Gesundheit & Medizin

Serrano Schinken in der Schwangerschaft: Ist das erlaubt?

Serrano Schinken
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Schwangere Frauen müssen mit diversen Fleisch- und Wurstwaren vorsichtig sein. Durch die Herstellung können die Produkte eine erhöhte Keim- und Infektionsgefahr mit sich bringen. In diesem Zusammenhang wird häufig auch vor dem Serrano Schinken gewarnt. Doch ist er in der Schwangerschaft völlig tabu oder sind kleine Mengen erlaubt?

Der Verzehr von Serrano Schinken in der Schwangerschaft: Grundlegende Informationen

Serrano Schinken wird aus dem Hinterschinken von ganz normalen Hausschweinen hergestellt. Der rohe Schinken wird einige Tage in Salz eingelegt und trocknet dann mindestens ein Jahr lang an der Luft. Während dieser Reifezeit entwickelt der Serrano Schinken seine typische Struktur und den aromatischen Geschmack. Bis heute wird die spanische Spezialität von kleinen Bauernhöfen oder Schweinezüchtern in liebevoller Handarbeit hergestellt.

Die Konservierung durch Salz und Trocknung war in den mediterranen Regionen lange Zeit, die einzige Möglichkeit, Fleisch über längere Zeit genießbar zu halten. Aus dem einst praktischen Verfahren hat sich heute eine begehrte Delikatesse entwickelt. Der „Jamón Serrano“ gehört heute zu den teuersten Schinken-Spezialitäten und nur der echte Schinken aus Spanien darf in den Ladentheken so genannt werden.

Ohne schlechtes Gewissen schlemmen?

Wie die Herstellungsart zeigt, erfährt das Fleisch keine Erhitzung. Das Frischfleisch wird durch das Salzbad und die Trocknung haltbar gemacht. Das Salz durchzieht während der einjährigen Trocknungsphase das ganze Fleisch. Nebenher verliert das Fleisch immer mehr Flüssigkeit. Auf diese Weise haben Keime wenig Chancen zu überleben – auch wenn der Schinken nicht erhitzt wurde. Trotzdem waren viele einschlägige Foren und Seiten vor dem Verzehr von Serrano Schinken in der Schwangerschaft, weil er angeblich wie Rohfleisch betrachtet werden müsse. Doch Serrano Schinken ist am Ende seiner Trocknungs- und Reifezeit praktisch keimfrei.

italienischer rohschinken
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Durch den hohen Salzgehalt und den niedrigen Flüssigkeitsgehalt setzen sich neue Bakterien auch nicht so leicht fest, wie auf feuchteren Wurstsorten. Den Serrano Schinken als gefährlich oder ungenießbar für Schwangere einzuschätzen, wäre daher falsch. In Fachkreisen spricht vom davon, dass von Räucher- und Pökelwaren ein leicht erhöhtes Risiko ausgeht. Oder, um es anders auszudrücken: Es wird empfohlen lieber gekochte bzw. erhitzte Wurstsorten zu verzehren, da diese etwas sicherer sind.

Hat eine schwangere Frau keine Probleme damit, auf Wurstwaren wie Serrano Schinken oder Salami zu verzichten, muss sie solche Dinge auch nicht essen. Hat eine Schwangere dagegen Heißhunger und leidet unter dem Verlust dieser Leckereien, sind sie durchaus erlaubt, wenn gewisse Regeln eingehalten werden.

Serrano Schinken in der Schwangerschaft? Ja, aber sicher!

Um die Keimgefahr gering zu halten, gilt für den Verzehr von Serrano Schinken in der Schwangerschaft:

  • nur kleine Mengen frisch verzehren
  • nicht lange im Kühlschrank aufbewahren
  • nur zu Schinken aus fest verschlossenen (verschweißten) Packungen greifen
  • das Produkt nur aus zuverlässigen Quellen kaufen.

