Gesundheit & Medizin

Schambeinbruch: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Schambeinbruch
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Das Schambein ist ein Doppelknochen am unteren Rand des Beckens. Es befindet sich direkt hinter den äußeren Geschlechtsorganen, wobei es bei der Frau etwas tiefer liegt als beim Mann. Bei Brüchen entstehen Risse oder Spalten im Knochen oder das Schambein bricht komplett. Schambeinbrüche zählen neben den Sitzbeinbrüchen zu den häufigsten Beckenbrüchen. Auslöser sind zumeist Unfälle im Straßenverkehr, beim Sport oder Stürze auf rutschigen Untergründen.

Schambeinbruch: Grundlegende Informationen

Das Schambein wird lateinisch mit „Os pubis“ bezeichnet. Gemeinsam mit dem Hüftbein und dem Darmbein bildet es den großen schaufelförmigen Beckenknochen. Jeder Mensch hat zwei dieser Beckenschaufeln. Am oberen Ende sind die beiden Hälften über das Kreuz-Darmbein-Gelenk verbunden. Am unteren Ende der Beckenschaufel sitzt das Schambein. Es setzt sich aus dem oberen Schambeinast (Ramus superior ossis pubis) und den unteren Schambeinast (Ramus inferior ossis pubis) zusammen.

Die unteren Schambeinäste laufen fast waagrecht aufeinander zu, berühren sich aber nicht. Zwischen den Knochen befindet sich die Schambeinfuge. Verbunden sind die beiden Teile über ein sehr starkes Knorpelgewebe. Direkt hinter dem Schambein verläuft das noch etwas tiefer liegende Sitzbein. Am inneren Endstück sind Scham- und Sitzbein verbunden.

Wissenswertes zur Funktion des Schambeins

Das Schambein hat gemeinsam mit der Beckenbodenmuskulatur eine wichtige Funktion bei der Stützung des gesamten Körpers. Der Aufbau und die Art des menschlichen Beckens ist dafür verantwortlich, dass wir aufrecht gehen. Damit unterscheiden wir uns von allen anderen Säugetieren auf dieser Erde. Die Schambeine sind über umgebendes Fasergewebe mit den Unterleibsmuskeln verbunden. Ein korrekt ausgerichtetes Becken und starke Muskeln sind unverzichtbar für die tiefe Atmung. Insbesondere bei hoher körperlicher Belastung und gesteigerten Atemfrequenzen ist die Funktionalität des unteren Beckenabschnitts unverzichtbar. Daneben schützt das Schambein die inneren Geschlechtsorgane des Menschen.

schambeinfraktur
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Was passiert bei einem Schambeinbruch?

Den Schambeinbruch bezeichnet man auch als Schambeinfraktur oder Schambeinastfraktur. Die Brüche werden in verschiedene Kategorien unterteilt:

Mikrobrüche des Schambeins

Von Mikrobrüchen sprechen Mediziner, wenn sich in einem Knochen haarfeine Risse gebildet haben. Diese Art von Bruch ist in den meisten Fällen auf eine dauerhafte Überlastung des Knochens zurückführbar. Die Substanz wird spröde. Degenerationserscheinungen wie Osteoporose können Haarrisse und Mikrobrüche begünstigen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Stressbrüchen. Unter Stress ist in diesem Fall die dauerhafte Überlastung des Knochens zu verstehen.

Mikrobrüche zählen zu den einfachsten Schambeinbrüchen. Komplikationen können sie bereiten, wenn Patienten den Bruch über längere Zeit hinweg nicht bemerken. Sie gewöhnen sich an zunehmenden Schmerz. Die normale Belastung des Schambeins im Alltag wird durch Kompensationshaltungen reduziert. Langfristig können dadurch Folgeschäden wie Beckenfehlstände oder Degenerationen anderer Knochenteile gefördert werden.

