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SOS-Pferdehilfe: Resttungskräfte rund um die Uhr im Einsatz

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SOS steht für „save our souls“. Diese Abkürzung kennen wir aus der Welt der Schiffe und Seeleute. Wenn dort SOS gefunkt oder per Morsealphabet übertragen wurde, waren Menschen in Gefahr im Wasser zu sterben, wenn zum Beispiel der Untergang eines Schiffes drohte. Die SOS-Pferdehilfe besteht aus vielen Vereinen und damit auch Tausenden von ehrenamtlichen Helfern, die sich um die artgerechte Haltung und das Wohl von Pferden kümmern.

Sie sind Teil des Tierschutzes in Deutschland und setzten den Anspruch des Tierschutzgesetzes in die Praxis um, nach dem jeder Pferdebesitzer verpflichtet ist, das eigene Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen (zu) ernähren, (zu) pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen“. Dazu gehört auch, dem Pferd die Möglichkeit auf artgemäßer Bewegung zu geben und alle tierquälerischen Handlungen zu unterlassen.

SOS-Pferdehilfe: Rettung für das Sehnsuchtstier

Pferde sind die Sehnsuchtstiere für viele Menschen, besonders für junge Mädchen im Teenageralter. Vielleicht sind es die Gegensätze und die Schönheit, die Pferde ausmachen. Ein eleganter, kraftvoller Galopp über die Koppel, den Schweif hoch aufgerichtet und doch im nächsten Moment eine behutsame Annäherung an den Menschen voller freundlicher Neugierde und manchmal sogar sichtbarer Zuneigung. Der größte Wunsch für viele Kinder ist daher auch ein eigenes Pferd. Doch eine artgerechte Pferdehaltung ist im Alltag nicht immer so problemlos umzusetzen, wie es für Pferdeneulinge anfangs erscheinen mag.

Pferde in „Gefangenschaft“ können sich im Gegensatz zu ihren wildlebenden Verwandten oder auch ihren menschlichen Besitzern nicht um die Erfüllung ihrer naturgemäßen Bedürfnisse kümmern. Sie sind darauf angewiesen, jeden Tag mehrmals mit frischem Futter und sauberem Wasser versorgt zu werden und genügend Möglichkeiten zu haben, sich mit Artgenossen frei zu bewegen und Sozialkontakte zu pflegen. Früher übliche Haltungsformen, wie reine Boxen- oder Ständerhaltungen von Pferden gelten heute glücklicherweise als nicht länger artgerecht für das Bewegungstier Pferd. So ist der Pferdebesitzer heute noch mehr als früher aufgefordert, seinem Pferd all das zu geben, was es täglich braucht.

Wie kommt es zu Vernachlässigung, Verwahrlosung und Verletzungen der Tiere?

Viele Pferdehalter kümmern sich sachgerecht und aufopferungsvoll um ihr Pferd und dies über viele Jahre hinweg und investieren einen Großteil ihrer Zeit und ihres Geldes in ihr Pferd. Doch gelegentlich kommt es zu unerwarteten Veränderungen im Alltag, die das ganze Leben und damit auch das eigene Pferd betreffen. Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, Tod des Partners oder eines nahen Verwandten, ernste Krankheiten und Überforderungsgefühle während Schwangerschaft und nach der Geburt des eigenen Kindes können das eigene Leben total auf den Kopf stellen. So sehr, dass plötzlich nicht mehr die Möglichkeit besteht, das Pferd wie gewohnt zu versorgen.

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Entweder fehlt nun die notwendige Zeit oder das Geld wird knapp und es ist nicht mehr möglich, dass Pferd bestmöglich versorgen zu lassen. In solchen Fällen gehen Pferdehalter gelegentlich Kompromisse ein, die unumgänglich erscheinen, weil sonst kein Ausweg möglich scheint. So ist plötzlich eventuell nur noch das Geld für die Stallmiete eines günstigen Pferdepensionsbetriebs vorhanden, der für seine schlechten Haltungsbedingungen bekannt ist oder man versucht, das Pferd ohne das nötige Know-How alleine und möglicherweise ohne Artgenossen in Eigenregie auf einer Wiese zu halten. Möglicherweise wird zu wenig oder schimmliges Heu gefüttert, an der Einstreu und am Säubern der Boxen gespart, sodass die Pferde in ihrem eigenen Mist stehen.

