Gesundheit & Medizin

Handgelenk tapen: Schritt-für-Schritt Anleitung zum Selbermachen

Handgelenk tapen
sunlight19/shutterstock.com

Das Handgelenk wird bei fast jeder Tätigkeit belastet, sei es im Berufsleben oder in der Freizeit. Ein Gelenk, das häufig beansprucht wird, ist dementsprechend anfälliger für Verschleiß, Entzündungen und Verletzungen. Besonders Sportlern und Menschen, die viel schreiben müssen, kann das Handgelenk Probleme bereiten. Liegt bereits eine gewisse Instabilität des Gelenks vor, kann es sinnvoll sein, einen Tapeverband anzulegen. Hierbei gilt es jedoch einiges zu beachten.

Handgelenk tapen: Grundlegende Informationen

Das Handgelenk setzt sich aus mehreren Teilgelenken zusammen. Wenn vom menschlichen Handgelenk die Rede ist, so ist meistens das Gelenk zwischen Speiche und Handwurzelknochen damit gemeint. Auch das Gelenk, das sich zwischen den beiden Reihen der Handwurzelknochen befindet, zählt dazu. Die übrigen Gelenke der Handwurzel, welche nur über einen geringen Bewegungsradius verfügen, werden häufig ebenfalls grob unter dem Oberbegriff Handgelenk zusammengefasst.

Wann macht das Tapen des Handgelenks Sinn?

Konventionelle Tapeverbände sind vielseitig einsetzbar. Die sogenannten Kinesio-Tapestreifen, auf deren Besonderheit später noch gesondert eingegangen wird, erfreuen sich vor allem bei Sportlern großer Beliebtheit. Sowohl herkömmliche Tapeverbände als auch Kinesio-Tapestreifen sollen Sehnen und Bänder sowie Muskeln und Gelenke stabilisieren und vor Überlastung schützen. Das Anlegen eines Tapeverbands am Handgelenk kann Schlimmeres vermeiden, wenn bereits eine leichte Verletzung oder Entzündung vorliegt. Durch die Stabilisation wird das Gelenk vor weiterer Überlastung geschützt, sodass sich der Zustand nicht verschlechtert. Weiterh

in macht ein Tapeverband auch als Prophylaxe Sinn, wenn man das Handgelenk bewusst einer wahrscheinlichen Überbelastung aussetzt. Dies gilt vor allem für manche Sportarten, bei denen das Handgelenk großen Krafteinwirkungen ausgesetzt ist (z. B. Volleyball oder Badminton). Doch nicht nur Sportler können von einem Tapeverband am Handgelenk profitieren. Büroangestellte, die stundenlang am Computer schreiben müssen, sind oftmals anfällig für eine Sehnenscheidenentzündung. In diesem Fall kann das Arbeiten zur Qual werden. Ein Tapeverband kann Abhilfe schaffen und zur Heilung beitragen. Auch bei Arthrose kann ein Tapeverband helfen.

Welche weiteren Gründe gibt es für das Tapen des Handgelenks?

Manchmal dient ein Tapeverband auch als Erste-Hilfe-Maßnahme im Falle von Verstauchungen, Frakturen oder einem Bänderriss. Der Tapeverband eignet sich zur Erstversorgung, da er das Handgelenk zuverlässig ruhigstellt. Auch im Rehabilitationsprozess nach einer Verletzung kann das Tapen des Handgelenks von großem Nutzen sein. Durch die Stützfunktion wird der Heilungsprozess der verletzten Sehnen und Muskeln angeregt. Alltägliche und sportliche Belastungen können langsam wieder aufgenommen werden, ohne dass die Gefahr besteht, dass es zu einem Rückfall kommt.

kinesio taping
Diego Cervo/shutterstock.com

Was ist das Besondere an einem Kinesio-Tapeverband?

