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Partner mit Borderline: Trennung und totaler Kontaktabbruch

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Eine der mittlerweile in der Gesellschaft immer häufiger vorkommenden psychischen Erkrankungen ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Diese zählt zu den schwerwiegenderen Erkrankungen und zeigt sich in einer instabilen Persönlichkeit des Betroffenen. Wie verhält sich der Betroffene? Wie ist die Erkrankung zu begründen? Was bedeutet eine Borderline Erkrankung für dessen Beziehung? Diese Fragen stellen sich Angehörige oft, da der Umgang mit einem Borderliner sich für diese meist als sehr schwierig und konfliktbehaftet gestaltet.

Borderline: Warum eine Trennung mit striktem Kontaktabbruch sinnvoll ist

Insgesamt handelt es sich bei dieser Erkrankung laut dem Begriff wortwörtlich um eine Störung in der Persönlichkeit, die sehr tiefgreifend ist, nur schwer behandelbar ist und Auswirkungen auf viele soziale Beziehungen und Kontakte des Betroffenen haben. Zurückzuführen ist die Erkrankung oft auf das frühe Kindesalter und die Bindung zu Vertrauenspersonen, die meist instabil und problematisch war. Enge Bezugspersonen wurden als vertraulich und gleichzeitig gefährlich wahrgenommen, von ihnen ging eine Bedrohung bzw. Traumatisierung aus oder Missbrauch und Vernachlässigung waren einst Thema.

Viele Beziehungen, die dann in Kindes- und Jugendalter folgten, waren nur von kurzer Dauer und der Betroffene konnte nie engere Kontakte aufrechthalten, was sich in seiner Persönlichkeit gefestigt hat und auch im hohen Erwachsenenalter immer präsent ist. Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung suchen einerseits immer nach Anerkennung und dem Gefühl nach Geborgenheit. Sie fühlen sehr intensiv und benötigen ein hohes Maß an Bestätigung, was sie oft früher nicht bekommen haben.

paar streitet sich
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Andererseits wird das intensive Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen im Anschluss wieder als Bedrohung wahrgenommen und die Betroffenen wirken dieser mit aggressiven, konfliktbehafteten Methoden entgegen, um sich von dieser ambivalenten Person wieder selbst zu lösen. Ist dieser Prozess dann jedoch geschafft, hält es ein Borderliner nicht lange alleine aus und hofft wieder auf Zuspruch und Anerkennung des Gegenübers. Insgesamt ist demnach Kontakt zu einem Borderliner dauerhaft sehr schwankend und dieser Status kann sich innerhalb kürzester Zeit wieder verändern.

Die Partnerschaft mit einem Betroffenen der Borderline Persönlichkeitsstörung

Vor allem in der Partnerschaft stellt das Verhalten den Partner des Borderline Betroffenen vor eine große Herausforderung, die es vorrangig erfordert, sich in Konflikten gut abgrenzen zu können. Harmonie ist mit einem Borderliner oft sehr schwer herstellbar und meist von kurzer Dauer. Der Betroffene ist in der Partnerschaft sehr schnell gekränkt, beleidigt oder droht mit Kontaktabbrüchen, da sich seiner Meinung nach der Partner in vielen Bereichen falsch verhalten würde. Schuldzuweisungen werden meist auf den Partner gelenkt, da der Betroffene die Bedrohung akut von außen wahrnimmt und alles dafür tut, dies auch offen mitzuteilen.

Schnell folgt nach der Kränkung impulsives Verhalten, welches ohne Bedacht und ohne Rücksicht auf Verluste als Folge der Kränkung ausgeübt wird. Die Beziehung wird infrage gestellt und oft droht der Betroffene sogar mit einem Kontaktabbruch oder führt diesen für einige Zeit sogar durch. Instinktiv entschuldigt sich der Partner dann meistens, da der Borderliner sehr manipulativ in seinen Argumentationen vorgeht und den Konflikt so auslegt, dass nur der andere Schuld gewesen sein kann.

Es folgt spätestens nach der Entschuldigung des Partners wieder eine Versöhnung. Oft melden sich auch die Betroffenen wieder bei ihrem Partner, weil sie Nähe und Zuneigung vermissen und sich nach Geborgenheit einer vertrauten Basis sehnen. Sowohl das Gefühl des Verlassenwerdens als auch das Gefühl, zu viel Nähe zuzulassen, sind für Borderliner fast unerträgliche Zustände, denen sich aktiv mit impulsiven Handlungen entgegenwirken müssen, jedoch fast nie eine ausgeglichene Balance zwischen beiden Extremen finden können.

