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Meine Frau trinkt jeden Tag eine Flasche Wein: Wie verhalten?

frau mit flasche wein
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Der tägliche Konsum von Alkohol ist niemals gesund, aber ab wann wird es kritisch? Wir zeigen dir, was du beachten musst und wie du helfen kannst.

Wenn die Frau jeden Abend eine Flasche Wein trinkt: Ab welcher Menge wird es kritisch?

Alkohol wirkt sich auf Organe und Lebensbereiche höchst individuell und unterschiedlich aus. Daher ist eine allgemeine Definition der „richtigen Menge“ nicht immer einfach. Grundsätzlich wird empfohlen, an mindestens zwei Tagen nicht zu trinken. An den übrigen Tagen gilt, dass Frauen nicht mehr als 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken sollten. Das entspricht ungefähr einem kleinen Glas Wein. Für Männer gilt das Doppelte; Männer sollten also nicht mehr als 24 Gramm Alkohol am Tag konsumieren. Wenn deine Frau täglich eine Flasche Wein trinkt, solltest du dir tatsächlich Sorgen machen. Der Weg zum Alkoholmissbrauch ist nicht immer klar ersichtlich und verläuft mitunter schleichend.

Was steckt hinter Alkoholismus?

Hinter dem Alkoholismus verbirgt sich die Abhängigkeit nach Alkohol. Dabei ist die Krankheit tückisch und nicht gerade selten. In Deutschland gelten ca. 2,5 Millionen Menschen als alkoholkrank, wobei die Dunkelziffer hoch ist. Der Verlauf ist individuell, kann aber in vier Phasen eingeteilt werden.

Voralkoholische Phase

In dieser Phase wird der Alkohol zunächst gelegentlich und irgendwann täglich konsumiert. Oft wird dabei versucht, mit Hilfe des Alkohols Ängste oder Frust zu bekämpfen. Was anfangs noch gut funktioniert, ebbt mit der Zeit ab und sorgt für einen gesteigerten Konsum. Das sorgt für eine deutlich erhöhte Toleranzentwicklung. Um die gewünschte Entspannung zu erlangen, wird immer mehr Alkohol benötigt.

Anfangsphase

In der zweiten Phase steigert sich der Konsum immer weiter. Hierbei ist besonders charakteristisch, dass vom Betroffenen selbst Vorräte angelegt werden. Oft wird auch heimlich getrunken. Mitunter nehmen die betroffenen Personen ihren kritischen Konsum wahr, versuchen diese Gedanken aber mit Alkohol zu bekämpfen.

alkoholismus
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Kritische Phase

In diesem Stadium ist der Betroffene oft nicht mehr in der Lage, seinen Konsum selbstständig zu kontrollieren. Ihm gelingt es nicht mehr Beginn, Menge oder Ende des Trinkens frei zu bestimmen. Das wirkt sich oft auf das soziale Umfeld aus. Denn die Betroffenen sind meist nicht mehr in der Lage, Vereinbarungen einzuhalten oder ihre täglichen Arbeiten zu verrichten. Das führt zu Spannungen im familiären Umfeld und zu Problemen auf der Arbeit, die mehrheitlich mit dem vermehrten Konsum von Alkohol einhergehen.

Chronische Phase

Hier kommt es oft zu einem tagelang andauernden Konsum. Mitunter wird bereits am Morgen Alkohol konsumiert, um die Entzugserscheinungen zu minimieren. Spätestens hier stellen sich auch die ersten Begleiterkrankungen ein. So kann es zu einer Verminderung der Gedächtnisleistung kommen. Häufig sind die Betroffenen auch gereizt. Körperlich zeigen sich die ersten Schäden besonders oft in Form einer Leberzirrhose oder durch beginnende Nervenschäden.

Wie erkenne ich eine beginnende Alkoholabhängigkeit?

Bei jedem Betroffenen verläuft die Sucht unterschiedlich. Es kann zu deutlichen Schwankungen in der konsumierten Menge des jeweiligen Betroffenen kommen. Daher gibt es keine allgemeingültige Aussage, ab wann eine Alkoholabhängigkeit beginnt. Für eine Sucht gibt es allerdings 6 Kriterien.

  1. Der starke Wunsch oder der innere Zwang, Alkohol konsumieren zu müssen.
  2. Das fortschreitende Problem, den Beginn, das Ende und die Menge des Alkohols nicht mehr selbst steuern zu können.
  3. Vermehrt auftretende körperliche Entzugserscheinungen bei Alkoholverzicht. Erstes Anzeichen ist der beginnende Tremor (das charakteristische Zittern in den Händen) beim Weglassen von Alkohol.
  4. Steigende Toleranzentwicklung. Um einen Rausch zu erhalten, muss immer mehr Alkohol konsumiert werden.
  5. Aufgaben und Interessen werden vernachlässigt oder eingeschränkt, um Alkohol zu konsumieren oder sich von dem übermäßigen Genuss zu erholen.
  6. Es wird weiterhin Alkohol konsumiert, obwohl sich erste Folgen aufzeigen. Diese können sowohl sozialer, körperlicher oder psychischer Natur sein.

Dabei kann jedes der aufgezählten Anzeichen ein deutliches Warnzeichen darstellen. Wenn mindestens drei von den Anzeichen erfüllt sind, gilt der Betroffene als alkoholsüchtig.

frau trinkt wein
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Wie schlimm ist Alkoholismus?

Der Alkoholabusus ist eine tückische Krankheit, die jeden treffen kann. Denn entgegen manchen Meinungen handelt es sich hier um keine charakterliche Schwäche, sondern um eine ernstzunehmende Krankheit. Dabei sind sowohl die körperlichen als auch psychischen Schäden nicht zu unterschätzen. So kommt es neben der Leberzirrhose auch zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Herz-Kreislauf-Systems. Zudem ist bei einem krankhaften Alkoholkonsum das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen deutlich erhöht. Psychische Schäden beginnen oft zeitgleich zu den körperlichen. Dabei kommt es besonders häufig zu Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen und Angsterkrankungen.

Meine Frau trinkt jeden Tag eine Flasche Wein: Wie kann ich ihr helfen?

Selbstverständlich solltest du mit Verständnis an die Sache herangehen, das gilt allerdings nicht für Rückfälle. Denn diese sollten keinesfalls toleriert werden. Was sich leicht anhört, ist in der Praxis deutlich schwerer. Schließlich ist es nicht immer leicht, hilflos mitanzusehen, wie eine geliebte Person sich selbst schadet. Daher gilt es Hilfe anzubieten, aber keinesfalls den Betroffenen zu drängen. Oft fördert so ein Verhalten einzig Ablehnung zutage. Stattdessen sollte auf professionelle Hilfe zurückgegriffen werden. Fachleute raten zu folgendem Verhalten:

  1. Übernehme keine Aufgaben, die der Betroffene selbst übernehmen kann.
  2. In keinem Fall darfst du die Krankheit vertuschen. Der Betroffene muss sich über seine Situation selbst im Klaren sein.
  3. Versuche angekündigte Konsequenzen auch umzusetzen.
  4. Versuche dem Betroffenen mit gemeinsamen Aktivitäten zu einem aktiven Sozialleben außerhalb der Sucht zu verhelfen.
  5. Unterstütze den Betroffenen bei seiner Suche nach Hilfe.
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