Schambeinastfraktur von Typ A, B und C

Bei einer Fraktur vom Typ A ist das Schambein komplett gebrochen. Es liegt aber keine Verschiebung der Knochenbereiche vor. Brüche vom Typ A können sich bei Komplikationen oder durch vorzeitige Belastungen zu Brüchen des Typs B weiterentwickeln. Bei Frakturen vom Typ B haben sich die Knochenteile an der Stelle des Bruchs verschoben. Durch die Knochensegmente können Weichteile beschädigt sein und innere Blutungen entstehen. Vom Typ C spricht man, wenn es durch die Verschiebung der Knochen zu einer deutlichen Instabilität des Beckens kommt.

Der Bruch kann sich im oberen oder unteren Schambeinast ereignen. Ist nur eine Schambeinhälfte gebrochen handelt es sich um eine Beckenringfraktur. Sind in besonders schweren Fällen beide Äste gebrochen, wird dies als eine komplette Schambeinastfraktur bezeichnet.

Diese Symptome können bei einem Schambeinbruch auftreten

Schambeinfrakturen passen immer als Folge von Überlastungen oder einem heftigen Aufprall einher. Bei Mikrobrüchen können Schmerzen schleichend sein. Akute Schambeinbrüche dagegen lösen unmittelbar oder kurz auf das Ereignis hin ziehende Schmerzen im Beckenbereich aus. Der Schmerz sitzt direkt unter dem Dammbereich und kann in den ganzen Körper ausstrahlen. Das Becken ist eines der wichtigsten Bewegungszentren des menschlichen Körpers. Liegt ein Bruch vor, sind nahezu alle anderen Bewegungsabläufe ebenfalls beeinträchtigt. Ein Schambeinbruch kann sich neben den direkten Schmerzen am Schambein durch diese weiteren Symptome bemerkbar machen:

  • Schmerzen beim Laufen, Drehen und bei Rotationen der Hüfte
  • Schmerzen, die in die Beine ausstrahlen
  • Schmerzen beim Sitzen und Aufstehen aus der Sitzhaltung
  • Schmerzen beim Liegen im Bett

Haben sich die Schambeinäste verschoben sind die Symptome besonders intensiv. Bewegungen können dann nur unter größten Schmerzen oder gar nicht mehr ausgeführt werden. Als Nebenerscheinung einer Schambeinfraktur können sich

  • Schwellungen
  • Schwindel und
  • Übelkeit bemerkbar machen.

Durch verschobene Knochen verletzte Weichteile und Organe lösen gegebenenfalls weitere drückende oder stechende Schmerzen aus. Bei Männern sind besonders häufig die Hoden als weitere Folge des Schambeinbruchs beeinträchtigt. Frauen können eine Verletzung der Blase erleiden. Bei schweren Schädigungen der Blase zeigen sich Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin.

schmerzen im schambereich
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Unfälle sind die häufigsten Ursachen für Schambeinfrakturen

In der Regel sind es Unfälle, starke Stöße sowie Stürze, die zu einem Schambeinbruch führen. Auto- oder Motorradunfälle gehen häufig mit einer Schambeinfraktur einher. Besonders Motorradfahrer, die Stürze erleiden, können sich beim Aufprall einen Schambeinbruch zuziehen. Eine weitere Risikogruppe sind Sportler, die in der vollen Bewegung oder während eines Richtungswechsels stürzen. Fußballspieler, die während einer Dreh- oder Schussbewegung ausrutschen, können Schambeinprellungen oder -brüche erleiden. Daneben trifft es häufiger Radsportler, Reiter und Schifahrer.

Eine andere Hauptrisikogruppe sind Menschen, die auf rutschigen Untergründen stürzen: frisch geputzte Fliesen, vereiste Flächen, glitschiges Laub im Herbst oder glatte Steintreppen. Vorerkrankung wie Osteoporose, Beckenschiefstände, chronische Schambeinentzündungen oder alte unbehandelte Verletzungen des Beckens erhöhen das Risiko einer Fraktur enorm. Bei Schwangeren kann das Risiko ebenfalls erhöht sein. Durch die hormonellen Veränderungen werden die Bänder und der Stützapparat weicher. Im Falle eines Sturzes oder Unfalles sind sie empfindlicher für Brüche. Schambeinbrüchen während des Geburtsvorganges dagegen sind unwahrscheinlich und kommen nur äußerst selten vor.