Der strikte Kontaktabbruch als Strategie für die Trennung

Insgesamt macht ein Borderliner auch im zunehmenden Alter immer wieder die Erfahrung mit Kontaktabbrüchen, was mehr und mehr sich wiederholende Muster annimmt. Starke Bindungen und Kontakte sind sehr unüblich und können auch in Partnerschaften nicht dauerhaft ausgehalten werden. Viele Borderliner schildern sogar, dass sie es meist nicht länger als ein Jahr mit einem Partner aushalten und dann eine strikte Trennung vollziehen müssen, um mit dem starken innerlichen Druck sowie allen Ängsten klarkommen zu können.

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Der Großteil davon berichtet von Verhaltensweisen des Partners, die nicht hingenommen werden können (als bedrohlich erlebt wurden) und stark dafür sprechen, nicht länger in einer Partnerschaft leben zu können. Dementsprechend erleben Partner eines Borderline Betroffenen die Beziehung als sehr intensiv durch viele Höhen, aber auch gleichzeitig vielen Konflikten und Tiefen. Auch im sonstigen Umfeld eines Borderliners gehören Kontaktabbrüche zum Alltag, sei es im Beruf, in der Familie oder sonstigem sozialen Umfeld.

Es wird sogar teils die Redewendung „wenn er geht, dann mit Pauken und Trompeten“ verwendet, was für den konfliktbehafteten Beziehungsabbruch steht, der in der Regel auch mit heftigem Streit und verbalen Entgleisungen oder unangebrachten Beschuldigungen einhergeht. Nur teilweise zeigt der Borderliner im Anschluss eine Einsicht, dass er einen Fehler gemacht hat und entschuldigt sich manchmal sehr herzlich bzw. versucht alles dafür zu tun, den Kontakt wieder herzustellen. Meistens werden nach einem Kontaktabbruch im allgemeinen sozialen Umfeld jedoch auch weiterhin die vorhergegangenen Kontakte als bedrohlich und schuldig am Konflikt angesehen und das Problem bleibt ungeklärt.

Selbstverletzendes Verhalten in der Partnerschaft

Nicht untypisch für einen Betroffenen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung ist das selbstverletzende Verhalten. Meist kann der innere Druck eines Borderliners nicht alleine bewältigt werden, da in der gesamten Kindheit sowie im Jugendalter kaum geeignete Strategien zur Konfliktbewältigung erlernt wurden. Der Borderliner kann demnach in Stresssituationen mit hohem Stresslevel dieses nicht mit konstruktiven Methoden herunterregulieren und schafft dies meist nur mit selbstverletzendem Verhalten. Dies zeigt ebenfalls auf, dass der innere Leidensdruck dauerhaft enorm hoch ist und auch durch andere Begleiterkrankungen weiter begünstigt wird.

partner mit borderline
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Der Griff zur Flasche, ein erhöhtes Aggressionslevel, das Zufügen von körperlichem Schmerz und auch die Trennung von der bedrohlichen Person (in diesem Falle der Partner) sind häufige Methoden, die vom Borderliner genutzt werden, um sein Leid zumindest kurzzeitig zu mindern. Oft ziehen jedoch diese konfliktbehafteten Strategien weitere Probleme mit sich, die dann wiederum neuen Ärger und Probleme für den Betroffenen und den Partner mit sich ziehen.

Totaler Kontaktabbruch ist sinnvoll: Trennung und Überlebensstrategie eines Boderliners

Wie im Artikel sehr deutlich wurde, ist die Borderline Persönlichkeitsstörung eine so tiefgreifende psychische Erkrankung, dass sie auch viele schwerwiegende Folgen innerhalb einer Partnerschaft mit sich bringt. Die Beziehung befindet sich dauerhaft auf einem sehr schmalen Grad zwischen schönen, zweisamen Momenten und zermürbenden, plötzlichen Konflikten, die sich immer wieder auch in einer Trennung sowie vollkommenen Kontaktabbruch äußern können.

Diesen Höhen und Tiefen sollte man sich als Partner bewusst sein und sich regelmäßig bewusst machen, dass man selbst nicht die Ursache für die Streitsituationen ist, sondern der Umgang des Betroffenen mit seiner Erkrankung. Denn insgesamt ist die Methode des Kontaktabbruchs eine Überlebensstrategie für den Borderliner, mit der er seinen inneren Leidensdruck versucht zu minimieren. Schritt für Schritt kann man jedoch versuchen, einfühlsam auf ihn einzugehen und ihm ein positives Gefühl von Bindung vermitteln, was jedoch insgesamt sehr schwierig für diesen anzunehmen ist.