Gesundheit & Medizin

Niacinäquivalent: Bedeutung, Bedarf und Mangel

Niacinäquivalent
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Die Medizin ist eine der wichtigsten Wissenschaften unserer heutigen Zeit, obwohl sie zugleich zu den ältesten gehört. Sie hat sich im Laufe der Jahre zu einem unschätzbaren Wert für die Menschheit entwickelt, indem sie für einfache und komplexe Beschwerden, Krankheiten und Schmerzen stets das richtige Medikament zu reichen weiß. Die Medizin ist etwas, das jeden betrifft – und ist für viele dennoch ein Mysterium. Ein Grund dafür sind die oft undurchsichtgen Bezeichungen, Begriffe und Beschreibungen von Krankheiten und Medikamenten, aber auch von alltäglichen Stoffen, wie zum Beispiel den Vitaminen.

Vitamine sind den meisten bekannt und viele wissen auch, dass sie für ein gesundes Leben – manche sogar zum Überleben – notwendig sind. Eines dieser Vitamine, die als Vitamin A, B, C, und viele andere Formen vorliegen können, ist das sogenannte Vitamin B3, das wir auch unter dem Namen Niacin kennen.

Niacinäquivalent: Komplizierter Fachbegriff, simple Bedeutung

Zu geringen Teilen kann der menschliche Körper mithilfe eines seiner größten Organe, der Leber, das Vitamin B3 Niacin selbst synthetisieren. Die Leber nutzt dafür die Aminosäure Tryptophan: Indem die Leber Tryptophan, das vor allem in Käse, Getreide und Hülsenfrüchten zu finden ist, abbaut, bietet es mit dem Abbauprodukt Chinolinsäure die Vorstufe für Niacin, das dann wie bereits beschrieben im Stoffwechsel aktiv werden kann. Da Niacin in verschiedenen Formen und Vorstufen vorliegen kann, benötigt man einen Vergleichswert, um die Wirksamkeit einer jeden Variante des Vitamins gegenüberstellen zu können.

Somit beschreibt der Begriff Niacinäquivalent die notwendige Menge eines Stoffes, um einem Milligram Niacin zu entsprechen. So entsprechen 60 Milligramm der Aminosäure Tryptophan exakt 1 Milligram Niacin. Der menschliche Körper kann also aus 60 Milligramm Tryptophan 1 Milligramm Niacin am Ende des Umwandlungsprozesses synthetisieren. Mithilfe der Angaben in Niacinäquivalenten lassen sich gezieltere Angaben darüber machen, wie viel Vitamin B3 ein Mensch pro Tag benötigt. So liegt die täglich empfohlene Menge für erwachsene Frauen bei 13 Milligramm Niacinäquivalent pro Tag. Schwangeren wird eine Menge von 15 Milligramm, stillenden Frauen sogar 17 Milligramm pro Tag empfohlen.

Das entspricht der empfohlenen Tagesdosis an Niacinäquivalent für einen erwachsenen Mann. Ein Kind hat einen durchschnittlichen Bedarf von 5 bis 6 Milligramm Niacin pro Tag. Die Angaben, wei viel Milligramm Niacinäquivalent eine Person, ob weiblich oder männlich pro Tag benötigt, hängt selbstverständlich von den individuellen Voraussetzungen und gesundheitlichen Bedingungen ab. Dazu gehören Vorerkrankungen wie Diabetes oder andere Stoffwechselstörungen, Alkoholismus und die Körpergröße sowie die körperliche Betätigung der Person.

Vitamin B3
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Vitamin B3 – Niacin

Niacin, auch Nicotinsäure genannt, ist ein wasserlösliches Vitamin aus der Familie der B-Vitamine. Neben Panthotensäure, Biotin, Thiamin und anderen B-Vitaminen spielt das Vitamin B3 Niacin eine bedeutende Rolle bei verschiedenen Stoffwechselwegen. Es muss, wie die meisten anderen Vitamine, zum Großteil über die Nahrung aufgenommen werden und kann so seiner Funktion im Körper nachkommen. Zwar kann der menschliche Körper das Vitamin B3 Niacin selbst produzieren, allerdings nur zu einem geringen Anteil der benötigten Menge. Das geschieht in der Leber über die Umwandlung der Aminosäure Tryptophan, über die wir im nächsten Abschnitt mehr erfahren werden.