Wie erfolgt die Diagnose?

Zunächst wird der Arzt eine umfassendes Anamnesegespräch führen. Wie kam es zu den Schmerzen, wie lange bestehen sie schon, gab es einen Unfall oder Aufprall? Nach der Abklärung der verbundenen Ereignisse wird das Becken bildlich dargestellt. Dazu dienen in erster Linie Röntgenbilder. Später wird der Arzt sehr wahrscheinlich noch eine Computertomografie (CT) anordnen. Eine CT-Untersuchung liefert noch detailliertere Informationen.

Auf den Bildern sind nicht nur Knochenbrüche, sondern auch eventuelle Beeinträchtigungen des umliegenden Gewebes, der Organe und anderer Teile des Beckens sichtbar. Neben dem reinen Bruch muss der Arzt eventuelle Folge- und Nebenverletzungen umgehend und ausreichend abklären. Nur so können eine optimale Therapie und schneller Heilungserfolg garantiert werden.

Wie wird der Schambeinbruch behandelt?

Die Therapie unterscheidet sich je nach Lage und Heftigkeit des Bruches:

Behandlung von Schambeinbrüchen Typ A und Mikrobrüchen

Kam es zu keiner knöchernen Verschiebung wird der Schambeinbruch in der Regel nur mit Medikamenten behandelt. Der Patient bekommt Schmerzmittel und strengste Bettruhe verordnet. Jegliche Belastung des gesamten Körpers und Stützapparates müssen für einige Zeit vermieden werden. Trotzdem müssen sich Patienten schonend und entsprechend der Möglichkeiten bewegen, um Thrombosen effektiv vorzubeugen. Der Arzt wird in regelmäßigen Abständen die Heilungsfortschritte kontrollieren. Bei zunehmenden Schmerzen in der Heilungsphase muss sichergestellt werden, ob sich im Nachhinein doch noch eine Verschiebung der Schambeinäste ergeben hat. Weitere Röntgenaufnahmen sind sinnvoll oder sogar zwingend notwendig.

Schambeinfrakturen von Typ B und C

Kam es zu Verschiebungen der Knochen oder sind beide Schambeinäste gebrochen, ist ein operativer Eingriff meistens nicht mehr zu vermeiden. Viele Schambeinbrüche können heutzutage mit minimal-invasiven Operationstechniken behandelt werden. Das bedeutet, dass die Chirurgen die Verletzung des Körpers während des Eingriffs sehr gering halten. Weichteile, Gefäße und Nerven im Beckenraum sollen so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Heilung nach der Operation kann so schneller erfolgen und die Zeit der strengen Bettruhe auf das minimalste Maß beschränkt werden. Dadurch sinkt das mit dem Bruch verbundene Thromboserisiko.

Während des Eingriffs wird zunächst die richtige Position des Schambeins wiederhergestellt. Liegen weitere Verletzungen des umgebenden Gewebes vor, wird dieses natürlich gleich mitbehandelt. Die Fixierung des Schambeins erfolgt durch Platten oder Schienen, die auch „Fixateure“ genannt werden. Sie werden ähnlich wie bei einem Gerüst von außen an die Hüfte angesetzt. Bei komplizierten Schambeinastfrakturen kann es begleitend zu starken Einblutungen im Gewebe kommen. Die Operation erfolgt dann so schnell wie möglich, um die Blutungen zu stoppen und große Blutergüsse umgehend zu entfernen.

behandlung von schambeinbruch
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So lange dauert es, bis der Bruch verheilt ist

Leichte bis mittelschwere Schambeinfrakturen heilen innerhalb von etwa drei Monaten vollständig aus. Schmerzfreiheit und Bewegungsfähigkeit sind bei den meisten Patienten schon nach 6 bis 8 Wochen erreicht. Bei schweren Brüchen mit kompliziert verschobenen Schambeinsegmenten kann sich der Heilungsprozess bis zu einem halben Jahr oder länger hinziehen. In besonders schweren Fällen müssen Betroffene mit zurückbleibenden dauerhaften Fehlstellungen des Beckens rechnen.