Vielleicht gerät auch in Vergessenheit, dass Pferde auch im Winter oder bei schlechtem Wetter getränkt und gefüttert werden müssen und dass der regelmäßige Termin beim Hufschmied Pflicht ist.

Folgen für die Pferde

Wenn solche Zustände länger anhalten, haben sie gravierende Folgen für die Gesundheit der Pferde. Sie magern möglicherweise extrem ab, entwickeln chronische Krankheiten des Verdauungstraktes, des Bewegungsapparates oder der Atmungsorgane. In extremen Fällen kommt es zu Knochenbrüchen und ähnlichen Notfällen, die zeitnah vom Tierarzt behandelt werden müssten. Dies unterbleibt jedoch, weil der Pferdebesitzer sich nicht darum kümmert, ihm alles gleichgültig geworden ist und nur noch das eigene Wohlergehen zählt. Wenn dann auch noch der Stallbesitzer mitverantwortlich ist, wegschaut oder bei Notfällen den abwesenden Pferdebesitzer nicht über den Vorfall informiert, kann es sogar zu Todesfällen auf der Weide oder im Stall kommen, die tagelang nicht bemerkt werden.

Verwahrloste und insbesondere misshandelte Pferde leiden allerdings nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Oftmals haben sie viel Negatives mit Menschen erlebt, sind möglicherweise eingeschüchtert und haben Probleme Vertrauen in den Menschen zu entwickeln. Manche von ihnen reagieren extrem schreckhaft auf bestimmte Geräusche, Gerüche oder bestimmte Tätigkeiten wie Striegeln des Fells, Trensen & Satteln oder tierärztliche Versorgung. Solche Pferde benötigen besonders viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen von ihren künftigen Besitzern.

Die SOS-Pferdehilfe wird tätig

Wenn Mitarbeitern der SOS-Pferdehilfe ein deutlich erkennbarer Fall von Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung oder nicht artgerechter Haltung bekannt wird, greifen die Mitarbeiter und ein dafür bestellter Amtsveterinär vor Ort zum Wohl der Pferde ein. Sie nehmen das Tier des verantwortungslosen Pferdebesitzers in Obhut und bringen es in einen neuen Stall, der von einem Tierschutzverein oder der SOS-Pferdehilfe betrieben wird. Wenn die Pferde bei der SOS-Pferdehilfe ankommen, werden sie dort – wenn nötig – tiermedizinisch verarztet und umfassend versorgt. Alle Pferde bekommen eine artgerechte, individuelle und auf die spezifischen Vorerkrankungen hin angepasste Fütterung und frisches Wasser.

Regelmäßige Termine beim Hufschmied oder Barhufpfleger gehören von nun an für alle Tiere zum Pflichtprogramm und gewährleisten, zusammen mit viel Auslauf, dass die Bewegungstiere auch ihrem angeborenen Bewegungsbedürfnis ohne Schmerzen nachkommen können. Die SOS-Pferdehilfe beschäftigt viele freiwillige, ehrenamtliche Helfer, die nicht nur für die Stallarbeit wie Füttern und Misten der Boxen zuständig sind, sondern auch dazu beitragen, dass ihre Schützlinge ein gutes Sozialverhalten entwickeln. Spaziergänge mit den Pferden am Halfter und Führstrick sorgen für zusätzliche Bewegung und stärken den Aufbau einer vertrauensvollen und respektvollen Beziehung zum menschlichen Gegenüber.

Dies ist auch wichtig für die Zukunft der Pferde, die ja in den meisten Fällen nicht dauerhaft auf dem Gelände der SOS-Pferdehilfe bleiben werden.

Kritik an SOS-Pferdehilfe und Tierschutz in den Medien

Obwohl viele Tierschutzvereine und gemeinnützigen Organisationen sich dem Tierschutzgedanken verpflichtet haben, mangelt es in der Realität manchmal an einer idealen Umsetzung. Auch gegenüber einzelnen Tierschutzorganisationen und dem Zusammenschluss der SOS-Pferdehilfe gibt es gelegentlich massive Kritik, die in den Medien publik gemacht wird. Kritikpunkte sind unter anderem, dass Spendengelder und Fördermittel nicht den Pferden zu Gute kommen und dass eine Verbesserung der Haltungsbedingungen für die Tiere nicht immer erreicht wird.