Kinesiotapes weisen gegenüber herkömmlichen Tapeverbänden einige entscheidende Vorteile auf. Zum Einen sind sie besonders atmungsaktiv und dehnbar. Durch ihre Elastizität machen sie eine aktive Bewegung des Handgelenks möglich. Dennoch ist der Schutz vor Überlastung gewährleistet. Durch ihre Rückstellkräfte ziehen sich Kinesiotapes rasch wieder zusammen. Darüber hinaus werden die unter dem Tape befindlichen Muskeln und Gelenke sanft massiert, was die Durchblutung anregt. Letzteres beschleunigt den Heilungsprozess. Ein korrekt angelegter Kinesio-Tapeverband dämpft außerdem die Schmerzen, sodass den üblichen Tätigkeiten wie gewohnt nachgegangen werden kann.

Dies ist besonders für Sportler wichtig. Wochenlanges Pausieren aufgrund einer Verletzung führt schnell zum Muskelabbau, was natürlich unerwünscht ist. Durch einen Kinesio-Tapeverband werden sogar die Muskeln im verletzten Handgelenk mit trainiert, sodass es auch lokal zu keinem Abbau der Muskulatur kommt. In vielen Sportarten wie Handball, Volleyball oder Basketball ist maximale Kraft im Handgelenk gefragt. Ein korrekt angelegter Kinesio-Tapeverband bringt keine gesundheitlichen Nachteile mit sich. Er kann in Absprache mit dem Arzt über einen beliebig langen Zeitraum verwendet werden.

Was sollte beim Sport mit getaptem Handgelenk beachtet werden?

Ist das Handgelenk mit einem Tapeverband versorgt, kann – wie bereits erwähnt – jeder beliebige Sport ausgeübt werden. Jedoch gilt es darauf zu achten, den Tapeverband so anzulegen, dass er zwar das Handgelenk stützt, aber dennoch genügend Bewegungsfreiheit ermöglicht. Nach einer schwereren Verletzung sorgt ein Tapeverband für eine kürzere Rehabilitationszeit. Ob als vorbeugende Maßnahme oder aufgrund einer bereits vorhandenen Verletzung: Ein ordnungsgemäß angelegter Tapeverband bringt beim Sport nur Vorteile mit sich.

Wie legt man einen Tapeverband korrekt an?

Vor dem Anlegen des Tapeverbands sollte die Hautpartie rund um das Handgelenk gründlich gereinigt werden. Anschließend trocknet man die Stelle gut ab, damit sich unter dem Verband später keine unnötige Feuchtigkeit mehr befindet. Besonders für Männer gilt: Damit der Verband besser haftet, sollte eventuell eine Rasur am Handgelenk in Erwägung gezogen werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Klebestreifen vorzeitig lösen. Um mit dem Tapen zu beginnen, nimmt man ein Leukotape oder Kinesiologietape zur Hand.

Beides ist mittlerweile in nahezu jedem Drogeriemarkt sowie in Apotheken erhältlich. Weiterhin benötigt man eine Schere. Nicht jedes Handgelenk weist denselben Umfang auf. Von daher ist es nötig, die Tapestreifen passend zurecht zu schneiden. Möglicherweise kann es sich als etwas umständlich herausstellen, sich einen Tapeverband ohne Hilfe anzulegen. Es empfiehlt sich, eine zweite Person zu bitten, dabei zu assistieren.

Schritt-für-Schritt Anleitung

Als Erstes legt man die Ankerzügel an. An diese werden nachfolgendend weitere Stützstreifen mit Zug befestigt. Beim sogenannten Anker handelt es sich um die ersten beiden quer verklebten Tapestreifen, die später mit längsverlaufenden Klebestreifen verbunden werden. Der erste Anker wird ungefähr zwei Zentimeter über dem Handgelenk aufgeklebt. Er sollte den Arm ganz umschließen und fest anliegen. Der zweite Anker wird kurz vor dem Ansatz der Finger angebracht. Er sollte die Handinnenfläche und den Handrücken bedecken.

