Gesundheit & Medizin

Schneidersitz lernen: Schritt-für-Schritt Anleitung und Tipps

schneidersitz
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Viele Leute wollen den Schneidersitz lernen, um ihn für die Meditation oder zur Entspannung zu nutzen. Er ist tatsächlich eine sehr einfache und bequeme Art und Weise des Sitzens. Für Kinder und geübte Menschen ist der Schneidersitz ganz leicht. Für „eingerostete“ Gelenke dagegen kann diese Sitzposition zunächst eine Herausforderung sein.

Schneidersitz lernen: Grundlegende Informationen

In unserem Sprachgebrauch sagte man früher zum Schneidersitz auch Türkensitz. Schneider saßen bevorzugt auf diese Weise, da es das bequeme Nähen auch schwerer Stoffe und nahe einer Lichtquelle ermöglichte. Außerdem soll es in einstigen Schneidestuben oft nicht genug Stühle gegeben haben, sodass sich die Gesellen in einer bequemen Haltung auf den Boden setzen mussten. Auch die Türken haben diese Art des Sitzens seit Jahrhunderten praktiziert. Selbst Sultane saßen im osmanischen Reich im Schneidersitz auf ihren Thron-Kissen.

Der Schneidersitz in Indien und in der Meditation

Heute ist der Schneidesitz vor allem in der Meditation beliebt. Tatsächlich kennt man diese Art zu sitzen auch in Indien. Dort gehört der „Sukhasana“ zu den Körperübungen des Yoga. Die wurden in der Regel zur Vorbereitung auf die Meditation durchgeführt. Sukhasana heißt „angenehme Sitzhaltung“. Pofis nehmen für die eigentliche Meditation den „Padmasana“ zu Deutsch „Lotussitz“ ein. Der ähnelt dem Schneidersitz, die Dehnung ist jedoch mehr und die Fußsohlen zeigen nach oben.

Das ist beim Erlernen wichtig

Damit das Sitzen in dieser Position förderlich und ermüdungsfrei ist, müssen ein paar Dinge beachtet werden. Es reicht also nicht, sich einfach hinzusetzen und die Beine zu kreuzen. Im Gegenteil, wer im Schneidersitz krumm sitzt, nicht richtig atmet oder Gefäße quetscht, schadet sich. Beim optimalen Schneidersitz:

  • ist die Wirbelsäule gerade
  • hat das Hüftgelenk noch etwas Spiel
  • ist die Gesäßmuskulatur losgelassen
  • ist die Beckenbodenmuskulatur in angenehmer Spannung
  • sind die Füße entspannt
  • sind die Knie nicht überdehnt oder verdreht.
schneidersitz meditieren
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Den Schneidersitz Schritt für Schritt lernen

Wer etwas schwerfällige Gelenke bekommen hat oder sogar Schmerzen im Knie, dem Hüftgelenk oder in Lenden-Wirbelsäulenbereich hat, muss langsam beginnen. Insgesamt können aber auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder degenerativen Gelenkerkrankungen davon profitieren, den Schneidersitz wieder zu lernen und korrekt einzunehmen. Allerdings stehen in diesem Fall dann an allererster Stelle leichte Bewegungs- und Aufwärmübungen der Knie und Hüfte.

Um die Knie wieder beweglicher zu bekommen, reicht es, im Stehen einen Fuß vom Boden zu nehmen und das Unterbein leicht aus dem Knie heraus zu schaukeln. Die Hüfte öffnet sich, wenn im Stehen ein Bein leicht angezogen und dann aus dem Stand und der Hüfte heraus nach außen gedreht wird. Erst wenn das Sitzen auf dem Boden mit leicht angezogenen und gefalteten Beinen keine Schmerzen oder Druck verursacht, kann der eigentliche Schneidersitz eingenommen werden.

Die praktische Anleitung für den Schneidersitz

Gerade bei Anfängern sind die Zirkulation und der Energiefluss besser, wenn eine dünne Sitzunterlage das Gesäß unterstützt. Dazu kann ein flaches Kissen oder eine gefaltete Decke dienen.

  • 1. Schritt

Auf der Sitzunterlage gemütlich Platz nehmen und die Beine locker wegstrecken.

  • 2. Schritt

Die Wirbelsäule aufrichten und ausrichten. Schon bevor die Beine näher an den Körper herangezogen oder gefaltet werden, sollte der Sitz aufrecht sein. Dabei gilt: locker aufrichten, nicht die Wirbelsäule durchdrücken, sondern nur leicht strecken. Dabei kann die Vorstellung den Haarmittelscheitel Richtung Himmel zu strecken helfen.

  • 3. Schritt

Die Beine werden aus der Hüfte heraus an den Körper gezogen. Natürlich können die Hände die Beine beim Heranziehen an den Körper unterstützten.

  • 4. Schritt

Durch ein leichtes Beugen der Knie nach außen entsteht ein Raum zwischen den Beinen.

  • 5. Schritt

Jetzt werden die Schienbeine des linken und rechten Beines gekreuzt, und zwar genau in der Mitte. Die Schienbeine berühren einander und die Füße wandern dadurch unter das jeweils gegenüberliegende Knie.

frau meditiert am strand
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  • 6. Schritt

Die Ausrichtung muss stimmen: Die Füße können unter dem Knie oder leicht unterhalb des Knies (das hängt von den persönlichen Körperproportionen ab) ideale Unterstützung leisten. Dadurch hängen die Knie nie frei oder gar mit Schmerzen oder Druck in der Luft, sondern ruhen auf den Füßen, die wiederum auf dem Boden ruhen.
Der Kreuzungspunkt der Schienbeine sollte auf einer Linie mit dem Baunabel und dem Brustbein liegen. Das Gewicht ruht auf den Sitzbeinen des Gesäßes. Der Po ist ansonsten entspannt.

  • 7. Schritt

Jetzt wird die gesamte Ausrichtung noch einmal überprüft. Ist die Wirbelsäule noch locker und gerade? Fühlt sich der Sitz bequem an? Drückt es irgendwo? Gegebenenfalls müssen vor allem Anfänger und Menschen mit Einschränkungen hier noch einmal lockern. Ein paar Millimeter können Wunder bewirken. Wem der Sitz zu steif ist und wer sich mehr „gesperrt“ denn sicher fühlt, atmet ein- bis zweimal tief durch (das entspannt) und löst den Sitzt dann langsam wieder auf. Beim nächsten Mal wird es schon besser gehen!

Wer angenehm sitzt, kann noch ein paar Atem- und Lockerungsübungen machen:

  • Im Yoga ist Sukhasana dafür bekannt den freien Fluss der Kraft zu unterstützten, da der Mensch in einer ausbalancierten Haltung sicher sitzt.
  • Durch das Falten der Hände vor dem Herzen und tiefe Atmen bis zu den Zehen hinunter kann dieser Fluss zusätzlich unterstützt werden.
  • Regelmäßig eingenommen und geübt wird der Schneidersitz bald zu einem bequemen Entlastungssitz, der Körper und Seele in Einklang bringt und entspannt.