Wirtschaft & Finanzen

Mit der 50-30-20 Regel sparen und trotzdem flexibel bleiben

Die 50-30-20 Regel hilft dabei, mit dem eigenen Geld gut hauszuhalten | Nattakorn_Maneerat/shutterstock.com

Wer versucht, seine Finanzen in den Griff zu bekommen, merkt schnell, dass das gar nicht so einfach ist. Selbst Ratgeber & Apps, die einen bei der Koordination unterstützen sollen, sind häufig viel zu kompliziert und wenig praxistauglich. Anders sieht das mit der 50-30-20 Regel aus. Mit dieser ist es möglich, das eigene Budget verschiedenen Aufgaben zuzuordnen. Auf diese Weise gelingt es gut, für alle Situationen gewappnet zu sein und immer genügend Geld zur Verfügung zu haben. Wie die 50-30-20 Regel funktioniert und worauf bei der Anwendung zu achten ist, erklärt dieser Artikel.

Was besagt die 50-30-20 Regel?

Die 50-30-20 Regel ist ein Verfahren, dass dabei helfen soll, für unterschiedliche Lebensbereiche jeweils eigenes Budget zur Verfügung zu haben. Das verfügbare Nettoeinkommen wird zu diesem Zweck in drei Teile geteilt. Der größte Teil geht an die Fixkosten, der zweitgrößte Teil ist für private Ausgaben und Freizeitvergnügungen reserviert und der dritte Teil wird für Investitionen und das Sparen benutzt. Wenn das gesamte Nettoeinkommen auf einen Schlag zur Verfügung steht, wirkt es zunächst einmal viel. Wenn es auf die verschiedenen Bereiche aufgeteilt wird, zeigt sich aber schnell, dass nur eine begrenzte Menge an Geld vorhanden ist. Das macht es leichter, mit dem vorhandenen Budget auszukommen und trotzdem nicht auf Lebensfreude und Lebensqualität verzichten zu müssen.

Darum ist die 50-30-20 Regel so wichtig

Viele Menschen beschäftigen sich nicht oder zu wenig mit ihren Finanzen. Die Folge ist, dass sie schnell den Überblick darüber verlieren, wie viel Geld ihnen tatsächlich zur Verfügung steht. Das kann auf der einen Seite dazu führen, dass man mehr ausgibt, als man eigentlich sollte. Ebenso kann es aber passieren, dass man sich bestimmte Dinge nicht gönnt oder leistet, weil man meint, hierfür nicht das nötige Budget zur Hand zu haben, obwohl das der Fall wäre.

Die 50-30-20 Regel ist eine einfache und allgemeingültige Methode, die in nahezu allen Lebenssituationen angewendet werden kann. Sie eignet sich für das erste eigene Gehalt nach der Ausbildung oder dem Studium ebenso wie für das Einkommen von jemandem, der bereits lange Jahre in seinem Beruf arbeitet. Hierdurch ist es möglich, Kontrolle über die eigenen Finanzen zu gewinnen und somit freier und flexibler in Finanzfragen agieren zu können.

Der Löwenanteil geht an die Fixkosten

50% des verfügbaren Einkommens sollte für Fixkosten eingeplant werden | pixabay.com

Die monatlichen Fixkosten verschlingen einen Großteil des Nettoeinkommens. Deswegen ist es sinnvoll, 50% des verfügbaren Geldes für solche Ausgaben bereitzustellen. Dieses Geld wird unter anderem genutzt, um die Miete zu bezahlen oder die Strom- und Gasrechnungen zu begleichen. Außerdem dient es dazu, die eigene Mobilität sicherzustellen. So kann mit dem Geld Benzin ebenso bezahlt werden wie ein monatliches Ticket für den ÖPNV oder die Nutzung von Carsharing oder E-Rollern. Des Weiteren wird Geld für Versicherungen benötigt. Neben der Krankenversicherung sind dies beispielsweise eine Hausratversicherung, eine Haftpflichtversicherung oder eine Kfz-Versicherung. Zudem sollte genügend Geld für Grundnahrungsmittel zur Verfügung stehen und auch für Kommunikation via Smartphone und Internet muss Geld bereitstehen.

Genug Geld für die Freude am Leben einplanen

So wichtig die Begleichung der Fixkosten und das Sparen sind, es muss immer auch genügend Geld für Freizeitaktivitäten und Vergnügungen bereitstehen. Laut der 50-30-20 Regel werden 30 % des Nettoeinkommens für diesen Bereich reserviert. Mit dem entsprechenden Geld ist es dann unter anderem möglich, Ausflüge zu machen, sich einen Restaurantbesuch zu gönnen oder sich neue Kleidung zuzulegen.

