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Faltbare Smartphones: Vision der Zukunft oder verspieltes Gadget?

Andrey Suslov/shutterstock.com

Faltbare Handys sind keine neue Erfindung, aber bestimmen aktuell eine große Trendwelle. Seit 2006 experimentieren Hersteller mit faltbaren Geräten, denen zu Anfangszeiten die Technik von heute fehlte. Stattdessen setzten damalige Handys noch auf zwei Displays, die durch ein klassisches Scharnier verbunden waren. Heute lassen sich Screens einfach knicken. Undenkbar?

Die Vorteile von faltbaren Smartphones

Zu den Vorläufern der foldable Smartphones gehört das Kyocera Echo von 2011. Es ähnelte eher einem kleinen Laptop als einem Mobiltelefon, aber enthielt damals schon die Merkmale der heutigen Modelle. Das verbaute Scharnier wurde dank der Entwicklung moderner OLED-Displays aber schließlich überflüssig, da sich das Display nun biegen lässt. OLED-Displays werden seit 2016 in Smartwatches und Handys verbaut und weisen Eigenschaften auf, die sie stark von klassischen Displays unterscheiden. Die OLEDs sind organische Leuchtdioden, die Farbe und Licht selbst erzeugen. Eine Hintergrundbeleuchtung ist nicht notwendig.

Ein OLED besteht aus mehreren Halbleiterschichten, die zwischen zwei Elektroden verlaufen. Durch die Verlegung von Schichten aus unterschiedlichen Materialien sowie der Integration eines Farbstoffs können die Leuchtdioden schließlich Farben darstellen, sobald sie von Gleichstrom durchlaufen werden. Diese Technik bietet eine Reihe von Vorteilen. Ein definitives Pro sind das leichte Gewicht und die geringe Dicke von OLEDs. Weiterhin bieten sie eine absolute Blickwinkelstabilität und schnelle Reaktionszeiten. Für den Betrachter bedeutet dies, dass er von jeder Seite alle Farben bei voller Schärfe wahrnimmt. Besonders interessant für Handys macht sie zuletzt noch der geringe Energieverbrauch, der den Akku schont und damit die Laufzeit spürbar verlängert.

Der Markt boomt

Ein Blick auf den Markt macht schnell deutlich, dass sich inzwischen einige Größen der Branche in diesem neuen Markt positionieren und dem Trend folgen. Der weltweit größte Smartphonehersteller Samsung brachte im September 2019 das Samsung Galaxy Fold auf den Markt, welches über einen 7,1 Zoll Bildschirm verfügt und einen Preis von ca. 2.000 Euro aufruft. Huawei reagierte im November 2019 mit der Veröffentlichung des Huawei Mate X, das bisher jedoch nur in China verfügbar ist und umgerechnet etwa 2.300 Euro bei Markteinführung kostete. Daneben gab es noch weitere Hersteller mit eigenen Modellen, etwa Motorola mit dem Motorola Razr oder Xiaomi mit dem Mix Flex.

Apple, eigentlich bekannt als Vorreiter digitaler Innovation, hielt sich interessanterweise zurück. Doch es gibt erste Anzeichen, dass das Unternehmen bald auch mit einem eigenen Produkt einsteigt. So wurde im Februar 2020 ein Patent für ein Scharnier angemeldet, das für mehr Stabilität sorgen könnte, indem es sich im ausgeklappten Modus unter das Display schiebt. Somit würde Apple eine große Schwachstelle bisheriger faltbarer Handys beseitigen.

Anfang einer Bewegung

Das Zögern Apples macht deutlich, dass es sich bei faltbaren Handys lediglich um eine technische Neuerung handelt, deren Mehrwert den Marktpreis bedingt rechtfertigt. Schließlich sind die Displays vergleichsweise anfällig für Schäden, was ein klares Contra darstellt. So gab beispielsweise Motorola zu, dass bei seinem aktuellen Modell eine Blasenbildung bei langfristiger Benutzung unvermeidlich sei. Die nächsten Jahre werden demnach zeigen, ob die Makel der anfälligen OLED-Displays beseitigt werden können und inwiefern die Herstellungskosten bei einer Massenproduktion gesenkt werden.

Der Trend ist gesetzt und weitet sich aus: Neben der Smartphone-Branche beginnen zudem auch Laptop Hersteller mit neuartigen Designs zu experimentieren.

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