Nascht eine werdende Mutti hier und da etwas Serrano Schinken, steht dem im Grunde also nichts im Wege. Allerdings entsteht immer ein gewisses erhöhtes Risiko bei langer Lagerung frischer Lebensmittel. Egal, ob Rohschinken, Kochschinken oder offener Joghurtbecher. Was länger im Kühlschrank steht, ist eine Einladung an Keime und Bakterien. Produkte wie Serrano Schinken oder auch eine Salami sollte daher auf einen Schlag und frisch aus der Packung aufgebraucht werden.

Sind gekochte Wurstwaren wirklich sicherer?

Ja, Produkte wie Kochschinken, Mortadella, Leberkäse und Lyoner gelten statistisch als etwas sicherer, weil sie aus gegartem Fleisch hergestellt werden. Allerdings gilt auch für diese Produkte: Wenn sie lange offen herumstehen, werden sie zur Keimgefahr. Die größte Keim- und Infektionsgefahr geht in der Schwangerschaft von rohen oder halbgaren Fleisch- oder Fischprodukten wie rohen Hackfleischgerichten, Tartar, blutiges Steak oder Sushi aus. Trotzdem müssen Schwangere sich auch hier klar sein, dass diese Lebensmittel keine Keimbomben sind. Sonst könnten sie ja auch nicht von anderen Menschen verzehrt oder in Umlauf gebracht werden.

Keime in der Schwangerschaft: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Erreger wie Listerien, Salmonellen oder Coli-Bakterien kommen praktisch überall in unserem Umfeld vor. Einer gesunder Mensch hat mit einer gewissen Anzahl an Keimen kein Problem. Immunschwache Menschen, alte Leute oder Schwangere können besonders anfällig sein. Dann reichen schon kleinere Mengen an Bakterien, um Infektionen auszulösen. Am gefürchtetsten ist der Erreger Toxolasma Gondii, der über Katzenkot (auf Weiden oder Feldern) in Lebensmittel gelangen kann. Viele Erwachsene haben im Laufe ihres Lebens schon eine Toxoplasmose erlebt.

fleisch und fisch in der schwangerschaft
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Oft verläuft die Krankheit ohne größere Beschwerden oder wird mit einer leichten Grippe oder Magenverstimmung verwechselt. Ist das der Fall, hat eine Schwangere bereits Antikörper entwickelt (Test beim Frauenarzt möglich). Listerien und Salmonellen lösen bei Immunschwachen ebenfalls Symptome einer Grippe mit Magen-Darm-Problemen aus. Manchmal kommt noch Erbrechen dazu. Salmonellen können nicht auf das Baby übergehen, Listerien dagegen schon. Der Fötus kann aber auch indirekt durch eine Krankheit der Mutter gestresst und geschädigt werden.

Toxoplasmose kommt statistisch bei 0,25 % der Schwangerschaften in Deutschland vor. Das entspricht 1500 Kindern unter etwa 600.000 Geburten. Woher der Erreger stammte, ist im Nachhinein oft nur schwer nachvollziehbar. Bei der Listeriose sind nur 0,2 % der Schwangeren betroffen und bei der Salmonellenvergiftung liegt der Wert sogar noch etwas niedriger. Wer insgesamt anfällig ist oder sich in einer Risikoschwangerschaft befindet, sollte natürlich immer mehr Vorsicht und Hygiene walten lassen.

Serrano Schinken in der Schwangerschaft: Unser Fazit

Gepökelte und getrocknete Wurstwaren stellen eine Zwischengruppe dar. Man kann sie nicht ausdrücklich empfehlen, aber auch nicht verbieten. Obwohl sie aus rohem Fleisch hergestellt und anschließend nicht gegart werden, ist die Haltbarmachung durch Salz und Trocknung relativ sicher. Schwangere sollten, wenn sie Heißhunger oder Lust auf dieses Produkt haben, allerdings nur zu eingeschweißten Waren greifen und den Packungsinhalt nach dem Öffnen sofort vollständig verzehren.