Geeignete Rehabilitationsmaßnahmen nach Schambeinbrüchen

Insbesondere bei komplizierten Schambeinbrüchen sind neben der reinen Behandlung der Fraktur begleitende Maßnahmen angezeigt:

  • Das Tragen einer orthopädischen Stützhilfe (Orthese)
  • Ambulante Physiotherapie zum Muskelaufbau und der Wiederherstellung gesunder Bewegungsabläufe
  • In besonders schweren Fällen stationäre Aufenthalte in Reha-Kliniken mit umfassendem Betreuungsprogramm

Ist absehbar, dass Schäden und Fehlstellungen zurückbleiben werden, muss besonderer Wert auf Prophylaxe gelegt werden. Die einst betroffene Stelle wird in Zukunft eine Schwachstelle bleiben, die bei erneuten Stürzen, Unfällen oder Aufprallgeschehen schnell erneut brechen kann.

Die Behandlung mit der SacroLoc Orthese

Momentan noch selten, aber insgesamt im Kommen ist die Behandlung von Schambeinfrakturen mit dieser speziellen Form der Beckenorthese. Patienten tragen die SacroLoc Stützhilfe bereits während der ersten Heilungsphase im Bett. Die Orthese stellt durch sanfte Kompression schmerzende Bereiche still und stützt gleichzeitig optimal. Patienten berichten von einem deutlichen Gefühl der Entlastung und weniger Schmerzen.

Gleichzeitig ermöglicht die SacroLoc Orthese dem Patienten ein gewisses Maß an Bewegungsfreiheit unbetroffener Gliedmaße. Das Risiko von Blutgerinnseln aufgrund der Bettlägerigkeit wird so drastisch reduziert. Die Gabe von Schmerzmitteln kann in der Regel ebenfalls deutlich herabgesetzt werden. Getragen wird die SacroLoc Beckenorthese über einen Zeitraum von etwa 12 Wochen.

Mögliche Komplikationen bei der Behandlung

Zu herkömmlichen Nebenerscheinungen und Komplikationen gehören:

  • Schwellungen
  • Blutergüsse und
  • eingeklemmte Nerven.

Bei Männern können Hodenverletzungen zusätzliche zu Komplikationen und Folgeschäden führen. Blasenprellungen oder –rupturen, die sich als Folge des Bruchs ereignet haben, heilen in der Regel binnen weniger Wochen vollständig aus. Komplikationen beim Zusammenwachsen der Schambeinsegmente können langfristig zu Beckenfehlstellungen mit Bewegungseinschränkungen führen. Gezielte Physiotherapie und die strenge Einhaltung von Ruhe- und Genesungszeiten helfen, Komplikationen so gering wie möglich zu halten.

Kann ein Schambeinbruch verhindert werden?

Grundsätzlich erleiden umsichtige und körperlich fitte Menschen weniger Unfälle und damit auch weniger Brüche. Selbst wenn Stürze oder traumatische Aufprallereignisse passieren, fangen sich bewegliche Menschen besser ab. Wer geschmeidige Sehnen und Gelenke hat, hat ein schnelleres Reaktionsvermögen. Der Körper bringt sich im Falle eines Sturzes oder Unfalls von selbst in eine schützende Position. Die Heftigkeit eines Aufpralls kann so deutlich gepuffert werden. Eine insgesamt aufrechte Körperhaltung, gesundheitsförderndes Gehen und gutes Schuhwerk wirken sich ebenfalls positiv auf das Bewegungszentrum Becken und die Gelenke aus.

Wer bereits Brüche im Becken- oder Oberschenkelbereich hatte, sollte besonders rücksichtsvoll mit sich umgehen. Gezieltes Körpertraining, sanfte Sportarten wie Yoga, Pilates oder Feldenkrais helfen dabei, den Körper flexibler und weniger anfällig für Brüche zu halten. Dennoch können selbst umsichtigste und sportlichste Menschen nie völlig sicher vor Unfällen und Knochenbrüchen sein.