefundenes Fressen und ein Tummelplatz für Keime aller Art.

weichkäse
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Dann kann es tatsächlich zu einer Listeriose kommen. Die schwangere Frau wird von der Listeriose unter Umständen gar nicht viel bemerken. Gehen die Bakterien auf den Fötus über drohen allerdings schwere Schäden bis hin zum Abort. Obwohl Listerien und Listeriose in der Schwangerschaft heftig diskutiert und gefürchtet sind, betrifft es realistisch nur zwei von tausend Frauen. Um jegliche Art der Gefährdung zu vermeiden, helfen zwei ganz einfache Maßnahmen:

  • Sofort ganz verzehren

Fertige Hummus-Produkte sollten nach dem Öffnen der Packung möglichst gleich beziehungsweise an einem Tag verzehrt werden.

  • Hummus erhitzen

Werden Speisen über einen Zeitraum von mindestens fünf bis zehn Minuten bei durchgehende 65 °C erhitzt, sind alle Listerien sicher abgetötet. Den Hummus vor dem Verzehr einzufrieren hilft nichts. Listerien sind bis weit über die üblichen Gefrierschrank-Temperaturen hinaus resistent gegen Kälte.

Ist Hummus in der Schwangerschaft erlaubt? Unser Fazit

Ja, schwangere Frauen dürfen Hummus verzehren. Die enthaltenen Phytoöstrogene können sich sogar balancierend auf den Hormonhaushalt der Frau auswirken. Die antioxidative Wirkung bekommt sicher Mutter und Kind gleichermaßen gut. Vor Listerien brauchen sich Frauen bei Fertigprodukten nicht zu fürchten, wenn der Hummus binnen eines Tages aufgebraucht und/oder vor dem Verzehr erhitzt wurde.