Ferner können die 30% des Nettoeinkommens für Bücher oder Konzertbesuche genutzt werden und auch neue elektronische Geräte wie Laptops oder Spielkonsolen können damit finanziert werden. Ebenso steht mit diesem Bereich genügend Geld zur Verfügung, um sich einen schönen Urlaub zu gönnen oder Mitglied in einem Club oder einem Fitnessstudio zu sein. Nicht zuletzt ist es für immer mehr Menschen wichtig, Unterhaltungsabos wie Streaming-Dienste finanzieren zu können.

Für die Zukunft vorsorgen

Die verbleibenden 20% des Nettogehalts werden laut der 50-30-20 Regel dafür verwendet, um Sparziele zu erreichen oder offene Schulden zu begleichen. Angesichts der immer größer werdenden Rentenlücke ist es fahrlässig, sich ausschließlich darauf zu verlassen, dass man später von der Rente den Lebensunterhalt bestreiten kann. Stattdessen ist es empfehlenswert, selber fürs Alter vorzusorgen und das vorhandene Geld zum Sparen zu verwenden.

Von Lebensversicherungen über einen guten Fondssparplan bis hin zu staatlich geförderten Vorsorgeprogrammen wie der Riester-Rente stehen ganz unterschiedliche Optionen zur Wahl. Wichtig ist, beim Sparen die Risiken zu streuen und sich nicht auf eine Anlageart zu verlassen. Gerade die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die verschiedenen Anlageklassen meist unterschiedlich entwickeln. Ein Beispiel: wenn Aktien sich gerade eher negativ entwickeln, hat man bei Anleihen oft gute Werte beobachtet – und genauso umgekehrt. Wer sich nicht so gut auskennt, sollte eine gute Beratung in Anspruch nehmen. Die kann man unabhängig beispielsweise bei den Verbraucherzentralen einholen.

Zudem entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, einen Ratenkredit aufzunehmen. Dieser wird dann genutzt, um eine wichtige Anschaffung zu tätigen, sich einen Urlaub zu gönnen oder es in ein eigenes Unternehmen zu investieren. Für die Rückzahlung solcher Darlehen wird eine monatliche Rate fällig. Diese lässt sich aus den 20% des Nettogehalts gut finanzieren. Es ist sinnvoll, nicht aus dem Bauch heraus zu sparen oder Kredite aufzunehmen, sondern einen konkreten Spar- oder Rückzahlungsplan zu erstellen, in dem die individuellen Spar- und Zahlungsziele klar aufgelistet sind.

Die 50 30-20 Regel anwenden

Das Schöne an der 50-30-20 Regel ist, dass sie ganz einfach angewendet werden kann. Der erste Schritt besteht darin, das eigene Nettoeinkommen genau zu bestimmen. Das ist für Angestellte, die ein regelmäßiges Einkommen haben, deutlich leichter als für Freiberufler, bei denen die Einnahmen schwanken. Es ist aber wichtig, möglichst genau zu wissen, wie viel Geld netto monatlich zur Verfügung steht.

In einem weiteren Schritt ist dann zu überlegen, welche Kosten im letzten Monat beziehungsweise im letzten Vierteljahr angefallen sind. Diese werden dann bestimmten Kategorien zugeordnet. Bei welchen Ausgaben handelt es sich um Fixkosten, die immer wieder anfallen, und welche Ausgaben treten nur gelegentlich oder sogar nur einmalig auf? Abhängig davon, wie viel Geld monatlich benötigt wird, ist dann klar, wie hoch die Kosten in den einzelnen Bereichen sind.

In einem dritten Schritt gewinnen die individuellen Wünsche an Bedeutung. Einigen ist es wichtig, monatlich möglichst viel Geld für Freizeitaktivitäten zur Verfügung zu haben. Hier ist es dann möglich, einen Schwerpunkt in der zweiten Kategorie zu setzen. Andere wollen sich stärker auf das Sparen fokussieren und können hierfür mehr Geld bereitstellen. Bei den Werten kann somit grundsätzlich jongliert werden, prinzipiell sollte das Verhältnis 50-30-20 jedoch gewahrt bleiben.

Kontrolle ist in Finanzfragen extrem wichtig

In Finanzfragen ist Kontrolle extrem wichtig. Geld kann nur dann zielführend eingesetzt werden, wenn man weiß, dass es da ist. Außerdem lassen sich unnötige Ausgaben vermeiden, indem man sich klar macht, wofür das Geld jeden Monat ausgegeben wird. Wer die Kontrolle abgibt, verliert schnell den Überblick, sodass nicht das Beste aus den vorhandenen Finanzen herausgeholt werden kann.