Danach werden die beiden Ankerstreifen mit längsverlaufenden Tapes verbunden. Hierbei beginnt man an der Daumenseite, wobei darauf zu achten ist, dass das Daumensattelgelenk einbezogen wird. In gleichmäßigem Abstand zum kleinen Finger bringt man nun weitere längsverlaufende Tapestreifen auf. Am kleinen Finger wird anschließend mit dem Aufkleben zwei diagonaler Tapestreifen begonnen. Der erste diagonale Streifen sollte sich über den Handrücken erstrecken und am Handgelenk an der Daumenseite sein Ende finden. Der zweite diagonale Tapestreifen überkreuzt den ersten. Die Handinnenfläche wird nun auf dieselbe Weise getaped wie der Handrücken.

Zum Schluss kommen weitere waagerecht angebrachte Tapestreifen zum Einsatz. Hand- und Handgelenk müssen vollständig bedeckt sein. Nur so wird das Handgelenk ausreichend stabilisiert. Ein Tapeverband sollte zwar fest anliegen, allerdings darf er die Blutversorgung nicht beeinträchtigen. Treten Taubheitsgefühle oder ein unangenehmes Kribbeln auf, muss der Verband abgenommen und noch einmal neu angelegt werden.

tape für hand
megaflopp/shutterstock.com

Einfache Alternativen

Obige Anleitung ist überaus komplex. Bei einer starken Beanspruchung oder Schmerzen gewährleistet diese Methode jedoch den besten Schutz. Soll der Tapeverband nur der Prophylaxe dienen, kommt man möglicherweise auch mit einem weniger aufwendigen Tapeverband aus. Es gibt Systeme, für die lediglich drei Klebestreifen benötigt werden. Die ersten beiden Streifen werden mittig über dem Handspalt aufgeklebt und treffen sich an den Enden, sodass das Handgelenk umschlossen wird. Der zweite Streifen wird auf dem Handrücken aufgeklebt und verläuft über die Streckmuskulatur auf der Unterarmaußenseite.

Darf man das Handgelenk im Falle einer Prellung tapen?

Prellungen sind häufig schmerzhafter als Knochenbrüche. Bei einer Fraktur kann das Tapen eine sinnvolle Erstversorgung darstellen. Doch wie verhält sich dies im Falle einer Prellung? Zu einer Prellung kommt es, wenn Weichteilstrukturen sowie Gefäße am Handgelenk eine Quetschung erleiden. Dies geschieht bei kurzen, heftigen Gewalteinwirkungen auf das Gelenk, z. B. bei Stürzen, bei denen man sich reflexartig mit den Händen abzufangen versucht. Auch bei Sportlern sind Prellungen ein häufiges Leidensthema. Schwillt das Handgelenk zusätzlich an und zeigen sich blaue Flecken, ist dies ein Indiz dafür, dass Blutgefäße verletzt worden sind.

Nach einer Prellung wird oftmals eine Schiene oder ein klassischer Verband angelegt, um das Handgelenk ruhig zu stellen. Doch auch ein Tapeverband kann effektive Linderung verschaffen. Diese Methode setzt sich mittlerweile immer stärker durch. Nach einer Prellung des Handgelenks sollte der Verband jedoch nicht zu fest angelegt werden. Eventuell später auftretende Schwellungen könnten ansonsten unangenehm einschnüren. Im Idealfall sollte man mit dem Anlegen des Tapeverbands warten, bis die gröbste Schwellung abgeklungen ist.

Außerdem muss sich die Hand beim Tapen in einer schmerzfreien Haltung befinden. Dies kann bei Prellungen manchmal eine wahre Herausforderung darstellen. Berücksicht man dies nicht, können unter Umständen dauerhafte Fehlhaltungen zurückbleiben. Ein ordnungsgemäß angelegter Tapeverband kann bei Prellungen am Handgelenk jedoch schmerzlindernd sein und die Heilung der verletzten Weichteile effektiv fördern.