Gesundheit & Medizin

Plötzlich Pflegefall: Was können Betroffene tun?

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Ab einem gewissen Alter hat sich wohl jeder schon Gedanken gemacht, was kann ich tun, wenn einer meiner Angehörigen zum Pflegefall wird. Es gibt dafür tausende von Ratgebern, Gesetzestexte oder Infobroschüren, die sich ausführlich damit auseinandersetzen.

Aber machen wir uns nichts vor, dieses Thema schiebt man gerne vor sich her in der Hoffnung, dass es ja noch nicht so weit ist und man noch genügend Zeit hat. Sollte es dann zu diesem Fall kommen, geschieht dieses in der Regel sehr plötzlich und man ist zunächst einmal ratlos. Unmengen an Dingen sind gleichzeitig zu beachten und zu klären. Um Ihnen die wichtigsten Punkte ins Gedächtnis zu rufen, möchten wir Ihnen diesen kleinen Ratgeber mit auf den Weg geben.

Info: Laut einer Studie der AOK gab es 2019 insgesamt 3.685.389 Pflegebedürftige in Deutschland.

Wer hilft in dieser Situation?

Zunächst einmal möchten wir Ihnen klarmachen, dass Sie keineswegs alleine dastehen. Sicherlich werden Sie als erstes die Situation mit Ihren nächsten Angehörigen oder Verwandten besprechen wollen. Sollte es diese aber nicht geben oder sie sind weit entfernt vom Wohnort gibt es aber noch andere Institutionen oder Anlaufstellen, die Sie unterstützen können. Für gewöhnlich bespricht man die Situation erst einmal mit dem Hausarzt. Dieser kann Ihnen sicherlich jede Menge Tipps zum weiteren Ablauf geben. Weiterhin stehen zur Verfügung:

  • Die behandelnde Klinik
  • Die Krankenkasse / Pflegekasse
  • Bürgertelefon / Sozialamt
  • Seniorenberatungen / Sozialstationen
  • Das Bürgertelefon des Bundesministeriums
  • Selbsthilfegruppen
  • Und natürlich private Pflegedienste

Was ist als erstes zu tun?

Als ersten Schritt muss man zunächst die Gesamtsituation betrachten und den Pflegebedarf erfassen. Das ist nicht immer ganz einfach. Zu diesem Zweck werden die zu Betreuenden in sogenannte Pflegestufen/Pflegegrade unterteilt. Seit 2017 unterscheidet man die Stufen 01 (noch weitgehend selbständig) bis Stufe 05 (schwerste Beeinträchtigungen) | Quelle: Humanis 24h Pflege. Bevor dieses aber von offizieller Seite geschieht, sollte man abwägen, welche Art von Pflege wirklich der Situation entspricht bzw. sinnvoll ist.

  • Ist eine häusliche/ambulante Pflege möglich?
  • Wer kann diese bewerkstelligen? Angehörige, Krankenkasse oder privater Pflegedienst?
  • Wieweit beeinträchtigt diese das familiäre und berufliche Umfeld der Angehörigen?
  • Ist eventuell schon eine stationäre Pflege notwendig?
  • Wer kann/soll/muss das bezahlen?

Vorteile / Nachteile ambulanter bzw. häuslicher Pflege

Bei geringfügigen Beeinträchtigungen sollte wohl zunächst einmal die häusliche Pflege in Betracht gezogen werden. Diese gewährt dem Bedürftigen erst einmal sein Verweilen in der gewohnten Umgebung, keine zu großen Umstellungen der täglichen Lebensabläufe und meistens auch geringere Kosten für die Betreuung. Nachteilig kann sich diese Art der Pflege aber auch für die Angehörigen auswirken. Diese müssen vielleicht ihre beruflichen Tätigkeiten umstellen, sind starken emotionalen Belastungen ausgesetzt und mitunter sind kostspielige Umbauten im Haus des Pflegebedürftigen notwendig.

Vorteile / Nachteile stationärer Pflege

Bei stationärer Pflege ist ein professionelles Umfeld gewährleistet. Die Betreuung erfolgt durch ausgebildetes Pflegepersonal und die Angehörigen können in der Regel in ihrem beruflichen Umfeld bleiben. Nachteile sind natürlich die sehr hohen Kosten und ganz speziell, dass der Bedürftige aus seinem gewohnten Ambiente herausgerissen wird. Angehörige können die Bedürftigen weniger oft besuchen und es steht oftmals nur geringer privater Rückzugsraum zur Verfügung.

Beantragung des Pflegegrads

Jede Krankenversicherung beinhaltet auch eine Pflegeversicherung. Deren Gutachter bestimmen den Grad der Beeinträchtigung und somit auch über die Höhe des Anteils der Kosten der Pflegeversicherung. Deshalb sollte man zu diesem Termin sehr gut vorbereitet sein, da diese Einteilung in der Regel überhaupt erst entscheidet, ob stationäre Pflege theoretisch in Frage kommt. Es wird ein Termin mit dem Gutachter vereinbart, bei welchem die Pflegebedürftigen in eine der fünf Pflegegrade eingeteilt werden. Bei den gesetzlichen Krankenkassen übernimmt diese Begutachtung der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkassen) und bei Privatversicherten der MEDICPROOF.

Rechtliche Vertretung

Beachten sollten Sie auch die gesetzlichen Vorschriften. Oftmals ist der Bedürftige von einem Tag auf den anderen nicht mehr in der Lage, selbst gewisse Entscheidungen zu treffen. Wir können Ihnen nur empfehlen, diesen Punkt schon im Vorfeld zu klären.

  • Wer soll im Falle des Falls gesetzlicher Vertreter sein?
  • Wie sieht es beim Eintritt einer plötzlichen Bedürftigkeit mit den Vollmachten aus?
  • Bestehen Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten?

Entscheidung zur richtigen Pflege

Sie werden feststellen, die Entscheidung zur richtigen Pflege ihrer Liebsten, wird keine einfache sein. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Auch in der eigenen Verwandtschaft werden unterschiedliche Meinungen bestehen. Hinzu kommen rechtliche und finanzielle Beschränkungen. Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, beeinträchtigt dies nicht nur dessen Leben. Die nächsten Angehörigen und Freunde werden ebenso zu schwierigen Entscheidungen gezwungen. Man möchte das absolut Beste für den Bedürftigen, möchte und muss sein Leben aber auch weiterleben.

Deshalb empfehlen wir Ihnen, auch die Möglichkeit zu erwägen, einen privaten Pflegeservice zur 24h Pflege zu engagieren. Hierbei können Sie ohne bürokratische Vorschriften selbst entscheiden, wieviel Pflege benötigt wird und was zum jeweiligen Zeitpunkt das Beste für Ihren Angehörigen ist, ohne selbst berufliche Konsequenzen zu erleiden. Entscheiden Sie individuell und immer zum Besten des Patienten. Wir wünschen Ihnen viel Glück und Erfolg.

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