Im Unterschied zu anderen Methoden müssen sich Anwender bei der 20-30-50 Regel nicht mit komplizierten Tabellen, Grafiken und Statistiken auseinandersetzen. Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig, um dieses Verfahren anwenden zu können. Gleichzeitig bietet der Ansatz jedoch eine größtmögliche Kontrolle, da man mit wenigen Blicken erkennt, wie viel Geld man tatsächlich einsetzen kann und in welchen Bereichen es sinnvoll investiert wäre.

Mit drei verschiedenen Konten arbeiten

Im Namen der Übersichtlichkeit ist es sinnvoll, das Nettoeinkommen nicht auf einem einzelnen Konto aufzubewahren. Ansonsten ist es schwer, die einzelnen Budgets klar voneinander zu trennen und zu schauen, wie viel Geld in welchem Bereich noch zur Verfügung steht. Das ist aber wichtig, um sich einen Überblick zu verschaffen und die Kontrolle über die eigenen Finanzen zu behalten.

Es ist daher empfehlenswert, mit mindestens zwei Konten zu arbeiten. Auf das eine Konto wird das Geld für die Fixkosten eingezahlt, auf dem anderen verbleibt das Geld fürs Sparen und für die Altersvorsorge. Das Geld für die Freizeitaktivitäten kann grundsätzlich abgehoben werden, um immer Bargeld zur Verfügung zu haben. Ebenso ist es aber möglich, ein drittes Konto einzurichten, wenn vorrangig auf digitalen Wegen bezahlt werden soll. Durch eine solche Trennung ist immer für Übersichtlichkeit gesorgt und man gibt nicht versehentlich Geld für einen Bereich aus, der eigentlich für andere Aufgaben gedacht war.

Digitale Tools für das Sparen nutzen

Es gibt eine Vielzahl von digitalen Tools, die dabei helfen, sich einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen. So helfen beispielsweise Apps dabei, eine Haushaltsrechnung aufzustellen und zu schauen, wie viel des eigenen Geldes für welche Aufgaben ausgegeben wird. Ebenso können digitale Sparpläne genutzt werden, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie viel Geld man im Alter zur Verfügung haben wird. Nicht zuletzt helfen Banking-Apps dabei, Bankgeschäfte schnell, einfach und sicher durchzuführen.

All diese Lösungen bieten einen Mehrwert, solange sie eine große Voraussetzung erfüllen: Sie müssen nutzerfreundlich sein. Wenn es Mühe bereitet, Einnahmen und Ausgaben aufzuzeichnen und festzuhalten, wird diese Aufgabe im Alltag nicht erledigt werden. Wenn die Grafiken und Übersichten, die das jeweilige Tool liefert, zu kompliziert und detailreich sind, wird sich niemand damit beschäftigen. Deswegen müssen digitale Lösungen gewählt werden, die zu dem eigenen Nutzerverhalten passen und eine hohe Nutzerfreundlichkeit bieten.

Die 50-30-20 Methode ist erprobt und bewährt

Die Grundlagen für die heutige 50-30-20 Regel hat die heutige US-Senatorin Elizabeth Warren 2005 in ihrem Buch „All your worth: The Ultimate Lifetime Moneyplan“ festgehalten. Hierin werden verschiedene Methoden und Möglichkeiten genannt, um das eigene Budget bestmöglich zu überblicken und einzusetzen. Im Laufe der Jahre wurde die 50-30-20 Regel immer wieder angewendet und verfeinert, bis sie ihre heutige Form erlangt hatte.

Es handelt sich bei der 20-30-50 Regel somit nicht um einen neuen Finanztip, sondern um ein Verfahren, das seit vielen Jahren in unzähligen Bereichen Anwendung findet. Sie ist sowohl im privaten Bereich als auch in der Unternehmenswelt bekannt und wird von ganz unterschiedlichen Menschen genutzt. Wer sie einsetzt, kann sich somit sicher sein, dass sich mit dieser Regel gute Erfolge erzielen lassen, wenn sie denn individuell angepasst und zuverlässig angewendet wird.

Fazit

Die 50-30-20 Regel ist eine gute Methode, um sich einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen, Geld bestimmten Aufgabenbereichen zuzuordnen und sicherzustellen, dass immer genügend Kapital für alle Situationen zur Verfügung steht. Es dauert nicht lange, bis man sich in die Methode eingefunden hat und sie im Alltag anwenden kann. Wichtig ist es, sie nicht nur sporadisch einzusetzen, sondern ihr langfristig treu zu bleiben. Dann lassen sich die eigenen Finanzen optimal uns zielsicher einsetzen.

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