Niacin tritt in zwei Formen auf: Zum einen als Nicotinsäure und zum anderen als Nicotinamid. Beide Stoffe können vom menschlichen Körper mithilfe anderer Stoffe zu sogenannten Co-Enzymen umgewandelt werden. Diese Co-Enzyme tragen die Namen NAD und NADP und gehören zu den Nicotinamiden. In dieser Form unterstützt Niacin, entweder als NAD oder NADP, Stoffwechselprozesse der wichtigen Makronährstoffe Proteine, Kohlenhydrate und Fette. Was auch immer wir über unsere Nahrung aufnehmen: Niacin hilft uns dabei, die wichtigen Nährstoffe aus unserer Nahrung, seien es Proteine, Kohlenhydrate oder gesättigte und ungesättigte Fettsäuren, abzubauen, umzuwandeln und für unseren Körper nutzbar zu machen.

Eine ganz spezielle und überaus wichtige Funktion des Vitamins B3 Niacin liegt darin, das schädliche LDL-Cholesterin im Blut zu senken und dafür seinen Gegenspieler, das HDL-Cholesterin, zu erhöhen. Außerdem senkt Niacin die Triglyzerid-Werte Kurz gesagt ist Niacin also ein entscheidender Faktor unseres Energiehaushaltes. Doch so wie Niacin selbst in andere Stoffe umgewandelt und mit ihnen zusammenwirken kann, gibt es verschiedene Stoffe, die auf ähnliche Weise wirken wie Niacin.

Niacinreiche Lebensmittel

Für viele Vegetarier stellt der Mangel an Vitamin B ein besonderes Risiko dar, denn Vitamin B ist besonders in tierischen Produkten wie Rindfleisch, Fisch und Geflügel zu finden. Wer sich vegetarisch oder sogar vegan ernährt, sollte daher sehr bedacht darauf sein, ausreichende Mengen an Pilzen, Nüssen wie Cashews und Walnüssen, sowie Hülsenfrüchten und auch Datteln zu sich zu nehmen. Diese Lebensmittel sind gute und vielfältige Beispiele für niacinreiche, pflanzliche Lebensmittel.

Niacinäquivalent und Vitaminmangel: Zu wenig Vitamin B3?

Wie bei allen anderen Nährstoffen auch ist ein Mangel an Vitamin B3 ein Grund für bestimmte körperliche Beeinträchtigungen und Beschwerden. Zu den am weitesten bekannten Mangelerscheinungen gehören Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden, schuppige Haut bis hin zu entzündeten und wunden Stellen (Dermatitis), sowie Konzentrationsstörungen, also auch mentale Beeinträchtigungen. Ein typisches Krankheitsbild, das durch einen schweren Vitamin-B3-Mangel entstehen kann, ist die Pellagra. Sie tritt auf, wenn dem Körper zu wenig Niacin zur Verfügung steht und äußert sich vor allem in Form von Durchfall, Dermatitis und Erinnerungsschwierigkeiten bis hin zur Demenz.

Das verdeutlicht, wie wichtig die biologische Funktion ist, die das Vitamin B3 in unserem Körper übernimmt. Um den Körper ausreichend mit den Nähr- und Mineralstoffen, die er benötigt, zu versorgen, sollten wir also darauf achten, eine ausgewogene Ernährung zu betreiben, sodass wir Mangelerscheinungen wie der Pellagra und anderen Beschwerden bei Vitamin-B-Mangel vorbeugen können. Um die richtige und für uns als Individuum ratsame Menge an Vitamin B3 herauszufinden, kann das Niacinäquivalent als Richtwert genutzt werden.

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