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Die privaten Tierschützer, die jährlich eine beträchtliche Geldsumme spenden und sich durch freiwillige Mitarbeit einbringen, reagieren wütend und mit Vertrauensverlust, wenn sie Hinweise bekommen, dass es den geretteten Pferden auf einzelnen, vom Tierschutz betriebenen Höfen nicht gut geht. Mangelnde Stallhygiene, nicht-artgerechte Haltung bis hin zu jämmerlich verendeten Pferden sorgen für großen Unmut und Empörung. Die Pferdehalter, denen ihre Tiere aus ihrer Sicht zu Unrecht genommen wurden, reagieren ebenfalls emotional aufgebracht und beschimpfen oder verklagen Tierschutzorganisationen. Engagierte Tierschützer und Tierschützerinnen beschimpfen ihrerseits Tierhalter, sich nicht angemessen um ihre Tiere gekümmert haben.

Die Auseinandersetzungen der unterschiedlichen Interessensgruppen schaukeln sich häufig immer mehr auf, wobei alle Seiten für sich reklamieren, nur das Beste für die Pferde im Blick zu haben. Abschließend lässt sich aber sagen, dass viele Helfer und Helferinnen des Tierschutzes in Deutschland mit enormem Engagement und Herzblut täglich dazu beitragen, dass Pferde aus bestehenden Notlagen gerettet werden.

Finanzierung und Vermittlungstätigkeit von Tierschutz und Pferdehilfe

Ohne das überwiegend ehrenamtliche Engagement der freiwilligen Helfer wäre der Tierschutz und die SOS-Pferdehilfe in Deutschland nicht denkbar. Die meistens gemeinnützig ausgerichteten Vereine arbeiten nicht gewinnorientiert und werden in der Regel durch Fördergelder oder Spenden finanziert, um eine artgerechte Tierhaltung zu erzielen. Um die anfallenden Kosten für das Pferdefutter, die Einstreu der Boxen, tierärztliche Versorgung, Hufbearbeitung etc. aufzufangen agieren der Tierschutz und die beteiligten Vereine der SOS-Pferdehilfe in ähnlicher Weise wie ein Tierheim für Haustiere.

Sie dienen nur als Zwischenstation für die Pferde, die hier durch eine verbesserte, artgerechte Haltung und Betreuung aufgepäppelt werden, um letztlich wieder fit für ein normales und glückliches Pferdeleben bei einem neuen Besitzer oder – bei älteren oder unreitbaren Pferden – auf einem Gnadenbrothof zu sein. Im Falle einer erfolgreichen Pferdevermittlung zahlt der neue Pferdebesitzer eine Aufwandsentschädigung an die SOS-Pferdehilfe bzw. den Tierschutz, die die bisher für das betreute Tier angefallenen Kosten decken soll.

Anforderungen an den neuen Pferdebesitzer

Bei der Vermittlung eines Pferdes aus dem Tierschutz zählt der Grundgedanke: „Platz vor Preis“. Das bedeutet, dass für die SOS-Pferdehilfe nicht der Verkaufspreis zählt, sondern, dass es das Wichtigste ist, für das jeweilige Pferd einen geeigneten, neuen Besitzer zu finden, der dem Tier aus schlechten Verhältnissen möglichst optimale Haltungsbedingungen bietet. Dazu gehören ein gepflegter Stall, in dem die Boxen und Auslaufflächen zuverlässig sauber gehalten werden, qualitativ hochwertiges und artgerechtes Futter, stets frisches Wasser zur freien Verfügung und viel Auslauf mit mindestens einem Artgenossen. Da Pferde Herdentiere sind, wird kein Pferd in eine Einzelhaltung abgegeben.

Viel Erfahrung mit Pferden, besonders mit Pferden, die schlimme Erlebnisse in ihrer Vergangenheit hatten, sind für eine erfolgreiche Vermittlung erforderlich. Der neue Besitzer sollte ein hohes Maß an Geduld, Verständnis und Feingefühl für sein neues Pferd mitbringen und in der Lage sein, sich in die Bedürfnisse dieses besonderen Tieres hineinzuversetzen. Gerade nach traumatischen Erlebnissen verhalten sich Tierschutzpferde in vermeintlich alltäglichen Situationen mitunter ganz anders als artgerecht gehaltene, ausgeglichene Pferde. Dadurch kann es im neuen Zuhause zu Zwischenfällen kommen, auf die der neue Halter souverän reagieren können sollte.

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